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Afrika

Klimaschutz als Geldquelle

Der tropische Regenwald ist auch in Westafrika massiv bedroht. Die ehemaligen Bürgerkriegsländer Sierra Leone und Liberia setzen alles daran, ihre Wälder zu schützen. Und sie wollen damit sogar Geld verdienen.

Regenwald in Afrika (Foto: dpa)

Regenwald in Gefahr

Unterwegs durch Westafrikas letzten Tropenwald. Es ist feucht und heiß, in der Luft liegt der Geruch von Erde und exotischen Blüten. Durch die Kronen der riesigen Bäume dringt kaum Sonnenlicht – ein dunkelgrünes Paradies, sagt Umweltschützer John Moriba, der sich mit der Machete den Weg bahnen muss. "Wir schützen hier Tiere, die nur in dieser Region vorkommen – kleine Elefanten, Zwergnilpferde, seltene Vögel. Sogar die scheuen Waldantilopen wurden hier schon gesichtet, obwohl sie eigentlich schon als ausgestorben gelten."

Wertvolles Ökosystem

Der Gola Forest zwischen Sierra Leone und Liberia ist das letzte noch weitgehend unberührte Ökosystem der Region. Vor mehr als einem halben Jahr haben die Staatschefs beider Länder, Ernest Bai Koroma und Ellen Johnson-Sirleaf, ihn zu einem grenzübergreifenden Nationalpark gemacht. Mit millionenschwerer Hilfe der Europäischen Union und praktisch in letzter Minute.

Diamantenmine (Foto: AP)

Für Diamantminen werden Wälder gerodet

Denn der Regenwald ist bedroht. Durch illegalen Einschlag und Verkauf von Tropenholz, durch Brandrodung für Diamantenminen, durch internationale Wilderei im großen Stil. Und dann sind da noch die Menschen aus den Dörfern, die der Natur und damit sich selbst das Leben schwer machen, weil sie für ihre Reisplantagen den Wald planlos abholzen. Mit fatalen Folgen für die Wasserversorgung. "Wir müssen miteinander reden – so können wir nicht weitermachen", sagt der Farmer Mustafa Koroma. "Hier in den Dörfern, wo viel abgeholzt worden ist, gibt es kein Wasser mehr. Und das trotz der langen Regenzeit. Alles ist trocken und ausgedörrt. Wir graben uns selbst das Wasser ab."

Schwierige Überzeugungsarbeit

Langsam begreifen die Menschen rund um den Gola Forest , dass sie eine intakte Umwelt brauchen, um zu überleben. Dennoch ist mühsame Überzeugungsarbeit gefragt. "Wer Hunger hat und immer von der Jagd gelebt hat, vom Verkauf von so genanntem Bushmeat, der lässt sich nicht von heute auf morgen einfach verbieten, Tiere zu töten, selbst wenn sie vom Aussterben bedroht sind", sagt Projektmanager David Zeller. "Man muss Alternativen anbieten und der Bevölkerung klarmachen, dass dieses Ökosystem geschützt werden muss. Und dafür brauchen wir viel Zeit und Geduld."

Geld mit Bäumen

Am Ende könnte dieser Umweltschutz bares Geld bedeuten. Denn Sierra Leone und auch Liberia könnten sich die Aufnahme und Speicherung des Treibhausgases CO2 durch den Gola Forest anrechnen lassen. Auf der Klimakonferenz in Bali 2007 hatten die Vereinten Nationen vereinbart, dass dem in den Wäldern gespeicherten Kohlenstoff künftig ein wirtschaftlicher Wert beigemessen wird. Nach Ansicht von David Zeller ist das ein guter Anreiz für alle Beteiligten, um die Entwaldung zu stoppen. Von einem Erfolg des Klimagipfels in Kopenhagen, sagt David Zeller, hänge deswegen auch für den Gola Forest viel ab. Der Emissionshandel werde eine wichtige Rolle spielen. "Nicht nur, weil dadurch Geld in die Kassen des Gola Forest Projekts kommt und die laufenden Kosten gedeckt werden können. Sondern auch weil die Menschen dadurch erkennen, dass es sich lohnt, solche großartigen Ökosysteme zu schützen."

Frau mit Kindern vor einer Hütte (Foto: dpa)

Die meisten Menschen in Sierra Leone und in Liberia haben andere Sorgen als Klimaschutz

Sebatu Koroma hat allerdings noch nie etwas von Kohlendioxid gehört, und den Treibhauseffekt kennt sie auch nicht. Sie arbeitet auf dem Feld, um ihre zwei kleinen Kinder satt zu bekommen. Aber sie weiß jetzt, dass das dunkelgrüne Paradies des Gola Forest dabei eine große Rolle spielt. "Ich will, dass dieser Wald für immer geschützt wird", sagt sie. "Denn wenn wir das nicht schaffen, dann werden meine Kinder und auch die nächsten Generationen keine Lebensgrundlage mehr haben. Ohne den Wald können wir nicht überleben."

Autor: Alexander Göbel
Redaktion: Christine Harjes