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Wissen & Umwelt

Klimarettung sogar schneller möglich

Das Zwei-Grad Ziel könnte schneller als gedacht erreicht werden. Die explosive Entwicklung der Erneuerbaren und das "Implodieren" fossiler Industrien könnten "Paris zum Erfolg machen," sagen Potsdamer Klimaforscher.

Forscher vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) berechnen komplexe Zusammenhänge über lange Zeiträume, versuchen zu verstehen, was sich in der Atmosphäre abspielt und geben Prognosen für mögliche Entwicklungen des Weltklimas ab. Ihre Ergebnisse sind Bestandteil in den Weltklimaberichten (IPCC) und auch auf den Klimakonferenzen wird die Expertise der Forscher geschätzt.

In einem

Aufsatz

für die Fachzeitschrift Climate Change beschreiben die PIK-Forscher nun die Erfolgschancen des Pariser Klimaabkommens. Dabei legen sie besonderes Augenmerk auf sogenannte "selbstverstärkende Entwicklungen" in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik.

Nach Ansicht von Leitautor Hans Joachim Schellnhuber, dem Direktor des PIK, ist das Klimaabkommen von Paris "ein historischer Durchbruch und ein Triumph der Vernunft." Schellnhuber berät die Bundesregierung im Beirat für globale Umweltveränderungen (WBGU). "Jetzt gibt es den Druck, diesen Konsens rechtzeitig umzusetzen, um die lauernde humanitäre Tragödie tatsächlich noch zu verhindern," sagt er.

Thwaites Gletscher in der Antarktis aus der Luft (Picture alliance/ dpa/ NASA)

Der Eispanzer der westlichen Antarktis könnte vollständig verschwinden. Anzeichen hierfür gibt es bereits.


Ein Unterschied zwischen 1,5 und zwei Grad ist substanziell

In ihrem Artikel betonen die PIK-Forscher wie wichtig ein ambitionierter Klimaschutz sei. "Das Klimaziel von Paris, den weltweiten Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, bietet die Chance, einige der größten Klimarisiken zu vermeiden - das Kippen von wichtigen Elementen des Erdsystems", sagt Ko-Autorin Ricarda Winkelmann.

So könne sich das Eis an den Polen oder der Regenwald des Amazonas "relativ rasch und wahrscheinlich unumkehrbar verändern, wenn einmal eine bestimmte Erwärmungsschwelle überschritten ist. Das sind keine isolierten Vorgänge, sie haben Auswirkungen auf den gesamten Planeten."

Auf der Grundlage der Forschungsergebnisse der vergangenen zwei Jahrzehnte zeigen die Wissenschaftler auf, dass die Begrenzung der Erderwärmung auf nur 1,5 Grad über das vorindustrielle Niveau schon erhebliche Folgen hätte. So würden zum Beispiel die Korallenriffe weltweit bedroht und der Meeresspiegels um rund 1,5 Meter bis zum Jahr 2300 ansteigen.

Bei zwei Grad hingegen zeigen die Projektionen für den gleichen Zeitraum einen Anstieg von 2-3 Metern. Das riesige Eisschild Grönlands könnte dann seinen Kipp-Punkt bereits überschritten haben. "Jenseits von 2 Grad steuern wir auf einen vollständigen Eisverlust der nördlichen Halbkugel zu", sagt Winkelmann. "Dies hätte einen Anstieg des Meeresspiegels zur Folge, der langfristig eine Gefahr wäre für Küstenmetropolen wie New York, Mumbai und Tokio."

Solarpark und Windräder in Luoyang (China) (Foto: Getty Images/ T. Yiwei)

China setzt massiv auf den Ausbau von Erneuerbare Energien und investiert hier wie kein anderes Land auf der Welt.


Erneuerbare Energieträger kommen - fossile Industrie bricht zusammen

Die PIK-Forscher betonen, dass die Pariser Klimaziele sich nur erreichen lassen, wenn die Emissionen aus fossilen Quellen auf null heruntergefahren werden. Dafür müssten immer mehr Länder eine Verschmutzungsabgabe für CO2 verlangen, um so die Emissionen zu reduzieren.

Aber die Autoren sind optimistisch. Sie erkennen mehre günstige Trends in der Energiewirtschaft. "Der Preisrückgang und der Zuwachs an Effizienz bei der Erzeugung von Strom aus Wind und Sonne haben auch optimistische Vorhersagen übertroffen", sagt Ko-Autor Stefan Rahmstorf. Eine technologische Explosion bei den erneuerbaren Energien könne zu einer "Implosion" der fossilen Industrien führen, sagen die Wissenschaftler in ihrem Bericht.

Als Indiz für einsetzende Veränderungen verweisen die Autoren auf Indien, das sehr ambitionierte Ausbauziele bei den erneuerbaren Energien verfolgt und auch China, dass die Schließung von tausend Kohleminen angekündigt hat.

Eine "selbstverstärkende Entwicklung" zeige sich etwa auch durch die sogenannte "Divestment-Bewegung". Sie verfolgt das Ziel, dass private und institutionelle Anleger nicht mehr in die fossile Wirtschaft investieren und auch ihr Geld aus diesem Sektor abziehen.

Als Beleg, dass die Bewegung bereits Gewicht hat, sehen sie das Agieren wichtiger Akteure auf den Finanzmärkten. Die Deutsche Allianz-Versicherung, die französische AXA und der Rockefeller Brother Fund hatten in den vergangenen Monaten angekündigt, ihr Vermögen aus dem fossilen Energiesektor abzuziehen.

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