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Wissen & Umwelt

Klimaretter mit Risiko - Die CCS-Technologie

Die CCS Technologie soll es ermöglichen, Energie aus Kohle zu gewinnen, ohne CO2 in die Atmosphäre zu blasen. Weil das Gas unterirdisch gelagert werden soll, fürchten Anwohner um ihre Gesundheit.

Blick auf das Kohlekraftwerk Schwarze Pumpe in Spremberg (Foto: AP)

Das erste CCS-Kohlekraftwerk war Schwarze Pumpe in Spremberg

CCS (Carbon Capture and Storage) steht für die Technologie der CO2-Abscheidung und -Speicherung. Die Abgase von Kraftwerken und Industrieanlagen werden dabei per Leitung in die Erde gepumpt. Viele Regierungen versprechen sich davon einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz, und Firmen hoffen, sich von der Pflicht zum Kauf von CO2-Verschmutzungszertifikaten zu befreien.

Laut einer Roadmap der Internationalen Energieagentur soll CCS weltweit einen Anteil von fast 20 Prozent an der bis 2050 geplanten Reduzierung des CO2-Ausstoßes leisten. Bei den anvisierten Klimazielen Deutschlands und der Europäischen Union spielt diese Technologie daher eine entscheidende Rolle. Noch befindet sie sich allerdings in der Testphase.

Norwegen ist europaweit führend bei der Erforschung der CCS-Technologie und will bis 2014 die ersten voll funktionsfähigen CCS-Anlagen bauen. Die deutsche Regierung hat den Ausbau der CCS-Nutzung und einen konkreten Zeitplan für den Aufbau der notwendigen Anlagen und Infrastruktur gefordert. Weitere Befürworter der Initiative sind die EU-Länder Großbritannien, Niederlande und Schweden.

Forschung unter Zeitdruck

Blick in die CCS-Oxyfuel Testanlage von Vattenfall (Foto: Vattenfall)

Der schwedische Konzern Vattenfall testet die CCS-Technologie

Die Entwicklung der CCS-Technologie steht unter erheblichem Zeitdruck. Viele Experten sehen CCS nur als eine Übergangslösung auf dem Weg zu einer nachhaltigen CO2-freien Energieversorgung. Das Zeitfenster für einen effektiven CCS-Einsatz wird auf jeden Fall immer kleiner.

Bis 2020 müssten sich laut Fachleuten erste Anlagen in der Praxis bewähren, wenn die Technik noch rechtzeitig einen wirksamen Beitrag zum Klimaschutz leisten soll. Gegner befürchten dagegen, dass die Investitionen in CCS die Wende hin zu den erneuerbaren Energien verzögern könnte.

Gesundheitsrisiken bei der Trennung

Kohlekraftwerke müssen mit aufwendigen Chemieanlagen ausgestattet werden, um den Trennprozess durchzuführen. Hier werden noch unterschiedliche Methoden erprobt, die teilweise mit Gesundheitsrisiken verbunden sind. So verzögert sich in Norwegen beispielsweise die Entwicklung, weil beim Trennverfahren, das der Ölkonzern Statoil favorisiert, krebsauslösende Nitrosamine entstehen.

Einige Firmen, darunter Alstom und Siemens, erproben andere Trennverfahren. Eines davon ist die Chilled-Ammonium-Technologie. Dabei wird das CO2 mit Hilfe von Ammoniak und Wasser als Hirschhornsalz gebunden. Hirschhornsalz ist gemeinhin als Backtriebmittel bekannt und wird unter anderem in der Landwirtschaft als nitratfreier Stickstoffdünger eingesetzt.

In einem späteren Prozessschritt zerfällt das Hirschhornsalz durch die Zuführung von Wärme. Das an diesem Punkt des Prozesses kontrolliert freigesetzte CO2 wird dann, wie in den anderen Verfahren auch, verdichtet und abtransportiert. Kritiker führen als Nachteil der Technik allerdings an, dass zur CO2-Abscheidung selbst viel Energie eingesetzt werden muss.

Keine Akzeptanz für die Lagerstätten

Vor allem aber gibt es große Bedenken seitens der Bevölkerung in Regionen, wo das CO2 als verpresstes Flüssiggas eingelagert werden soll. In Deutschland kommen ausgebeutete Erdgaslager und Salz führende Sandsteinschichten in großer Tiefe als Endlager in Frage. Das CO2 würde hineingepresst und das Salzwasser aus dem Gestein verdrängt.

Zwei Greenpeace-Aktivisten halten auf dem Marktplatz der brandenburgischen Stadt Beeskow vor dem Vattenfall CCS-Informationsbüro ein Transparent mit der Aufschrift 'Zeitbombe CO2-Endlager' hoch (Foto: dpa)

Umweltschützer befürchten langzeitige Risiken

Solche möglichen Lagerstätten gibt es vor allem in Norddeutschland und unter der Nordsee. Die Landesregierungen dieser Länder lehnen die Speicherung aber ab, da diese bei den Bürgern auf Widerstand trifft. In Brandenburg wird das CCS bei der Kohleverstromung erprobt. Dort sollen zwei mögliche Lagerstätten erkundet werden. Der Energiekonzern Vattenfall will dort großflächig Millionen Tonnen Kohlendioxid speichern. Aber auch hier ist der Widerstand bei den Einwohnern und Umweltschutzverbänden groß.

Sie befürchten Risse oder Lecks, die das gefährliche Gas entweichen lassen könnten. 1986 ereignete sich am Nyos See in Kamerun eine natürliche Katastrophe, bei der ein massiver Kohlendioxidaustritt zum Tode von etwa 1700 Menschen führte. Um CO2 von den Anlagen bis zur Lagerstätte zu transportieren, sind außerdem lange Pipelines notwendig. Auch hier befürchten Bürger, dass CO2 unkontrolliert entweichen könnte.

Autorin: Irene Quaile
Redaktion: Fabian Schmidt