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Musik

Klimaretter im Konzertfrack

Musiker der Staatskapelle Berlin haben eine Klimainitiative geschaffen, um mit Benefizkonzerten weltweit Umweltprojekte zu fördern. Sie wollen Kindern Ökologie und die Welt der Oper nahe bringen.

Gerade war der erste Schnee dieses Winters gefallen, als Joseph Haydns "Die Jahreszeiten" das Publikum des dritten Klimakonzerts der Berliner "Stiftung NaturTon" in eine längst verlorene Welt entführten. Feldarbeit, Jagdausflüge, Liebeleien und fröhliche Feiern in einer idyllischen vorindustriellen Zeit sind die Themen des Oratoriums, das die Staatskapelle Berlin, die oberbayerische Chorgemeinschaft Neubeuern und Gesangssolisten unter Leitung des Dirigenten Enoch zu Guttenberg in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche aufführten.

An der Wende zum 19. Jahrhundert, als "Die Jahreszeiten" entstanden, lebten Haydn und seine Zeitgenossen noch im Einklang mit einer intakten Natur. Selbst heftige Gewitterstürme konnten die göttliche Ordnung, in der sich die Menschen geborgen fühlten, nicht zerstören. Inzwischen sieht es jedoch anders aus. Wie dringend unsere Umwelt angesichts der drohenden Klimakatastrophe geschützt werden muss, wollen Musiker der Staatskapelle mit ihren Benefizkonzerten einer möglichst großen Öffentlichkeit begreiflich machen. Guttenberg, selbst seit Jahren im Naturschutz aktiv, wandte sich eindringlich an das Berliner Publikum, um vor den Folgen unbedachten Energiekonsums und der Ausrottung von Arten zu warnen.

Daniel Barenboim dirigiert bei der Präsentation der Initiative im Juni 2010 (Foto: Sebastian Rosenberg/ Stiftung NaturTon)

Daniel Barenboim bei der Präsentation der Initiative im Juni 2010

Barenboim ist Schirmherr

Der Hornist Markus Bruggaier und seine Orchesterkollegen Nico Hanjohr-Popa, Dominik Oelze, Sebastian Posch, Milan Ritsch, Fabian Schäfer und Simone van der Velde hatten vor einigen Jahren die Idee, ihr langjähriges privates Umweltengagement mit der Musik zu verbinden. Aus eigenen Mitteln gründeten sie in Partnerschaft mit der Umweltorganisation WWF die gemeinnützige "Stiftung NaturTon". Mit der Initiative "Orchester des Wandels" richteten sie eine Internet-Plattform ein, auf der Gleichgesinnte aus der Musikwelt ihre "grünen" Projekte miteinander vernetzen können. Damit überzeugten sie nicht nur ihre Kollegen in der Staatskapelle, sondern auch Generalmusikdirektor Daniel Barenboim, der die Schirmherrschaft übernahm.

Der gesamte Erlös aus dem Konzert in der Gedächtniskirche fließt nun dem "Zauberwald-Projekt" auf einer Stadtbrache im Osten Berlins zu. Damit will die Stiftung Kindern Ökologie und die Welt der Oper spielerisch näher bringen. Partner ist die landeseigene Grün Berlin GmbH, und der Bariton Thomas Quasthoff unterstützt das Vorhaben als Kulturbotschafter.

In Kooperation mit Landschaftsgärtnern und Künstlern wird in den "Gärten der Welt" im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf ein musikalischer Abenteuerspielplatz entstehen, der sich unter anderem von den mythischen Werken Richard Wagners inspirieren lässt. In diesem Park mit asiatischen, islamischen und europäischen Gärten wird gerade die erste Skulptur – ein Siegfried-Drache – installiert. Im nächsten Jahr will der Bühnenbildner und Maler Achim Freyer eine weitere Skulptur beisteuern, die sich ebenfalls auf den Opernzyklus "Ring des Nibelungen" bezieht. In der mit dem britischen "Green Flag Award" prämierten Anlage ist 2017 die internationale Gartenausstellung IGA geplant.

Klimakonzert für Indien

Beim ersten Klimakonzert Anfang 2011 stand der aus Indien stammende Dirigent Zubin Mehta am Pult. Die Einnahmen kamen einem WWF-Nachhaltigkeitsprojekt im östlichen Himalaja zugute. Im Mai dieses Jahres spielte die Geigerin Patricia Kopatchinskaja gemeinsam mit der Staatskapelle unter Leitung von Pablo Heras Casado, um die Renaturierung von Auenwäldern in ihrer Heimat Moldawien zu unterstützen.

Meht überreicht einen Scheck in der Höhe von 25.000 Euro an Ravi Singh vom WWF India(Foto: Dipankar Ghose/ Stiftung NaturTon)

Zubin Mehta bei der Scheckübergabe an Ravi Singh in Mumbai

Bruggaier zeigt sich mit der Entwicklung der Klimaschutzinitiative zufrieden. "Wir haben gemerkt, dass wir auch sehr prominente Künstler für unsere Benefizkonzerte gewinnen können", sagt er. "Und unsere Kollegen in der Staatskapelle sind stolz darauf, dass wir hier mit einer eigenen kreativen Initiative in der Öffentlichkeit stehen."

Dem Kuratorium der "Stiftung NaturTon" trat erst kürzlich der international bekannte Wissenschaftler Hans Joachim Schellnhuber bei, der das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung leitet. Wie der Hornist feststellt, kommen auch Mitglieder kleinerer Umweltgruppen wie "Wikiwoods" oder der "Stiftung Naturschutz" mit Begeisterung in die Klimakonzerte. Er hofft daher, dass sich die Zusammenarbeit zwischen Musikern und Umweltschützern weiter ausbauen lassen.

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