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Asien

Klimaretter China baut (auch) auf Atomkraft

Nach dem Abschied der USA aus der globalen Klimapolitik präsentiert sich China als Vorkämpfer gegen die Erderwärmung. Dazu gehört für Peking auch der Ausbau der Atomkraft - gleiches gilt für Chinas Nachbarn.

"Der Himmel über uns wird wieder blau werden", versprach Premier Li Keqiang  vor den Delegierten des Volkskongresses im März dieses Jahres. Für dieses Ziel investiert China mehr als jedes andere Land in erneuerbare Energien. Gleichzeitig baut es auch die Atomkraft stark aus. Rund ein Viertel der Stromerzeugung Chinas 2016 kam aus erneuerbaren Energien, etwa 3,4 Prozent aus Atomkraft, rund zwei Drittel aus Kohle. 

2016 hat China die installierte Leistung aus AKWs um rund acht Gigawatt auf 34 Gigawatt gesteigert, die größte Steigerung bei der Atomkraftnutzung, die es bisher gab. Und so soll es weitergehen: Der Vorsitzende der China General Nuclear Power Corporation, He Yu, wird vom englischsprachigen Parteiorgan "China Daily" mit den Worten zitiert, dass Chinas installierte Leistung aus Atomkraft bis 2030 mindestens 130 Gigawatt betragen müsse. Dies sei notwendig, um die von Premier Li Keqiang vorgegeben Pläne zur Emissionsreduzierung zu erfüllen. Vier bis sechs neue Reaktoren sollen He Yus Vorstellungen zufolge dafür jährlich ans Netz gehen. Der Atommanager bekräftigte damit die beim Volkskongress 2016 verabschiedete Vorgabe von 110 AKWs, die bis 2030 in China am Netz sein sollen.

Chinas Premier Li Keqiang (Reuters/J. Lee)

Li Keqiang versprach den NVK-Delegierten blauen Himmel über Chinas Städten

Sicherheitsbedenken

Neue Meiler made in China sollen aber nicht nur im Inland, sondern auch in den Anrainerstaaten entlang der so genannten "Neuen Seidenstraße" durch Zentralasien und Pakistan entstehen. Sogar in Großbritannien will China einen Reaktor der "dritten Generation" errichten. Dieser Reaktor des Typs "Hualong 1" ist aus Sicht Pekings nicht nur sicher, sondern auch international wettbewerbsfähig.

Nach der Katastrophe im Kernkraftwerk Fukushima 1, bei der vier der sechs Reaktoren zerstört wurden, hatte Chinas Regierung den Bau weiterer Atomkraftwerke vorerst ausgesetzt. Gleichzeitig wurden umfassendere Sicherheitsrichtlinien verabschiedet. Doch schon im Herbst 2012 hob die Führung in Peking den Baustopp wieder auf und verfolgt seitdem ein umso ehrgeizigeres Nuklearprogramm für die Zukunft. Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital sieht vor allem in der Geschwindigkeit, mit der die Meiler hochgezogen werden sollen, ein Problem: "Die chinesische Sicherheitsbehörde hat gar nicht die Kapazitäten, die Bauten richtig zu prüfen", so Smital. "Man wird sie eher durchwinken, alles abnicken und sich mit den staatlichen Baukonsortien nicht anlegen. Da ist ein großes Sicherheitsrisiko enthalten."

Photovoltaik-Anlage in China (picture-alliance/AP Images/Chinatopix)

Trotz massivem Ausbau der Solarenergie kommt China ohne Nuklearanteil nicht aus

Indien: Ungestillter Energiehunger

Auch in Indien sollen erneuerbare Energien verstärkt ausgebaut werden. Um rund sechs Prozent wächst Indiens Wirtschaft pro Jahr. Doch die marode Energieversorgung hemmt die ökonomische Entwicklung. Große Teile Indiens leiden unter Stromausfällen und veralteter Infrastruktur. Die politischen Eliten des Landes sind parteiübergreifend davon überzeugt, dass Indien alle Möglichkeiten der Stromerzeugung ausschöpfen müsse, darunter auch Atomkraft. Erst im Mai verabschiedete das Kabinett Pläne zum beschleunigten Bau von zehn neuen Reaktoren, die wie Chinas Hualong 1 auf der Bauart des Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) beruhen.

Im übrigen hat Indien in den vergangenen zehn Jahren zivile Atomabkommen unter anderem mit den USA, Kanada, Frankreich und Russland geschlossen. 21 Atomkraftwerke sind bereits in Betrieb (Stand März 2016). Zwei davon stehen in Kudankulam und Kalpakkam, zwei Orten an der Südostküste des Landes, die als tsunamigefährdet eingestuft werden. Im Ort Kalpakkam hatte der Tsunami im Dezember 2004 großflächige Schäden verursacht, dem Betreiber zufolge aber nicht das AKW beschädigt.

Indisches Kernkraftwerk Kudankulam (AP)

Das AKW Kudankulam ist russischer Bauart - aber Indien will sich vom Ausland bei Atomkraft unabhängiger machen

Pakistan: Atomkraft mit Hilfe Chinas 

Mit Stromausfällen und veralteter Infrastruktur hat auch Pakistan zu kämpfen. Indiens Nachbarstaat hat derzeit vier kleinere Reaktoren in Betrieb. Die Anlage westlich von Karatschi gehört zu den ältesten Atomkraftwerken der Welt und liegt in einem hochwassergefährdeten Landstrich. Die drei anderen Reaktoren (Chashma 1,2 und 3) stehen rund 300 km südlich von Islamabad in einem erdbebengefährdeten Gebiet. An beiden Standorten plant die Regierung den Bau von zwei weiteren bzw. einem weiteren Meiler. Insgesamt sollen der pakistanischen Atomenergiekommission zufolge - mit ausschließlich chinesischer Hilfe - bis 2030 sieben neue Reaktoren entstehen. Im Rahmen des chinesisch-pakistanischen Wirtschaftskorridors hat allerdings der Ausbau der Kohlekraft Priorität.

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