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Politik

Klimakiller Wüstenausbreitung

Jedes Jahr wird eine Fläche in der Größe von einem Drittel Deutschlands zum Trockengebiet. Die Vereinten Nationen beraten, wie sich die Wüstenausbildung stoppen lässt.

Eine vermummte Person stabilisiert mit Heu eine Sanddüne in einer chinesischen Wüste (Foto: dpa)

Eine Ursache von Armut: Desertifikation

In Buenos Aires hat die 9. Konferenz des UN-Sekretariats zur Bekämpfung der globalen Wüstenausbreitung (UNCCD, United Nations Secretariat of the Convention to Combat Desertification) begonnen. Rund 2000 Teilnehmer aus mehr als 190 Ländern diskutieren in den nächsten Tagen über die weltweite Vertrocknung des Bodens, die so genannte Desertifikation, und beraten über weitere Lösungsansätze.

Zwei Drittel der fruchtbaren Böden beeinträchtigt

Wüste im Iran

Eine Wüste im Iran

40 Prozent der Landoberfläche der Welt sind Trockengebiete. Darunter fallen nicht nur Wüsten, sondern auch Gebiete mit generell trockenem Klima und wenig Vegetation. Die Böden in diesen Regionen sind besonders gefährdet zu erodieren, zu veröden oder zu versanden.

Insgesamt gelten 1,5 Milliarden Hektar - das sind 65 Prozent der fruchtbaren Böden weltweit - als schwach bis stark beeinträchtigt. Ein Drittel der Weltbevölkerung lebt in von Desertifikation bedrohten Gebieten, was wiederum zu sozio-politischen Konflikten führt.

Folgen: Migration, Verstädterung, Flüchtlingselend

Eine afrikanische Familie vor einem kleinen Holzverschlag in der Wüste Mali (Foto: Klaudia Pape)

Desertifikation zwingt viele Menschen zur Flucht

Vor allem Menschen aus Afrika, deren Ernährungsgrundlage Bodenschätze und Landwirtschaft sind, verarmen, hungern und werden zu nationalen Migrationen, was weitere Probleme wie Verstädterung und Flüchtlingselend mit sich bringt.

Doch auch andere Kontinente wie Asien und Südamerika sind von der Desertifikation betroffen. Sogar Industrieländer wie Spanien, Italien oder die Südstaaten in den USA haben mit den Folgen einer Wasserknappheit im Boden und den damit verbundenen ökologischen, wirtschaftlichen und letztendlich politischen Problemen zu kämpfen.

Menschliches Verschulden

Gründe für die seit den 1970er-Jahren voranschreitende Wüstenausbreitung sind einerseits der Klimawandel, andererseits die Einwirkung des Menschen auf die Natur. "Die Erwärmung führt in trockenen Gebieten dazu, dass es weniger Niederschläge gibt. Und wenn es dann mal regnet, verdunstet das Wasser schnell", sagt Stefan Klotz, Chefbotaniker des Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Halle.

Weitaus gravierender ist seiner Ansicht nach aber das Eingreifen des Menschen: "Vor allem durch die Abholzung von Wäldern, Überweidung durch den Viehbestand, Übernutzung durch den Ackerbau und falsche Bewässerungsmaßnahmen wird die Desertifikation begünstigt."

Desertifikation als Klimafaktor anerkennen

Luc Gnacadja, Exekutivsekretär der UNCCD, fordert einen stärkeren Einsatz in der Bekämpfung der Desertifikation seitens der Umweltminister der betroffenen Staaten sowie der europäischen Länder. Gnacadja möchte eine Erhöhung des Budgets der UNCCD um 15 Prozent erreichen. Bei der nächsten UN-Klimakonferenz im Dezember in Kopenhagen soll die Desertifikation als ein Klimafaktor berücksichtigt werden. Das war bisher nicht der Fall.

Autor: Roland Jodin

Redaktion: Julia Elvers-Guyot

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