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Welt

Klimagipfel geht in die heiße Phase

Die Staats- und Regierungschefs etlicher Länder haben in einer Nachtsitzung in Kopenhagen versucht, die festgefahrenen Klimaverhandlungen doch noch zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Die Zeit drängt.

Ausschnitt Erdkugel (Foto: DLR)

Nach einem Galadiner mit der dänischen Königin Margrethe kamen mehr als 20 Staats- und Regierungschefs in der Nacht zum Freitag (18.12.2009) zu einem Sondertreffen zusammen, unter ihnen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Gespräche seien "positiv und konstruktiv" verlaufen, sagte der schwedische Regierungschef und amtierende EU-Ratsvorsitzende Fredrik Reinfeldt.

Weiterhin strittige Punkte

Ein Durchbruch scheint dennoch nicht greifbar zu sein. Ein Krisentreffen von gut 30 Spitzenpolitikern zieht sich bereits seit den Morgenstunden hin. Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy äußerte sich besorgt. "Eines der wesentlichen Probleme ist, dass China weiter zögert, externe Kontrolleure zu akzeptieren", sagte er. Auch Indien habe weiter Bedenken. US-Präsident Barack Obama habe eine "exzellente Rede" gehalten. Es gebe aber nur wenig Fortschritt, sagte der Franzose.

Indiens Regierungschef Manmohan Singh, Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva und Chinas Regierungschef Wen Jiabao verließen derweil nach mehr als einer Stunde des Wartens den Plenarsaal. Unklar war, ob sie sich zu eigenen Beratungen zurückzogen oder sich der Gruppe der 30 anschlossen.

Weltklimakonferenz am Scheideweg

Wenige Stunden vor dem geplanten Gipfel-Abschluss gibt es kaum greifbare Ergebnisse. Vieles, vor allem die Zahlen mit Reduktionszielen und Finanzzusagen, stehen noch in eckigen Klammern - und das bedeutet: Problem ungelöst. Zumindest wird wieder verhandelt, die Konferenz bewegt sich wieder. Yvo de Boer, der UN-Klimachef, ist trotz aller Anspannung immer auch um einen Scherz bemüht: "Haltet euch fest und schließt die Türen - die Seilbahn fährt wieder."

Jede Menge Gipfelstürmer

Der Leiter des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer (Foto: AP)

Mann mit Emotionen: UN-Klimachef Yvo de Boer

Yvo de Boer hatte die Konferenz immer mit einem Aufstieg auf einen Berg verglichen. Jetzt hat er auch reichlich prominente Gipfelstürmer um sich herum, darunter Kanzlerin Merkel, die seit längerem schon als Kämpferin für den Klimaschutz gilt. In Kopenhagen beschwor sie die Delegierten, die kommenden Stunden zu nutzen und zusammenzustehen. "Ich glaube, dass wir die Kraft dazu haben. Ich glaube, dass, wenn jeder noch einen Schritt geht, es gut für uns alle sein kann."

Merkel: Zusagen werden eingehalten

Am Donnerstag hatte Merkel in Kopenhagen deutlich gemacht, dass Deutschland und die Europäische Union zu ihren gemachten Zusagen stehen: Sowohl was die Reduktion von CO2 betrifft, als auch das Versprechen, die armen Länder finanziell zu unterstützen, damit diese den Klimawandel bewältigen können. "Diese Länder erwarten mit Recht von uns, dass wir ihnen beim Transfer der Technologie helfen und dass wir ihnen finanzielle Unterstützung geben."

Angela Merkel vor einem Gletscher in Grönland (Foto: AP)

Kennt sich aus mit dem Klima: Angela Merkel

Bei dieser finanziellen Unterstützung geht es zunächst um zehn Milliarden Dollar jährlich ab sofort bis 2012. Ab 2020 sollen rund 100 Milliarden Dollar jedes Jahr fließen. Auch die USA werden sich an dieser langfristigen Finanzierung beteiligen. Außenministerin Hillary Clinton: "Wir erkennen an, dass ein Abkommen großzügige, finanzielle und technologische Unterstützung beinhalten muss für die Entwicklungsländer, besonders für die ärmsten und verletzlichsten unter ihnen, ihnen zu helfen, Emissionen zu reduzieren und sich dem Klimawandel anzupassen."

Was bringt Obama mit?

Barack Obama (Foto: AP)

Letzte Hoffnung für Kopenhagen: Barack Obama

Die Frage bleibt, was US-Präsident Barack Obama noch im Gepäck hat, der am Freitagmorgen in Kopenhagen eintraf. Mit seiner Teilnahme verbinden sich noch einmal besondere Hoffnungen, zumindest zu einem starken politischen Abkommen zu gelangen. Mehr ist in Kopenhagen definitiv nicht drin. Aber wenn selbst das nicht klappt, dann wird es ein großer politischer Flop, weiß auch Angela Merkel. Denn wenn man nach Hause fahren und erklären müsse, warum man in Kopenhagen nichts geschafft habe, dann sei dies nur gut für die, "die nichts gegen den Klimawandel tun wollen, die nichts gegen die Armut tun wollen, die ihr Leben nicht verändern wollen. Aber dann wird das ein schreckliches Signal sein für alle die, die unserer Welt im 21. Jahrhundert eine gute Zukunft geben wollen."

Vor ihrer Abreise aus Berlin war Angela Merkel noch pessimistisch und sah die Konferenz auf der Kippe. Jetzt scheint sie ihren Optimismus und ihren kämpferischen Willen wieder entdeckt zu haben. Für Freitag 16:30 Uhr ist jedenfalls eine Pressekonferenz angekündigt, ihr Rückflug nach Berlin soll bereits eine Stunde später stattfinden.

Autor: Henrik Böhme, z.Zt. Kopenhagen

Redaktion: Christian Walz / Frank Wörner

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