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Deutschland

Klimagespräche ohne konkrete Ergebnisse

Die Klimapolitik von US-Präsident Obama gibt den Verhandlungen über ein Kyoto-Nachfolgeabkommen neuen Schwung. Trotzdem wurden bei einer elftägigen UN-Konferenz in Bonn kaum greifbare Fortschritte erzielt.

Ein Eisberg schmilzt vor der Insel Ammassalik, Grönland (Foto: AP)

Folge des Klimawandels: schmelzende Eisberge

Die UN-Klimakonferenz in Bonn mit rund 2700 Teilnehmern aus 180 Ländern diente der Vorbereitung des Weltklimagipfels im Dezember in Kopenhagen. Dort soll ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll beschlossen werden, das 2012 ausläuft.

Yvo de Boer vor UN-Logos (Foto: dpa)

Der niederländische UN-Klimasekretär Yvo de Boer beim Auftakt der Konferenz in Bonn

Die Industrieländer konnten sich während der Konferenz jedoch nicht auf gemeinsame Zielsetzungen für die künftigen Minderungen ihrer klimaschädlichen Treibhausgase verständigen. Im Kampf gegen die Erderwärmung hat der Chef des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, daher zur Eile gemahnt. Bei der Vorbereitung des Kyoto-Nachfolgeabkommens sei jetzt der Zeitpunkt "zum Sprint" gekommen, sagte de Boer am Mittwoch (08.04.2009) zum Abschluss der Vorbereitungskonferenz.

Die Umweltstiftung WWF kritisierte, dass die Verhandlungen ohne greifbare Ergebnisse zu Ende gegangen seien. "Eine freundliche Rhetorik ist sicherlich hilfreich", sagte WWF-Klimaexpertin Kim Carstensen zur Verhandlungsatmosphäre. Aber ohne ernsthafte Zusagen und verbindliche Ziele zur Verringerung von Kohlendioxid werde der Planet nicht gerettet. Auch Greenpeace kritisierte, es sei wenig bis gar kein Fortschritt erzielt worden.

Obama zu Kurswechsel in Klimapolitik bereit

Barack Obama bei seiner Rede vor Studenten in Istanbul (Foto: AP)

Obama spricht sich für ein Kyoto-Nachfolgeabkommen aus

Auf breites Echo stießen indes die neue Klimaschutzinitiative von US-Präsident Barack Obama sowie die Beteiligung Amerikas an der Bonner Konferenz. Obama hatte sich auf seiner jüngsten Europareise für die rasche Verabschiedung eines Kyoto-Folgeabkommens ausgesprochen.

Wenn die steigenden Temperaturen nicht gestoppt würden, drohten "verheerende Folgen" für die Welt, warnte er am Dienstag in Istanbul. Es sei ein Fehler gewesen, dass die USA das Kyoto-Abkommen nicht ratifiziert hätten. Der US-Präsident hatte bereits nach seinem Amtsantritt eine Wende in der amerikanischen Klimapolitik angekündigt. In der Amtszeit seines Vorgängers George W. Bush waren zahlreiche Anläufe gescheitert, Washington zu einer aktiven Mitwirkung in der Klimapolitik und zur Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls zu bewegen.

Mit der Rückkehr der USA an den Verhandlungstisch hätten die UN-Verhandlungen eine neue Dynamik erhalten, sagten Vertreter aus vielen Staaten in Bonn.

Rückenwind für weltweiten Klimaschutz

Windrad (Foto: Enercoop)

Im Kampf gegen den Klimawandel wird auf alternative Energieträger gesetzt

Obama hat die 16 größten Wirtschaftsnationen für Ende April zu einer Umweltkonferenz nach Washington eingeladen. Diese Einladung gebe starken Rückenwind auf dem Weg zu einem neuen Klimapakt, sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) der "Berliner Zeitung". "Für den weltweiten Klimaschutz ist es eine überaus gute Nachricht, dass die USA wieder an Bord sind."

Das von Obama für Ende April angekündigte Treffen in Washington sieht Gabriel nicht als Konkurrenz zur Bonner Klimakonferenz: In Bonn sei sehr viel über Technik und die Strukturen eines Vertragswerk verhandelt worden. "In Washington wird es darum gehen, die politische Bereitschaft zu erhöhen, am Ende auch ausreichend Geld in diese Strukturen zu packen und ausreichend ambitionierte Ziele zu verfolgen", betonte Gabriel.

Mehr "saubere Energie"

Barack Obama und seine Frau Michelle auf einer Bühne vor der Prager Burg und viel Publikum (Foto: AP)

Obama: "Es ist Zeit, unsere Art des Energieverbrauchs zu ändern"

Der Ausstoß an Treibhausgasen in den USA soll gegenüber dem jetzigen Stand um 16 bis 17 Prozent zurückgefahren werden. Milliarden-Investitionen hat Obama für saubere Energie angekündigt. Die Weltgemeinschaft müsse ihre Abhängigkeit von fossilen Energieträgern beenden, indem sie andere Energiequellen wie etwa die Wind- und Sonnenenergie nutze. "Jetzt ist die Zeit gekommen, unsere Art des Energieverbrauchs zu ändern", sagte Obama während seiner Europa-Reise in Prag.

Die Europäer hoffen, dass diese Ankündigungen mit Blick auf Kopenhagen konkretisiert werden. Die EU hat sich bereits verpflichtet, den Kohlendioxid-Ausstoß bis 2020 um 20 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu senken. Wenn beim Kopenhagener Klimagipfel im Dezember ein Nachfolgeabkommen des Kyoto-Protokolls beschlossen wird, will die EU ihren CO2-Ausstoß um 30 Prozent reduzieren.

Doch selbst das könnte unzureichend sein: EU-Umweltkommissar Stavros Dimas räumte Anfang April ein, dass eine Verringerung der CO2-Emissionen um 30 Prozent neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge vermutlich nicht ausreichen werde, um die globale Erderwärmung bei zwei Grad zu halten. Kein Land werde den Auswirkungen des Klimawandels entkommen, sagte Dimas. In der EU litten bereits 100 Millionen Menschen aus 14 Ländern unter Wassermangel. Seit 1998 habe es hundert große Überschwemmungen gegeben, die insgesamt 700 Menschenleben gekostet und Schäden in Höhe von 25 Milliarden Euro verursacht hätten.

Wirtschaftskrise sorgt für CO2-Einsparungen

Nicht zuletzt aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise wurden im Jahr 2008 in den EU-Staaten rund sechs Prozent weniger Kohlendioxid freigesetzt als im Jahr zuvor. Das ist das Ergebnis einer Studie des in Oslo ansässigen Forschungsinstituts Point Carbon. Ursache hierfür sei auch die zunehmende Wirksamkeit des europäischen Emissionshandels.

Einem Bericht des Umweltbundesamts zufolge wurde auch in Deutschland ein weiterer Rückgang des CO2-Ausstoßes um 1,2 Prozent im Jahresvergleich verzeichnet. Verglichen mit dem Basisjahr 1990 lagen die CO2-Emissionen demnach im vergangenen Jahr um 23 Prozent niedriger. (je/gri/epd/dpa/afp)

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