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Welt

Klimagespräche in Paris "sehr zäh"

Mit großen Worten haben mehr als 150 Staats- und Regierungschefs den Pariser Klimagipfel eröffnet. Jetzt verhandeln wieder die Experten - und es geht so langsam voran wie immer auf UN-Klimakonferenzen.

Nein, nein, beteuert Jochen Flasbarth, Staatssekretär im deutschen Umweltministerium: Am Ende, in zehn Tagen, wird es in Paris einen neuen Klimavertrag geben. "Es muss", fügte er am frühen Donnerstagmorgen hinzu. Doch die Gespräche liefen gerade "sehr langsam, sehr zäh". Und deshalb sei es gut, dass der Präsident der Konferenz, Frankreichs Außenminister Laurent Fabius, am Vortag eine Gruppe von drei sogenannten Prozessbotschaftern eingesetzt habe, die jetzt für Tempo sorgen sollen. Bis Samstag, wenn die Fachbeamten nach und nach von den Umweltministern der Länder ersetzt werden, soll ein Vertragsentwurf fertig sein. Der war eigentlich schon für Donnerstag in Aussicht gestellt worden. Aber damit ist wohl nicht mehr zu rechnen.

Es hakt, wie immer, am Geld und am Vertrauen. Über 180 Staaten haben diesmal freiwillige Klimaziele eingereicht - die meisten lange vor der Konferenz. Einige Länder beabsichtigen, ihre Energieeffizienz zu steigern, andere den Verkehrssektor klimafreundlicher zu gestalten. Viele wollen auch tatsächlich Klima-Abgaben einsparen.

Jochen Flasbarth, Staatssekretär im deutschen Umweltministerium (Foto: dpa)

Jochen Flasbarth: Am Ende wird es einen neuen Klimavertrag geben

Was passiert nach 2020?

So weit so gut, aber wie werden diese Ziele überprüft? Wie verbindlich gehen die Staaten sie ein? Und vor allem: Sind die Industriestaaten bereit, die Entwicklungsländer zusätzlich nicht nur bis 2020 mit viel Geld zu unterstützen (die Summe von 100 Milliarden Euro wird wohl zusammenkommen), sondern auch nach 2020? Für diese Zeit fordern die armen Länder nämlich weit höhere Beträge, ansonsten wollen sie dem Vertrag nicht zustimmen. An dieser Stelle stocken die Gespräche gerade.

Einen Teil der Schuld tragen auch die Regierungschefs und Präsidenten mit ihren großen Worten am Montag. Die Klimakonferenz kommt in der Regel dann am besten voran, wenn man die Fachbeamten machen lässt, bis nur noch wenige Fragen offen sind. Diesmal aber haben die Staatenlenker viele ihrer Umweltminister gleich nach dem Montag in Paris gelassen. Und die reden schon jetzt, im frühen Stadium der Konferenz, kräftig mit. Jochen Flasbarth, ein geborener Diplomat, formuliert das so: Aufgabe der drei Fabius-Botschafter sei es, die "Balance von Formulierungen der Experten und der Politik in Einklang zu bringen". Schön gesagt.

Kritik an deutschem Pavillon von Inselstaaten

Und mit dem Vertrauen zwischen armen und reichen Staaten sieht es auch in Paris nicht besonders gut aus. "Below 2 Degrees" steht als Motto am deutschen Delegationspavillon. Zwei Grad: So viel durchschnittliche Erderwärmung halten Wissenschaftler für gerade noch hinnehmbar.

Maximal 1,5 Grad fordern deshalb die kleinen Inselstaaten wie Tuvalu, die besonders vom Treibhauseffekt betroffen sind. Und die jetzt verärgert sind, dass die 1,5 Grad nicht exakt so am deutschen Pavillon stehen. Haben die Deutschen in der Vergangenheit nicht stets die kleinen Inselstaaten unterstützt? Und gilt das jetzt nicht mehr? So lautet die Kritik. "Ab jetzt sage ich immer dazu: 'Below two degrees' heißt für uns auch immer 1,5 Grad", versichert Flasbarth. Mitte der ersten Woche in Paris: Die Nerven liegen schon jetzt hier und da blank.

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