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Treibhausgase

Klimaforscher: "Politikern fehlt der Mut zur Klimapolitik"

Die Experten des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) warnen immer stärker vor den Folgen des Klimawandels - und beklagen den nachlassenden Elan der Politiker auch in Deutschland.

Ottmar Edenhofer ist ein streitbarer Ökonom, der gern eine klare Sprache wählt, vor allem, wenn es um die Klimapolitik geht. Und der stellvertretende Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) hat gerade ein Anliegen, das eine klare Sprache fordert: Wichtige Zukunftsthemen, vor allem der Kampf gegen den Klimawandel, hätten im Wahlkampf in Deutschland diesmal so gut wie kein Rolle gespielt, meinte Edenhofer in dieser Woche in Berlin: "Eigentlich sind ja alle heiklen Themen aus diesem Wahlkampf herausgehalten worden." Hinter verschlossenen Türen würden die Politiker durchaus beklagen, dass das so ist: "Aber ihnen fehlt der Mut, daran etwas zu ändern."

"Verfehlen die eigenen Klimaziele"

Natürlich beklagt der Klimaexperte diesen Mangel vor allem in seinem Themenfeld. Konkret: Wenn Deutschland beim Ausstieg aus der Kohle nicht bald aktiv werde, "dann werden wir sicherlich das selbst gesteckten Ziel, bis 2020 40 Prozent an Treibhausgasen zu verringern, nicht erreichen". 

Ottmar Edenhofer (DW/I. Quaile)

Ottmar Edenhofer: Zuviel Kohlestrom

Tatsächlich hatte sich Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) in den vergangenen vier Jahren in der Kohlepolitik nicht durchsetzen können. Wirtschaftsverbände und auch das Kanzleramt verhinderten, dass ein klares Datum für den Ausstieg aus der Kohleverstromung in Deutschland genannt wird. Rund 40 Prozent des Stroms werden in Deutschland noch in Kohlekraftwerken erzeugt. Zuviel, findet Edenhofer. "Der Stromsektor muss in den nächsten drei Jahrzehnten vollständig ohne fossile Energieträger auskommen", so Edenhofer.

Viel Kohle trotz mehr Erneuerbarer Energie

Zu erreichen sei das nur, meint der Ökonom, wenn das Kohlendioxid aus der Kohleverstromung endlich einen fairen Preis bekommt. Im europäischen Emissionshandel liegt er bei nur rund fünf Euro pro Tonne. Ein Vielfaches wäre nötig, so Edenhofer. Mit anderen Worten: Solange die Kohle so billig bleibe wie im Moment, sei eine wirksame Klimapolitik kaum möglich - trotz des rasanten Ausbaus der Erneuerbaren Energien, die in Deutschland schon rund ein Drittel des Strombedarfs decken, aber die Kohle eben nicht verdrängen können: "Man kann nicht immer gegen die Marktgesetze segeln", fasst Edenhofer zusammen.

Temperaturanstieg geht weiter

Dabei werden die Befunde des Wissenschaftler immer deutlicher: Auch wenn einige Wissenschaftler von einer "Pause" bei der Erderwärmung berichten, bleiben die Wissenschaftler aus Potsdam bei ihrer These: "Im Grunde steige die Welttemperatur seit 1880 kontinuierlich linear an", meint etwa Stefan Rahmstorf, der in Potsdam für den Bereich Erdsystemanalyse spricht.

Infografik Globale Temperaturentwicklung seit 1880

"Bei leichten Schwankungen im Grunde linear": Globaler Temperaturanstieg seit 1880

So seien die fünf heißesten Jahre seit 1500, also innerhalb eines halben Jahrtausends, im laufenden Jahrzehnt zu finden. "Da muss man kein großer Statistiker sein, um die Brisanz er erkennen", so Rahmstorf.

Wirbelstürme durch Klimawandel heftiger

Vorsichtiger sind die Experten bei der Antwort auf die Frage, ob auch schwere Wirbelstürme wie zuletzt "Harvey" in den USA auf den Klimawandel zurückzuführen sind. Derartige Extremwetter würden nicht häufiger vorkommen, aber heftiger werden. "Die Auswirkungen, die Sturmflut und die extremen Regenmengen, werden wahrscheinlich durch den Klimawandel verstärkt", sagt Rahmstorf. 

Wärmere Luft könne mehr Wasserdampf und damit Energie aufnehmen, und der jetzt schon vorhandene Anstieg des Meeresspiegels  führe dazu, dass die Springfluten heftiger werden. Und, vielleicht langfristig am schwersten wiegend: Die höheren Temperaturen verlangsamen die gewaltigen Luft-Zirkulationen rund um den Erdball. So verharrt ein Wirbelsturm wie "Harvey" länger an ein und derselben Stelle - und richtet so größeren Schaden an.

 

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