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Welt

Klima-Gipfel: Die zurückhaltende Ministerin

Im Gegensatz zu den Vertretern anderer Staaten gibt sich die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks bei der Klimakonferenz in Paris bescheiden, wie Jens Thurau beobachtet hat.

Zwei kurze Szenen auf der Klimakonferenz in Paris. Erste Szene: Mitte der ersten Woche kommt Ségolène Royal, die französische Umweltministerin, ins Pressezentrum, oder soll man sagen: Sie schwebt? Jedenfalls wird sie von einem Schwarm von Kameras und Fotografen verfolgt und gibt dann Interviews in fast präsidialem Stil. Die frühere Ehefrau von Präsident François Hollande hat offenbar nichts dagegen, im Scheinwerferlicht zu stehen.

Szene Zwei: Anfang der zweiten Woche steht Barbara Hendricks, die deutsche Umweltministerin, gemeinsam mit Umweltschützern und Delegierten kleinerer Staaten geduldig in einer Schlange am Baguette-Kiosk, begleitet wird sie nur von einigen Mitarbeitern. Niemand erkennt sie, und es ist klar, dass das der 63 Jahre alten SPD-Politikerin nichts ausmacht.

Barbara Hendricks ist unprätentiös. Und uneitel. Sie hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass ihre überraschende Benennung zur Umweltministerin Ende 2013 der Höhepunkt ihrer politischen Karriere war - aber wohl auch deren Abschluss. Ihre Mitarbeiter kommen bestens mit ihr klar, weil sie sich nicht in den Vordergrund spielt.

In Paris hat das sogar zu einer überraschenden Entscheidung geführt: Traditionell gehört die zweite Woche der Verhandlungen den Ministern. Das ist auch diesmal so. Es gibt einen Entwurf für einen neuen Klimavertrag. Aber er enthält noch viele strittige Textstellen. 14 Minister sollen das Gestrüpp jetzt beseitigen, sie nennen sich "Facilitators". Oder besser: 13 Minister und ein Staatssekretär. Denn Hendricks hat ihrem versierten hohen Mitarbeiter Jochen Flasbarth diese Aufgabe überlassen. Der Umweltexperte ist seit Jahren bei Klimakonferenzen dabei. Fachlich eine erstklassige Wahl. "Ich sage aber lieber Berater oder Moderator, dieses lange Wort mit F spreche ich nicht aus, geht auf Deutsch sowieso nicht", meint Hendricks und lässt ihren Staatssekretär machen.

Kraft mit Bergmann (Foto: picture alliance / dpa )

Nordrhein-Westfalens SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bremst beim Kohleausstieg.

Konflikt mit der Parteifreundin

"Souverän ist das von Hendricks, sie kann delegieren und einen Schritt zurücktreten", sagt Christoph Bals von der Umweltgruppe Germanwatch. Aber es kann auch eine Gratwanderung sein: Der Eindruck kann entstehen, Deutschland sei mit einer schwachen Ministerin in Paris dabei, die von ihrem Staatssekretär in den Schatten gestellt wird. Kann. Aber die Gefahr scheinen weder Hendricks noch ihre Mitarbeiter zu sehen. In den morgendlichen Briefings für Journalisten im deutschen Pavillon gibt Hendricks knifflige Fragen ohne Zögern etwa an Karsten Sach aus dem Umweltministerium weiter, der wie Flasbarth die Fallstricke des Konferenzwirrwarrs seit Jahren kennt.

Aber konfliktscheu ist sie nicht. Vor der Konferenz hat sie sich offen mit ihrer Parteifreundin, der mächtigen Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft, angelegt. Hendricks forderte einen raschen Kohleausstieg, um die deutschen Klimaziele zu schaffen. Kraft, Chefin im Kohleland an Rhein und Ruhr, hat das nicht gefallen. Es soll zu heftigen Telefonaten der beiden SPD-Politikerinnen gekommen sein, Hendricks hat ihre Formulierung danach abgemildert. Aber sie bleibt eine Kritikerin der Kohle. Sie kann sehr hartnäckig sein.

Mit Flasbarth als "Facilitator" scheint Deutschland, selbsternanntes Energiewende- und Klimaschutzland, in den letzten Tagen in Paris gut aufgestellt. Und untätig ist Hendricks ja auch nicht. Zusammen mit Finnland koordiniert Deutschland innerhalb der EU die Abstimmung zu der Frage, ob in Zukunft reiche und arme Staaten unterschiedliche oder gleiche Pflichten im Klimavertrag haben. Das macht die Ministerin selbst. Und auch das ist schwieriges Terrain. Hendricks wird kein Aufhebens darum machen.

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