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Politik

Klima-Aktivisten fordern zum Handeln auf

Auch Visionäre müssen mal Ballast abwerfen, weiß Abenteurer Bertrand Piccard. Beim Global Media Forum in Bonn sind sich die Klimaschützer deshalb einig: Die Menschheit muss auf Öl und Gas verzichten - und zwar schnell.

Bertrand Piccard (Foto: DW)

Bertrand Piccard will Visionen realisieren

Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Werner Hoyer, ließ jede diplomatische Zurückhaltung missen: "Die Klimaschutzkonferenz in Kopenhagen war eine große Enttäuschung", sagte er bei der Eröffnung des Global Media Forums der Deutschen Welle am Montag (21.06.2010) in Bonn. Angesichts der dramatischen Klimaveränderungen sei die Existenz der Menschen in Gefahr. Klimapolitik sei nicht nur ein Themenfeld für Umweltpolitiker - angesichts der Bedrohung sei es Chefsache, also Sache der Kanzler und Ministerpräsidenten.

"The heat is on - Klimawandel und die Medien" lautet das Motto der dreitägigen Konferenz, die von der Deutschen Welle ausgerichtet wird. Rund 1500 Teilnehmer aus 95 Ländern gehen der Frage nach, welchen Beitrag die Medien zum Klimaschutz leisten können. Für Hoyer ist zumindest klar: Die Journalisten rund um den Globus sollen nicht nur über die Bedrohungen des Klimawandels berichten, sondern auch Lösungsmöglichkeiten aufzeigen.

Piccard: Wir müssen Ballast abwerfen

Werner Hoyer (Foto: DW/K. Danetzky )

Werner Hoyer bei der Eröffnung des Global Media Forums

Zu den Notwendigkeiten im Kampf gegen den Klimawandel gehört es nach Ansicht des Schweizer Psychiaters und Abenteurers Bertrand Piccard auch, sich von althergebrachten Vorstellungen zu lösen. Als Ballonfahrer, der 1999 als erster Mensch den Globus non-stop mit einem Ballon umkreiste, weiß er, wie wichtig es ist, Ballast abzuwerfen. "Wir müssen uns von technischem, politischem, wirtschaftlichem und philosophischem Ballast trennen. Nur so bekommen wir den Blick frei." Ein Visionär sei schließlich kein Mensch mit guten Ideen, sondern einer, der auch wisse, wie man diese Ideen umsetzt.

Als Ballonfahrer habe er gelernt, dass es oft sinnvoller sei, langsam in die richtige Richtung zu fahren, als schnell in eine nur vorgeblich richtige. "Und wenn wir weltweit stündlich Millionen Liter Öl und Gas verbrennen, dann bewegen wir uns rasend schnell in eine ganz falsche Richtung." Er selbst habe während dieses Flugs um die Erde gemerkt, wie abhängig man von fossilen Brennstoffen sei. "Als wir starteten, hatten wir vier Tonnen Flüssiggas geladen, als wir landeten, hatten wir noch 40 Kilogramm. Wäre der Wind nur ein wenig schwächer gewesen, hätten wir das Land nicht mehr erreicht, sondern wären ins Meer gestürzt." Bei der Landung habe er sich deshalb geschworen, beim nächsten Flug unabhängig von jedem Treibstoff zu fliegen.

Deshalb will der 52-Jährige mit einem Solarflugzeug die Welt umrunden. Hochleistungsbatterien sollen die Sonnenenergie speichern, so dass das Flugzeug auch nachts fliegen kann. Es gehe nicht um ein einzelnes Projekt, sondern um die große Chance, sich von der Abhängigkeit der fossilen Brennstoffe zu befreien. "Wenn ich das kann, dann können wir zusammen ganz andere Dinge bewegen. Energiesparen ist sexy!"

Scheer: Mit Öl verfeuern wir Geld

Felix Finkbeiner (l.) mit Bertrand Piccard (Foto: DW)

"Pflanzen statt reden", fordert Felix Finkbeiner

Wie groß die Abhängigkeit von Öl und Gas ist, zeigte der Politiker und Träger des Alternativen Nobelpreises, Hermann Scheer, auf. Das Mitglied des Deutschen Bundestages rechnete auf dem Global Media Forum vor, dass der hohe Ölpreis im Jahr 2008 allein bei den Industriestaaten rund 100 Milliarden Dollar an Mehrkosten an Energieimporten verursacht habe. "Mit diesem Betrag kann man den Umstieg der Entwicklungsländer in eine völlig andere Energiewirtschaft finanzieren", sagte Scheer.

Dass man weder Politiker noch erwachsen sein muss, um wirkungsvoll gegen die Erderwärmung vorzugehen, beweist der zwölfjährige Felix Finkbeiner. Der Schüler aus Bayern ist Initiator der weltweiten Schülerinitiative "Plant for the Planet". Ihr Ziel: In jedem Land der Welt wollen die Kinder eine Million Bäume pflanzen. In 107 Ländern sind sie mittlerweile aktiv. Seinen Traum beschreibt der Umweltaktivist so: "Ich will in ein paar Jahren mit meinen Kindern ins Museum gehen und dort gibt es eine Abteilung 'Kohlenstoff-Zeitalter'. Da wird dann gezeigt, dass die Menschheit hundert Jahre lang dem Irrsinn verfallen ist, Öl und Gas zu verfeuern." Sein Motto: "Stop talking, start planting."

De Boer: Wir sind auf dem richtigen Weg

Der scheidende Chef des Klimasekretariats der Vereinten Nationen, Yvo de Boer, warnte davor, die Fehlschläge bei den bisherigen UN-Klimagipfeln zu scharf zu kritisieren. "Wir sind auf dem richtigen Weg hin zu einem grünen Planeten", sagte er. Bei der nächsten Weltklima-Konferenz in Cancun könne geschafft werden, was bisher nicht erreicht worden sei.

Eröffnet wurde die Konferenz von DW-Intendant Erik Bettermann. Der Chef der Deutschen Welle schrieb den Journalisten ins Stammbuch: "Die Berichterstattung muss über die Tagesaktualität weit hinaus reichen. Sie muss Impulse geben, Defizite, vor allem auch Lösungen und Perspektiven aufzeigen. Und Mut machen."

Autor: Martin Muno

Redaktion: Dirk Eckert

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