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Kultur

Klicken, Blicken, Staunen

Online-Magazine gibt es viele. Selten allerdings erfährt das Hypertext-Prinzip eine derartige Reife wie im Falle von "koerpernetz.de".

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Interaktion, Spannung und Information

Mit Eintritt in die virtuellen Weiten des Internet verliert sich die Wahrnehmung des eigenen Körpers. Journalisten, Schriftsteller und Laien nutzen koerpernetz.de, um sich dem Körper auf unterschiedlichste Art, frei und assoziativ zu nähern.

Zehn Kapitel Körper

Dem Nutzer bietet sich zunächst der Einstieg über eine Hauptnavigation, die dem Körper zehn Kapitel zuteilt: Von Bewegung über Kulturgeschichte und Lust bis hin zur Wissenschaft bietet koerpernetz.de selektive Zugänge zum menschlichen Leib, seiner Hülle und seinen Gliedmaßen.

Screenshot von der Homepage Körpernetz

"OP 2001": Einmal so schön sein wie Barbie.

Die übergeordneten Themen lassen bewusst viel Raum. Unter dem Kapitel "Schönheit" zum Beispiel erfüllt sich die Künstlerin Karin Felbermeyer einen Wunsch: Einmal so schön sein wie Barbie! "OP 2001", so der Titel ihres interaktiven Flash-Films, zeigt wie das auch ohne plastische Chirurgie möglich ist. Die Verschmelzung der Künstlerin mit der Plastikfigur vollzieht sich dann aber ganz anders als gedacht ...

Koerperstellen, eine literarische Reihe

"Echtes Haar" heißt eine Geschichte von Tanja Dückers. Die Autorin hat sich weit von den Bleiwüsten der "klassischen" Literatur entfernt. Im Grunde genommen ist es nicht die Schriftstellerin allein, die einen mit auf eine Fahrt in U- und S-Bahn durch Berlin nimmt. Bild und Ton unterstreichen die Authentizität der Episode. "Echtes Haar" ist die zweite Kurzgeschichte in der Reihe "koerperstellen", die seit Mitte März Literatur online präsentiert.

Geplant sind weitere 18 Geschichten bekannter Autoren, die nicht als einfacher Text auf dem Bildschirm erscheinen: Mit Hypertext-Labyrinthen und interaktiven Elementen sollen sie ein neues Format für Literatur bilden.

Hyperstruktur formvollendet

Insgesamt betrachtet haben Texte in diesem Online-Magazin wesentlich weniger Gewichtung als das in Print-Magazinen und ihren Online-Versionen üblich ist. Die Beiträge sind deshalb ungeschliffener, naiver, nicht jedoch zwangsläufig kürzer. Das Entscheidende ist die Zerlegung eines Texts in kleine Häppchen. Appetitlich werden sie vor allem durch die gelungene grafische Aufbereitung. Vom Hintergrund bis zur Illustration ist sie bei aller Kreativität auf das Notwendigste reduziert und lotet dennoch alle Möglichkeiten der Webseiten-Gestaltung aus. Hot Spots wie Buttons, Grafiken und Bilder laden zum Weiterklicken ein. Wer sich darauf einlässt, wird mit allen Sinnen angesprochen. Bilder, Texte, Filme und Töne: Ein multimedialer Cocktail ist der Gewinn eines Vordringens in die Tiefen der verwobenen Struktur der Site.

Vom Film zum Internet

Screenshot von der Homepage Körpernetz, Hand

Nicht-lineares Erzählen ist eines der Postulate im WWW. Michael Klinksik und Kuros Nekouian haben es praktisch umgesetzt. Koerpernetz.de kommt ohne die Hochglanz-Ästhetik der Lifestyle-Magazine aus, entspricht eher einer "Kulturgeschichte des Körpers" im Kultursender ARTE. Und das ist kein Zufall: die beiden Betreiber sind ursprünglich Dokumentarfilmer. Ihr Online-Projekt ist aus einer Dokumentation der kulturhistorischen Bilder des Körpers fürs Fernsehen entstanden.

"Was uns von der Filmerei entgegenkommt", so Klinksik, "ist die vernetzte Planung von Beiträgen. Da wir bei unseren Fernsehproduktionen von der Idee bis zur Fertigstellung verantwortlich waren, mussten wir auch hier vernetzt und vorausschauend planen." Eine ausgeklügelte Struktur ist auch im Internet das A und O. Vom Konsument zum aktiven Nutzer

Die Vorteile des Web liegen ganz klar in den Möglichkeiten des Multimedialen und einer intelligenten Interaktivität. "Der Besucher kann sozusagen seinen eigenen Film während des Besuchs gestalten", erläutert Klinksik. Das Internet biete in dieser Hinsicht Möglichkeiten, die dem Filmemacher versagt blieben. Er erkenne jedoch auch die Gratwanderung zwischen innovativen Ideen, neuen Navigationskonzepten und der Überforderung des Publikums: "Vom Fernsehen und anderen Medien ist man es gewohnt, bedient zu werden. Hier ist eine (inter)aktive Beteiligung verlangt, die für viele erst gelernt sein will."

Entstanden ist ein Online-Magazin, das seinesgleichen sucht. Am Rande von Lifestyle, Kultur und Erotik lotet dieses Format die vielfältigen Möglichkeiten der Netzkommunikation aus. Also: Klicken, Blicken und Überzeugen.

Christine Gruler

WWW-Links