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Sport

"Klick-klack – gleich mal drei Etagen tiefer"

Vertreter des deutschen Behindertensports beklagen niedrige Erfolgsprämien und mangelnde Akzeptanz innerhalb der Gesellschaft.

Der australische Skifahrer Cameron Rahles-Rahbula bei den Paralympics. Foto: AP

Riesenleistung, zu wenig Beachtung

Biathlet Frank Höfle beim Verfolgungsrennen der Paralympics in Whistler. Foto: picture-alliance/dpa

Biathlet Frank Höfle in Whistler

Der Frust sitzt tief. Der 14-malige Paralympics-Sieger Frank Höfle hat bei der Frage nach der gesellschaftlichen Akzeptanz von Menschen, die beispielsweise wie er sehbehindert sind, einiges zu sagen. Vor allem die Politiker nimmt er in die Verantwortung. "Es gibt so tolle Schlagwörter wie Inklusion, Teilhabe, Integration – und was machen wir wirklich?" So habe beispielsweise der Bundesbeauftragte für Behinderte, Herr Hübbe, keine Behinderung. Ebenso der Beauftrage für Behinderte in Baden-Württemberg. "Weshalb ist das so bei uns? Weshalb nehmen nicht behinderte Menschen die Interessen der behinderten Menschen wahr?", fragt sich der erfolgreichste deutsche Winter-Paralympionike.

Höfle, der als Biathlet, Langläufer und Straßenradfahrer bei neun Paralympischen Spielen insgesamt 25 Medaillen gewonnen hat, stellt auch die Daseinsberechtigung seines eigenen Dachverbands in Frage. "Ich finde es schizophren, dass wir extra eine Behindertensport-Organisation haben. Das zeigt doch, dass wir gar nicht versuchen, den Weg der Integration zu gehen."

Umdenken gefordert

Julius Beucher mit dem Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes, Michael Vesper und Willy Bogner bei einer Veranstaltung in München. Foto: dpa

DBS-Chef Julius Beucher (Mitte)

Ebenfalls fordert Höfle seine Mitmenschen auf, ihre Haltung gegenüber Sportlern wie ihm zu überdenken. "Mit dem Herzen sind viele Deutsche dabei. Aber mit dem Kopf, da macht's immer klick-klack: Ach Behindertensport, gleich mal drei Etagen tiefer ansiedeln." Diese Einstellung spiegelt sich auch in der Prämienzahlung wieder. Dabei gehe es jedoch weniger um die Summe, als um das Zeichen, das gesetzt werde, meint Julius Beucher, der Präsident der Deutschen Behindertensportverbands: "Wenn die Goldmedaille bei den Paralympischen Spielen in der Prämie weniger als die Hälfte der Goldmedaille bei Olympia wert ist, dann ist das einfach schief."

Die fehlende Anerkennung der sportlichen Leistung der Paralympioniken ziehe sich durch fast alle Bereiche, gibt Axel Achten von der Deutschen Sportmarketing-Agentur zu. "Die Unterschiede in der Vermarktung liegen in der öffentlichen Wahrnehmung." Beispiel Fernsehen: Auch wenn inzwischen mehr von den Spielen der Behindertensportler gezeigt werde als früher, liege die Zahl der übertragenen Stunden ganz deutlich unter der bei Olympischen Spielen. "Ich glaube auch nicht, dass wir in nächster Zeit an diese Konstellation herankommen werden."

Deutschland kein Vorbild

Verena Bentele und ihr Begleitläufer Thomas Friedrich bei der Siegerehrung in Whistler. Foto: dpa

Nicht nur Verena Bentele (mit Begleitläufer Thomas Friedrich) sammelt in Vancouver fleißig Medaillen

Es gibt jedoch auch Positives zu berichten: Immer mehr Unternehmen unterstützen den paralympischen Sport - wenngleich die Motivation eine andere ist: Bei den Olympischen Spielen engagieren sich die Firmen, weil sie durch die Förderung eine Gegenleistung, meist ein bestimmtes Image, erwarten. Das ist das klassische Sponsoring. Bei den Paralympischen Spielen dagegen begründen die Firmen ihre Unterstützung mit dem gesellschaftlichen Engagement, also ihrer sozialen Verantwortung.

Im internationalen Vergleich seien einige Länder Deutschland weit voraus, meint DBS-Präsident Julius Beucher - vor allem Skandinavien und das Gastgeberland der Paralympischen Spiele 2010: "Mit Staunen und Anerkennung haben wir in Kanada festgestellt, dass hier zwischen behinderten und nicht behinderten Sportlern so gut wie kein Unterschied gemacht wird." Das gelte für die sportliche Förderung sowie für die Unterstützung bei Berufsausbildung und Studium. "Das ist geradezu beispielhaft."

An der Leistung der deutschen Athleten kann es nicht liegen, dass Sportler, die im Rollstuhl sitzen oder Prothesen tragen, immer noch nicht voll akzeptiert und integriert sind. Deutschland hat gerade erst die Führung im ewigen Medaillenspiegel übernommen.

Autorin: Sarah Faupel
Redaktion: Stefan Nestler

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