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Musik

Klezmer-Star Giora Feidman wird 80

Musik ist für ihn die Sprache der Seele und seine Klarinette das Sprachrohr. Giora Feidman war in "Schindlers Liste" zu hören, und er spielte für den Papst. Jetzt wird er 80 - und denkt noch lange nicht ans Aufhören.

"Was kann ich machen", antwortete Giora Feidman 2006 auf die Frage, warum er sich nicht von den anstrengenden Tourneen verabschiede."Wenn ich Fotograf sein will, muss ich die schwere Tasche schleppen. Wenn du Journalist bist, musst du Stift und Block bei dir haben. Und ich muss eben mit meiner Klarinette unterwegs sein."

Zehn Jahre später hat sich an seinem Credo immer noch nichts geändert. Unermüdlich reist der Mann mit den drei Pässen um die Welt und spielt und spielt und spielt. Ach was, er spielt nicht, sein Instrument lebt: Es jubiliert, schmachtet, flüstert oder stöhnt. Die Töne tänzeln in schwindelerregenden Höhen, stürzen dann in die Tiefe und enden in plapperndem Lamento. Ob Klezmer, Tango, Jazz oder Klassik: Giora Feidman bewegt sich mühelos zwischen Stilen und Genres, und von Sidney über Berlin bis Tokio liegt ihm ein verzaubertes Publikum zu Füßen. "Ich spiele Klarinette, um meine Gefühle mit den Menschen zu teilen", lautet das Motto des Maestros.

Von Schubert bis Klezmer

Eine Klezmer Band spielt vor einer Mauer

Klezmermusik stammt ursprünglich aus Osteuropa

Die Liebe zur Musik wurde ihm in die Wiege gelegt. Feidman wird am 25. März 1936 in Buenos Aires geboren. Seine Eltern sind jüdische Einwanderer aus Bessarabien, dem heutigen Moldawien, die um 1905 vor Judenpogromen flohen. Einige seiner Vorfahren waren Klezmorim: Wandermusiker, die ihre Lieder durch die Lande trugen und in den jüdisch geprägten Dorfern und kleinen Städten ("Schtetl") aufspielten, insbesondere bei Hochzeitszeremonien, Festessen und zum Tanz. Ihre Musik schwankt zwischen Melancholie und Verzweiflung bis hin zu ausgelassener Lebensfreude.

Giora Feidman setzt die Familientradition in vierter Generation fort. Die Mutter singt jiddische Lieder, der Vater bringt ihm die ersten Töne auf der Klarinette bei. Musik sei vor allem Gefühl, sagt sein polnischer Lehrer und fordert ihn auf, Zeitungsnachrichten auf der Klarinette zu kommentieren. Er genießt eine klassische Ausbildung, liebt neben Klezmer auch Schubert und Mozart.

Israel ruft

Giora Feidman steht mit Kippa und Klarinette in einer Synagoge

Ehrengast bei den Jüdischen Kulturtagen in Berlin 2013: Giora Feidman

Mit 18 Jahren bekommt der hochtalentierte Giora eine Anstellung als Klarinettist am Teatro Colon, der renommiertesten Opernbühne Südamerikas. Doch es hält ihn nicht in Argentinien, wie Hunderttausende anderer Juden zieht es auch ihn in den neu gegründeten Staat Israel. 1956 verlässt er Buenos Aires und ergattert eine Stelle beim Israel Philharmonic Orchestra. Schon ein paar Tage nach seiner Ankunft hat er den ersten Solo-Auftritt. Feidman, der bei seiner Ankunft in Israel weder Hebräisch noch Jiddisch sprechen kann, nicht einmal Englisch, saugt all dies in sich auf: "Erst als ich in Israel war, wurde mir bewusst, wie wichtig jüdische Musik für mich sein würde. Damals konnte ich noch nicht wissen, wie sehr diese Musik eines Tages mein Leben und meine Karriere als Musiker verändern und bestimmen würde."

Die Renaissance der Klezmer-Musik

Es ist der Beginn einer beispiellosen Karriere. Kein geringerer als Leonard Bernstein gehört zu seinen Förderern und Bewunderern. Fast zwei Jahrzehnte lang spielt Giora Feidman beim Israel Philharmonic Orchestra; dann begibt er sich auf Solo-Pfade, geht nach New York und spielt Klezmer. Feidmans Managerin und spätere Ehefrau, die israelische Komponistin Ora Bat Chaim, hat zunächst Mühe, Engagements für ihn zu finden: "Immer und immer wieder wurde mir mitgeteilt, es gäbe kein Publikum für einen Künstler, unabhängig davon wie talentiert er sei, um ein vollständiges Abendprogramm mit jüdischer Musik zu bestreiten. Wie sehr sie sich geirrt haben."

Klarinettist Giora Feidman steht mit ausgebreiteten Armen auf der Bühne

Feidman liebt sein Publikum - und das Publikum liebt ihn

Giora Feidman verhilft der Klezmermusik rund um den Globus zu neuer Blüte. Längst reicht ihm die Konzertbühne nicht mehr. Immer wieder wirkt er in Theaterstücken, Musicals, Opern und Filmen mit. In Deutschland wird er 1984 bekannt, als Regisseur Peter Zadek für seine Inszenierung des Musicals "Ghetto" von Joshua Sobol einen jüdischen Musiker sucht. An der Seite der Israelin Esther Ofarim hat er die zweite Hauptrolle. Dann wird auch Hollywood auf ihn aufmerksam. 1994 spielt Feidman zusammen mit dem Geiger Itzak Perlman die Oscar-prämierte Musik zu Steven Spielbergs Holocaust Drama "Schindlers Liste" ein. 1996 ist er in der deutschen Produktion "Jenseits der Stille" zu hören. Der Film erzählt die Geschichte eines Mädchens gehörloser Eltern, dessen Klarinettenspiel ihr und ihren Eltern ein Tor zur Welt öffnet. Ein Jahr später ist er in einer Nebenrolle in Joseph Vilsmeyers Film "Comedian Harmonists" zu sehen.

Musikalische Fusionen

Trotz seiner Liebesbeziehung zum Klezmer, ist Giora Feidman ein musikalischer Allrounder. Er lässt sich nicht in eine Schublade pressen, geht immer wieder musikalische Fusionen mit Jazz, Soul und Klassik oder Tango, der Musik seiner argentinischen Heimatstadt Buenos Aires ein. Später kommen vermehrt sinfonische Musik zeitgenössischer israelischer Komponisten und klassische Werke hinzu.

Giora Feidman mit zwei Musikern auf der Bühne

Giora Feidman beim ElbJazz Festival in Hamburg

Ebenso wenig wie er sich um musikalische Grenzen schert, kümmern ihn die Grenzen zwischen den Völkern. In Deutschland bekommt er 2001 das Bundesverdienstkreuz für seine besonderen Verdienste um die Aussöhnung zwischen Deutschen und Juden. Beim Weltjugendtag 2005 tritt er in Köln vor 800.000 Menschen und Papst Benedikt XVI auf. Längst ist er ein Weltstar, doch der Ruhm ist ihm nicht zu Kopf gestiegen. Feidman ist kein Mann der großen Worte, er lässt lieber seine Klarinette sprechen – ohne sie kann er nicht sein. Und so steht kurz nach seinem 80. Geburtstag schon wieder die nächste Deutschlandtournee an. Happy Birthday, Giora Feidman.

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