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Musik

Klezmer-Musik: so populär wie nie

In der nordisraelischen Stadt Safed hat zum 22. Mal das traditionelle Klezmer-Festival stattgefunden. Der Ansturm von Bands und 300.000 Gästen aus aller Welt zeigt die Trendwende in der Bedeutung des Klezmer in Israel.

Helmut Eisel Foto: Helmut Eisel

Helmut Eisel

Im Anschluss an das dreitägige Festival in Safed haben die Klarinettisten Giora Feidman und Helmut Eisel junge Musiker aus allen Sparten zu Klezmer-Workshops eingeladen. Egal ob sie sonst Pop, Jazz oder Klassik spielen: im Klezmer findet jeder Anknüpfungspunkte. Wir haben mit Helmut Eisel gesprochen.

DW-WORLD.DE: Herr Eisel, was bedeutet für Sie das Wort „Klezmer“?

Helmut Eisel: Wenn ich als Musiker sage, ich bin ein Klezmer, heißt das, ich bin ein Medium zur Musik und das steht im Widerspruch zu der gängigen Antwort: wenn mich jemand fragt, was macht ein Musiker, dann sage ich, der macht Musik. Hier ist die Idee, dass wir nicht Musik machen, sondern dass wir Musik zulassen, dass wir einen Kanal für das Publikum zur Musik darstellen.“

Das Klezmer Festival in Safed ist auch Treffpunkt für die Workshops, die Sie zusammen mit Giora Feidman dort anbieten. Klezmer-Unterricht in Israel – heißt das nicht Eulen nach Athen tragen?

Es ist völlig verrückt, man denkt eigentlich, Israel wäre so eine Art Mekka der Klezmer-Musik. Das ist bei Weitem nicht der Fall. Es war in den 90er Jahren noch so, dass diese Musik totgeschwiegen wurde, und wenn sie überhaupt gespielt wurde, dann für Touristen.

Das hat sich inzwischen spürbar geändert. Die Stadt Safed ist heute das Zentrum für Klezmer in Israel. Wie erleben Sie die Atmosphäre dort?

Safed - Orthodoxer Jude Foto: picture alliance dpa

Safed - Orthodoxer Jude

Safed ist eigentlich eine unglaubliche Stadt. Es war im Mittelalter die Hochburg der Kabbalisten, und ich hab einfach das Gefühl, an einem Ort zu sein – so ähnlich wie an wichtigen Kirchen – wo sehr viel mentale Kraft herrscht. Safed ist wirklich ein ganz besonderer Ort. Sie merken einfach, da oben ist etwas anders.

Heute ist vor allem das Interesse der jungen israelischen Musiker an Klezmer wieder geweckt., 80% der Teilnehmer kommen aus Israel. Wie erklärt sich diese Trendwende?

Israel ist ein sehr junger stolzer Staat, der auf der hebräischen Kultur aufbaut. Klezmer rechnet man viel eher dem Jiddischen zu und damit automatisch dem unterdrückten Judentum. Und davon wollte man lange Zeit überhaupt nichts wissen. Und jetzt kommt so langsam: Mensch, da war doch was. Da gibt’s was Interessantes und das wollen wir uns jetzt doch mal angucken.

Seit einigen Jahren bekundet aber auch eine ganz andere Klientel Interesse an Ihrer Arbeit, die sonst mit Musik wenig zu hat: Firmen und Unternehmensberater haben Klezmer-Workshops für’s Teambilding entdeckt. Wie arbeiten Sie mit den Teilnehmern?

Es läuft dann natürlich sehr rudimentär ab. Es ist einfach diese Idee des Klezmer-Seins, bei der man sehr viel mit einander teilen kann. Ein neues Team kann sich sehr gut damit identifizieren, so etwas zu machen. Wenn sie so eine gemeinsame Erfahrung machen, quasi von Null auf eine Musik aufbauen und plötzlich merken, mit relativ wenigen Elementen können wir tatsächlich eine sehr schön klingende Musik zusammen machen, dann ist das einfach ein tolles Erlebnis, das unheimlich zusammen schweißt.

Helmut Eisel & Band Foto: Helmut Eisel

Helmut Eisel & Band

Sie haben zunächst Jazz gespielt, sind dann durch Giora Feidman zum Klezmer gekommen und arrangieren heute auch klassische Werke. Kann die Verbindung all dieser Elemente zu etwas ganz Neuem führen?

Es sind eigentlich immer Grenzüberschreitungen, die ich mache. Egal ob das nun in einer Besetzung mit einer Pianistin oder mit Orchester Richtung Klassik geht oder ob das Richtung Jazz ist oder ob ich mit meinem Trio Weltmusik oder mit dem Quintett Jazz im 30er-Jahre-Stil spiele. Das sind Grenzüberschreitungen, und das ist genau das, das ich machen möchte. Diese Dinge wirklich zu integrieren und dabei zu merken, es entsteht ein Überbau von Musik, der überall verstanden wird, mit dem sich jeder identifizieren kann, das ist eigentlich das Anliegen, das ich dabei habe.

Das Gespräch führte Gudrun Stegen

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