1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Kleinwaffen fordern die meisten Toten

Kleinwaffen sind die Massenvernichtungswaffe des kleinen Mannes, heißt es. Ihre Verbreitung fördert Gewalt und Kriege, wobei die Hälfte von ihnen ihr "Einsatzgebiet" auf illegale Weise erreicht.

default

Leichte Waffen sind billig und kinderleicht zu bedienen

Während des Kalten Krieges konzentrierte sich die internationale Aufmerksamkeit auf große Waffensysteme wie Flugzeuge, Atombomben und Raketen mit nuklearen Sprengköpfen. Das änderte sich schlagartig, denn schnell erkannte die Welt die Gefahr, die von Kleinwaffen, wie zum Beispiel von automatischen Pistolen, Schnellfeuergewehren oder leichten Maschinengewehren ausgeht. "In den heutigen Kriegen sterben 90 Prozent der Opfer durch Kleinwaffen", sagt Edward Mogire, von der Abteilung Friedensforschung der Universität Bradford. In den letzten zehn Jahren sind nach aktuellen Erhebungen drei Millionen Menschen durch Kleinwaffen umgekommen. "Und bei der Hälfte der Kleinwaffen, die im Umlauf sind, handelt es sich um illegale Waffen." Das heißt: Sie sind Schmuggelware.

Waffen reisen von Krise zu Krise

Da 80 Prozent der Waffen in Europa und den USA produziert werden, liegt es nahe, dass sie von der westlichen Welt aus in die Krisengebiete geschmuggelt werden. "Dem ist aber nicht so", sagt Sammy Faltas vom Internationalen Konversionszentrum in Bonn. "Die meiste Waffen sind schon vor Ort", so Faltas. Zum einem stammen sie aus Beständen, die vor längerer Zeit noch legal geliefert wurden. Sie sind das Produkt der Waffenschwemme aus der Zeit des Kalten Krieges. Zum anderen haben sich in den Krisengebieten illegale Waffenproduktionen angesiedelt. "Und die Waffen reisen von Krise zu Krise", betont Faltas.

Endet ein bewaffneter Konflikt in einem Krisengebiet, tauchen sie nach einiger Zeit im nächsten Krisengebiet wieder auf. "Einen Teil der Waffen geben die Kriegsteilnehmer an die Vereinten Nationen ab. Der Rest wird von Schmugglern erworben und ins nächste Krisengebiet transportiert. Häufig nutzen sie dafür die schlechte soziale Situation von den Zollbeamten in den entsprechenden Regionen. "Die Beamten erhalten ein Schmiergeld und drücken dafür beide Augen zu, wenn die Lastwagen mit den Kleinwaffen über die Grenze rollen", sagt Faltas. "Oder sie werden einfach erschossen."

Oft nutzten auch korrupte Politiker Militärflughäfen ihres Entwicklungslandes, um Pistolen, Schnellfeuergewehre und Mörser zu transportieren, oder sie nutzen den Seeweg. Selten würden westliche Staaten es wagen, ein Schiff zu stoppen, um es nach Waffen zu durchsuchen. "Das ist rechtlich zu kompliziert und birgt viele juristische Stolperfallen." Und so gelangen Waffen trotz Waffenembargos blitzschnell in die Krisengebiete. "Der bewaffnete Konflikt in der Elfenbeinküste hatte gerade erst begonnen und schon war das Land mit Kleinwaffen überschwemmt, trotz eines Waffenembargos." Im asiatischen und lateinamerikanischen Raum sei die Situation ähnlich.

Weltweit vagabundierendes Handelsgut

Genaue Daten über den Schmuggel mit Waffen sind nicht vorhanden. Edward Mogire schätzt, dass jährlich Kleinwaffen im Wert von zwei bis zehn Milliarden Dollar geschmuggelt werden. Dietrich Garlichs, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, spricht von einem jährlichen Volumen von fünf Milliarden Dollar. Kleinwaffen seien wie Drogen ein weltweit vagabundierendes Handelsgut, das unkontrolliert von einem Markt zum nächsten strömt. Schätzungen gehen von über 600 Millionen Kleinwaffen weltweit aus, wovon die Hälfte durch illegale Kanäle wandert. "Zu einem großen Teil sind sie auch für die Flüchtlingsströme verantwortlich, denn ohne diese billigen und leicht zu bedienenden Waffen könnten viele Kriege, von den die Menschen fliehen, überhaupt nicht geführt werden", meint Mogire. Auch wenn sich die internationale Gemeinschaft der Gefahr bewusst ist, die von den Waffen ausgeht, hat sie noch kein geeignetes Mittel gegen die Waffenschwämme gefunden.

Die Redaktion empfiehlt