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Politik

Kleinvieh macht auch Mist

"Das zieht sich hin bis Puerto Rico!", witzelten die US-Fernsehkommentatoren seit Monaten, wenn es um die Dauer des Präsidentschaftsvorwahlkampfs der Demokraten ging. Am Sonntag wird aus dem Spaß Ernst.

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Puerto Rico ist eine karibische Insel mit vier Millionen Einwohnern, westlich der Dominikanischen Republik gelegen. 1898 traten die Spanier sie, zusammen mit Guam, an die USA ab. 1952 wurde Puerto Rico ein Freistaat mit einer eigenen Verfassung, ein "nichtinkorporiertes Außengebiet der Vereinigten Staaten", wie es offiziell heißt.

Seit einiger Zeit geben sich dort die Familien Clinton und Obama die Klinke in die Hand. Sie umwerben die rund zwei Millionen registrierten Wähler, die am Sonntag (01.06.2008) einem der beiden Kandidaten ihre Stimme geben dürfen. Denn der Preis, den es zu holen gilt, ist hoch: 55 Delegiertenstimmen sind eine Menge in einem Rennen, in dem Barack Obama mit gut 150 Stimmen in Führung liegt. Und 55 Delegierte sind mehr als in Arkansas, der Heimat der Clintons, oder in Kentucky oder in Oregon, den Schauplätzen der letzten Vorwahlen, zu vergeben waren.

Bluse statt Blazer

So zieht sich Hillary Clinton statt des Blazers schon mal die pinkfarbene Bluse über und verspricht den Puerto Ricanern die gleichen Steuervorteile, die gleiche Krankenversicherung und die gleichen wirtschaftlichen Chancen wie den Amerikanern auf dem Festland. Dabei stößt sie nicht bei allen Inselbewohnern auf Begeisterung. In einer Volksabstimmung sprach sich eine knappe Mehrheit zuletzt 1998 für eine Beibehaltung des Status Quo aus – gegen Unabhängigkeit und auch gegen einen Anschluss Puerto Ricos an die USA als 51. Bundesstaat.

Dennoch werden Clinton in Puerto Rico gute Chancen auf einen Sieg eingeräumt – schließlich haben die Clintons zu Latinos traditionell ein gutes Verhältnis und außerdem vertritt sie als Senatorin von New York bereits rund eine Million Puerto Ricaner, die dort ihr Glück suchen.

Doch die Puerto Ricaner dürfen zu Recht skeptisch sein, was nach dem 1. Juni von den Versprechungen noch übrig bleibt. Denn sie dürfen zwar bei den Vorwahlen ihre Stimme abgeben – bei der Präsidentschaftswahl im November bleiben sie aber außen vor – genauso wie Guam, die Jungferninseln, 1950 von Dänemark abgekauft, und Amerikanisch Samoa, das seinen Status 1900 durch einen Vertrag zwischen den USA, Großbritannien und Deutschland erlangte.

Geteilte Inseln

In diesen drei Überseegebieten haben die Vorwahlen schon stattgefunden. Dabei erlebte Guam eine Premiere, als erstmals ein Präsidentschaftsanwärter – Barack Obama – ein Wahlkampfbüro auf der Insel eröffnete. Er versprach die Wirtschaft auf der Insel im Pazifik zu fördern – und siegte mit ganzen sieben Stimmen Vorsprung. Die acht Delegierten aus Guam wurden den Regeln entsprechend Halbe-Halbe auf beide Kandidaten verteilt. Bei dem Nominierungsparteitag in Denver zählen sie allerdings nur die Hälfte.

Auf den Jungferninseln, neben Puerto Rico gelegen, siegte der schwarze Senator aus Illinois dafür haushoch: Mit 89,9 Prozent oder 1772 Stimmen bekam er alle drei zu vergebenden Delegierten. Dafür gönnte er sich kurz darauf auch einen eintägigen Kurzurlaub am Strand des Urlaubsparadieses.

Auch Amerikanisch-Samoa hatte drei Delegierte zu vergeben. Die Bevölkerung dort besteht vor allem aus Polynesiern – und die sprachen sich mit 163 zu 121 Stimmen für die ehemalige First Lady aus. Das heißt: Zwei Delegierte für sie, einen für Obama.

Übrigens: Alle Inselstaaten entsenden auch unabhängige Superdelegierte nach Denver zum Parteitag – und zwar teilweise jeweils mehr, als reguläre Delegierte. Ein Grund mehr also für die beiden Kandidaten, auf den kleinen Inseln groß präsent zu sein.