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Global Ideas

Kleinstkredite befeuern den Klimaschutz

Mit Mikrokrediten kommen Menschen an Geld, die sonst vom Finanzsektor ausgeschlossen wären. "Grüne Mikrokredite" denken die Idee weiter. Sie sorgen dafür, dass die Armen Zugang zu regenerativen Energien erhalten.

Eine Hütte mit einer sehr kleinen Solaranlage auf dem Dach (Foto: KfW-Bildarchiv / Jörg Böthling)

Viele Mikrokredite, zum Beispiel für solche Anlagen, gehen an Frauen: Geldgeber halten sie für verlässlicher

Eine Petroleumlampe, gebaut aus einer Blechdose (Foto: CC/Nokero)

Selbstgebaute Petroleumlampen sind nicht nur teuer, sondern auch gefährlich

Wer in Uganda telefonieren, Lebensmittel kühlen oder nachts ein Buch lesen möchte, hat ein Problem. Denn nur knapp 12% der Bevölkerung hat Zugang zum Stromnetz. In ländlichen Gegenden sind es sogar nur 2%, so eine Studie des Centre for Research in Energy and Energy Conservation (CREEC) in Kampala. Und selbst wer ans Netz angeschlossen ist, greift wegen der hohen Strompreise oft auf Kerzen und Petroleum zurück. Laut Weltbank werden auf dem afrikanischen Kontinent jährlich 13 Milliarden Euro für Petroleum ausgegeben. Das bedeutet eine Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung, aber auch eine deutliche Belastung für das Klima.

FINCA, ein amerikanischer Mikrofinanzierer, hat 2008 ein Pilotprojekt ins Leben gerufen, das es den Menschen ermöglichen soll, sich selbst mit Strom zu versorgen. Entscheidend sei dabei vor allem der Endpreis für die Kunden gewesen, sagt die Managerin für strategische Geschäftsinitiativen bei FINCA, Sonali Rohatgi. Außerdem sei entscheidend, wie man den weiteren Service rund um Instandhaltung und Betreuung gewährleisten könne. In der Anfangsphase wurden verschiedene Produkte wie handbetriebene Dynamo-Lampen und Energiesparöfen getestet. Die Wahl fiel schließlich auf sogenannte "Solar-Home-Systems" (SHS). Das sind Photovoltaikanlagen, die eine unabhängige Stromversorgung sicherstellen und nicht mit dem öffentlichen Stromnetz gekoppelt sind.

Neue Geschäftsmodelle durch eine etablierte Idee

Mehrere Menschen sitzen auf dem Boden vor Solarpanelen (Foto: CC/mattberlin23)

Bevor eine neue Anlage installiert wird, erhält jeder Neukunde eine Schulung

Eine solche Anlage besitzt jetzt auch Theo Kayonda. Sie musste ihren kleinen Lebensmittelladen neu aufbauen, nachdem eines Abends eine Petroleumlampe im Laden explodiert war und ihre Existenz vernichtet hatte. Durch das SHS verfügt Theo Kayonda nun auch über ausreichend Strom für Beleuchtung und andere Geräte. Ihr Solar-Home-System ist eines von 550, das durch FINCA finanziert wurde. Heute bietet sie in ihrem Geschäft nicht nur Lebensmittel an. Mit dem Ökostrom kam ein neuer Geschäftszweig dazu: die Nachbarn können bei ihr jetzt ihre Mobiltelefone aufladen. Und auch ihre Kinder profitieren - sie machen abends im Laden ihre Hausaufgaben, ohne dass sich ihre Mutter wegen der Lampe Sorgen machen muss.

Beispiele wie dieses könnte es viele geben. Der Weltbank zufolge haben 2,7 Milliarden Menschen keinen Zugang zum klassischen Finanzsektor. Spätestens seit Muhammed Yunus 2006 den Friedensnobelpreis bekam, sind Mikrokredite ein populäres Mittel zur Armutsbekämpfung geworden. Die von ihm gegründete Grameen Bank in Bangladesch war eines der ersten Mikrokreditinstitute der Welt. Sein Modell basiert auf der Annahme, dass auch arme Menschen unternehmerisch handeln können und deshalb kreditwürdig sind. Auch wenn die Idee in den letzten Jahren nicht ohne Kritik geblieben ist - laut eines Berichts des UN-Generalsekretärs Ban Ki-moon im März 2011, schaffen Kleinstkredite für arme Haushalte nicht nur Arbeitsplätze, sondern geben vor allem den wirtschaftlich benachteiligten Frauen in Entwicklungsländern eine Chance, mit bescheidenem Kostenaufwand und einem Minimum an Bürokratie Unternehmer zu werden.

Positive Beispiele für Mikrokredite

Klimaschutz ist nun ein neues Gebiet für Mikrofinanzinstitute. Aber sie verfügen bereits über ein funktionierendes Netzwerk in den ärmsten Gegenden der Welt. Ein Umstand, den sich auch FINCA zunutze macht. Der Finanzierer setzt in Uganda vor allem auf gut ausgebildete Mitarbeiter, erklärt der technische Leiter des Projekts, Joseph Sserwanga. Sogenannte Energy Officers gehen in die Dörfer und bewerben die "Grünen Mikrokredite". Interessierte Kunden werden von einem FINCA-Finanzexperten beraten, die Rückzahlung individuell vereinbart. Die monatliche Rate sollte nicht höher sein als der Betrag, den ein Haushalt sonst für Lampenöl, Kerzen und Batterien ausgeben würde. Die Installation der Anlage übernimmt eine private Firma. "Aber wir verschwinden dann nicht einfach, wenn alles steht", sagt Sserwanga, "wenn es Probleme mit der SHS gibt, sind die Energy Officers da und warten das Gerät".

Eine seiner Klientinnen habe ihn besonders beeindruckt, so Sserwanga. "Erst hat sie eine kleine Schneiderei in der Stadt aufgemacht. Dann kam noch ein Marktstand dazu. Das lief so gut, dass sie in ihrem Heimatdorf eine Schule gebaut hat, die jetzt von ihrem Neffen geleitet wird, der Lehrer ist." Eine Erfolgsgeschichte, die nicht nur das Leben der Kreditnehmer, sondern auch das der Menschen in ihrem Umfeld positiv beeinflusst.

Autorin: Wiebke Feuersenger
Redaktion: Ranty Islam

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