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Kultur

Kleinschmidt: "Man hätte in Afrika bleiben sollen"

Nach der Absage für 2008 zieht die traditionsreiche Wüstenrallye Dakar nach Südamerika um. Eine gute Entscheidung? Fragen an den deutschen Rallye-Star Jutta Kleinschmidt.

Die Dakar-Siegerin des Jahres 2001 Jutta Kleinschmidt (Archiv)

Manch einer nennt sie die 'Wüsten-Queen'. Die Dakar-Siegerin des Jahres 2001 Jutta Kleinschmidt

DW-WORLD.DE: Die Wüstenrallye Dakar stand 2008 unter keinem guten Stern. Sie wurde kurzfristig wegen Terrordrohungen abgesagt. 2009 zieht sie nach Südamerika um. Ist das eine gute Lösung?

Jutta Kleinschmidt: Für mich ist das schwierig. Ich kenne die Dakar seit 20 Jahren und für mich gehört die Dakar einfach nach Afrika. Aber die Veranstalter haben so entschieden. Argentinien und Chile sind sehr schöne Länder mit sehr schönen Strecken, doch man hat dort nicht diesen hohen Offroad-Anteil wie man das in Afrika hat.

Bei der diesjährigen Rallye wollten Sie ja ohnehin nicht starten. Werden Sie nächstes Jahr in Südamerika dabei sein?

Ich versuche gerade ein eigenes Team zusammenzustellen. Mal sehen, ob ich das schaffe. Jetzt hat sich allerdings alles umgewürfelt. Mit den Sponsoren ist das schwierig, weil man noch nicht genau weiß, was die Zukunft bringt. Man weiß, es geht nach Argentinien und Chile aber man kann noch nicht exakt Etats bestimmen. Aber ich versuche das. Mein nächstes Projekt ist erst mal die neue Peking-Rallye, die im Juni stattfindet.

Was halten die Sponsoren denn von dem neuen Austragungsort Buenos Aires?

Es gibt sicher ein kleines Problem mit der Übertragung. Südamerika ist zeitlich zurück. Somit ist die Rallye jeden Tag erst sehr spät zu Ende. Da ist das mit der Live-Übertragung nicht so einfach. Aber das kann man regeln.

Gibt es auch Vorteile?

Sicher. In diesen Ländern ist das Interesse der Sponsoren sehr hoch, es gibt neue Märkte, Firmen, die dort wachsen wollen. Es gibt auch Begeisterung unter den Sponsoren.

Aber stehen Sie nicht auch vor großen logistischen Herausforderungen? Die Rennwagen und Motorräder müssen ja erst mal nach Südamerika gebracht werden.

Das Problem ist vor allem, eine detaillierte Planung hinzubekommen. Was braucht man an Geld, wir wissen nicht wie der Service aussieht. Braucht man wie bei Dakar homologierte Fahrzeuge, sprich: Müssen die Überrollkäfige haben, spezielle Ausrüstung? Dann müsste man alle Fahrzeuge per Schiff oder Flugzeuge rüberbringen. Das wäre teuer.

Aus Ihrer Perspektive als Fahrerin betrachtet: Was wird anders in Südamerika als in Afrika?

Es wird ein sehr großer Unterschied sein. Das ist was mir nicht gefällt. Ich bin ja der Abenteurer-Typ. Ich habe Dakar gemacht, weil es ein riesiges Abenteuer ist. Man fährt viel Offroad, man muss Dünen überqueren. Das wird fehlen. Die Strecken werden eher so sein wie bei der traditionellen Rallye. Und da haben dann die Fahrer Vorteile, die von der traditionellen Rallye kommen. Die kennen die Strecken in Argentinien zum Großteil. Für alteingesessene Rallye-Fahrer wie mich oder Stephan Peterhansel, die seit Jahren die Dakar fahren, ein großes Problem, weil es eine neue Art der Strecke sein wird.

Wenn Sie hätten entscheiden können. Wäre die Rallye in Afrika geblieben, vielleicht mit einer alternativen Route?

Ja, das hätte ich definitiv gemacht. Es gibt so viele schöne Strecken in Afrika. Wir haben oft schon neue Routen gefahren, wir sind schon mal nach Ägypten oder nach Kapstadt gefahren. Man hätte vielleicht nicht unbedingt Dakar als Ziel gewählt. Aber man hätte in Afrika bleiben sollen.

Wünschen Sie sich, dass die Rallye wieder nach Afrika zurückkehrt?

Wenn ich ehrlich bin, hoffe ich das sehr. Für die nächsten zwei Jahre stehen ja jetzt Argentinien und Chile fest. Aber vielleicht sagt man danach: Lasst uns wieder nach Afrika gehen.

Der deutsche Rallye-Star Jutta Kleinschmidt (45) gewann 2001 als erste und bisher einzige Frau Dakar. Die Diplom-Physikerin Kleinschmidt, die in Monaco lebt, hat ein Stück Geschichte der Rallye Paris-Dakar geschrieben. In diesem Jahr hatte sie jedoch schon im Voraus ihren Startverzicht angekündigt.

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