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Wirtschaft

Kleinfeld: Asien treibt die Rohstoffmärkte

Klaus Kleinfeld, Vorstand des Aluminiumherstellers Alcoa, äußert sich zu Rohstoffmärkten und der wirtschaftlichen Perspektive Afrikas. Zu den jüngsten Siemens-Vorwürfen wollte der Ex-Vorstandsvorsitzende nichts sagen.

Klaus Kleinfeld, Quelle: dpa

Klaus Kleinfeld, jetzt Vorstand des US-Aluminiumherstellers Alcoa

DW-WORLD.DE: Wie entwickeln sich die Rohstoffmärkte angesichts der weltweiten Aktien- und Finanzkrise?

Klaus Kleinfeld: Die Rohstoffmärkte sind ganz stark getrieben von der Industrialisierung Chinas und Asiens. Da werden Rohstoffe gebraucht, denn sie sind in diesen Ländern relativ wenig vorhanden. Das Bevölkerungswachstum und die Industrialisierung sind die treibenden Kräfte. Das wird auch so weitergehen. Die große Frage ist, wie stark das Wachstum sein wird. Das wird nicht unabhängig sein – davon bin ich stark überzeugt – von den Wachstumsaussichten in den anderen bereits entwickelten Ländern. Aber es wird trotz allem stärker und besser sein. Insofern wird die Rohstoffknappheit anhalten, denn die Märkte sind weiter in starker Nachfrage, und das ist für Alcoa eine sehr positive Nachricht.

Weil bei konstant starker Nachfrage die Preise auf hohem Niveau stabil bleiben?

Es ist ein Wachstumsgeschäft und ich sage mal, die Preise werden sich stabil positiv entwickeln.

Welche Märkte sind im Kommen, welche Rolle spielt der afrikanische Kontinent?

Afrika ist absolut ein Thema. Afrika ist aber nach wie vor mehr ein Thema als Rohstoff-Lieferant denn als Verwender. Ich hoffe inständig, dass der Kontinent Afrika, den man lange Zeit als vergessenen Kontinent bezeichnet hat, davon stark profitiert und eine stärkere Industrialisierung einsetzt. So wie man es in Südafrika und in einzelnen nordafrikanischen Ländern schon sehr stark sehen kann.

Hier in Davos wird hinter den Kulissen intensiv über die Fortsetzung der Gespräche zum weltweiten Freihandel gesprochen. Derzeit gibt es weltweit, aber auch in Europa und in Deutschland, Tendenzen, die Märkte wieder stärker abzuschotten. Halten Sie das für richtig?

Nein, ich glaube, das ist eine Verkennung der Tatsachen. Ich bin der Ansicht, es gibt kaum etwas, dass in den vergangenen 20 Jahren mehr zu Wohlstand in der Welt geführt und dazu beigetragen hat, als die Öffnung der Märkte. Davon hat gerade auch Deutschland als exportorientiertes Land vermutlich mehr profitiert als die meisten anderen Länder. Insofern würde man sich da stark ins eigene Fleisch schneiden. Man kann nur hoffen, dass sich diese Tendenzen nicht durchsetzen.

Wie kann die derzeitige Wirtschaftskrise überwunden werden?

Ich glaube das Rezept ist immer das gleiche: Wettbewerbsfähigkeit nach vorne bringen. Dazu gehört weiter die Flexibilisierung voranzubringen, und immer wieder darauf zu achten, dass der Innovationskurs stimmt. Das ist eine der großen Stärken der deutschen Wirtschaft immer gewesen - und wird es auch hoffentlich immer bleiben. Aber natürlich kann man das auch nicht ganz entkoppeln von den Kostenblöcken und den Herausforderungen, die damit zusammenhängen.

Vielen Dank für das Gespräch !

Dr. Klaus Kleinfeld hat Betriebswirtschaft und Wirtschaftspädagogik in Göttingen studiert. Er startet seine Karriere beim Schweizer Unternehmen Ciba-Geigy, ehe er 1987 zu Siemens wechselte. Von 2002 bis 2003 war er verantwortlich für das US-Geschäft des Konzerns. 2005 wurde er Vorstandsvorsitzender von Siemens und Nachfolger von Heinrich von Pierer. Zwei Jahre später holte ihn die sogenannte Schmiergeldaffäre bei Siemens ein. Obwohl er sich offensichtlich persönlich nichts hat zu schulden kommen lassen, räumte er seinen Posten 2007. Seit Oktober 2007 ist er Vorstand des amerikanischen Alcoa-Konzerns, dem zweitgrößten Aluminium-Hersteller der Welt. Klaus Kleinfeld ist verheiratet und hat zwei Töchter.