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Fußball

"Kleines dickes Müller" ist 65

Noch immer ist er der Rekordtorschütze der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und des FC Bayern München. Seine Trefferquote ist bis heute unnachahmlich. Am vergangenen Mittwoch wurde Gerd Müller 65 Jahre alt.

Gerd Müller, deutscher Fußball National-Spieler (Foto: AP)

Gerd Müller 1969

"Tor durch Gerd Müller!" Ein Satz, der bei wirklich jedem Sportreporter dieser Zeit ins Repertoire gehörte, denn wenn Müller spielte, schoss er fast immer auch Tore. 68 in gerade einmal 62 Spielen für die deutsche Nationalmannschaft. Sein wichtigstes war der Siegtreffer im Finale der WM 1974, als er das 2:1 gegen die Niederlande schoss und Deutschland Weltmeister wurde.

An Ruud Krol (r) vorbei erzielt Gerd Müller (l) das 2:1 für die Bundesrepublik Deutschland beim Endspiel Deutschland - Niederlande der Fußball-WM '74 im Münchner Olympiastadion (Foto: dpa)

Das entscheidende Tor zum WM-Titel 1974

68 Treffer in 62 Spielen - das ist eine sagenhafte Quote von 1,1 Toren pro Partie. Zum Vergleich: Miroslav Klose, aktuell mit 58 Treffern hartnäckigster Torrekordjäger aller deutscher Nationalspieler, brauchte bisher schon 105 Spiele dafür – eine Quote von 0,6. "Der Gerd konnte Tore machen aus Chancen, die es im Grunde gar nicht gab", beschreibt Udo Lattek, der ihn einst beim FC Bayern trainierte, das Phänomen Müller. "Der Gerd hat so viele verrückte Tore gemacht. Mit dem Hinterkopf, mit der Hacke, mit der Brust und auch schon mal mit dem Arm, wenn es der Schiedsrichter nicht gesehen hat."

Der König des Strafraums

Gerd Müller (l) schießt aus Nahdistanz volley zum 3:2 gegen England ein, der englische Torhüter Peter Bonetti (r) ist ohne Abwehrchance (Foto: dpa)

Meistens aus der Drehung schoss Müller seine Tore

Seine Spezialität waren Tore aus der Drehung, im Strafraumgewühl und aus ungünstigsten Positionen und Schusswinkeln – Distanzschüsse waren eher selten, kamen aber auch vor. Seine Kritiker hielten ihm das vor und sprachen von "Abstaubertoren". "Mir hat das immer gestunken", beklagt sich Müller darüber. "Wenn einer geschossen hat, bin ich zehn Mal umsonst auf den Torwart zugelaufen, ob er den Ball fallen lässt. Das haben die anderen nicht gemacht." Nicht selten bekam es der "Bomber der Nation", wie sein martialischer Spitzname lautete, mit gleich zwei Gegenspielern zu tun. Und nicht nur die deutsche Nationalmannschaft, mit der er Welt- und Europameister wurde – auch Bayern München profitierte von seinen vielen Toren. Müllers Weggefährte Franz Beckenbauer behauptete sogar, all die Erfolge habe man "nur dem Gerd zu verdanken".

Mit den Bayern kam der Durchbruch

Fußball-Bundesligist FC Bayern München präsentiert sich in einer Archivaufnahme aus dem Jahr 1974 mit der in einer Saison eroberten Deutschen Meisterschale und dem Europapokal der Landesmeister, den die Mannschaft als erste deutsche in ihren Besitz bringt: Stehend (v.l): Franz Beckenbauer, Jupp Kapellmann, Conny Torstensson, Georg Schwarzenbeck, Bernd Dürnberger, Franz Roth, Gerd Müller, Paul Breitner, Uli Hoeneß und Trainer Udo Lattek.; Hockend: Rainer Zobel, Erwin Hadewicz, Viggo Jensen, Ersatztorhüter Robl, Sepp Maier, Hansen (Foto: dpa)

Mit Bayern zum ersten Mal Europapokalsieger der Landesmeister

Dabei begann seine Karriere ein wenig wackelig. Von der Jugend bis zur 1. Mannschaft spielte Müller beim TSV 1861 Nördlingen – für 160 Mark im Monat. "Nebenbei hat man sich eine Arbeitsstelle suchen müssen", erinnert er sich. "Da habe ich also von halb neun bis um halb vier Möbel getragen. In der Bundesliga ist es dann besser geworden." 1964 wechselte Müller zum FC Bayern, der damals noch in der 2. Liga spielte. Auch Lokalrivale 1860 München hatte bereits die Fühler nach dem Torjäger ausgestreckt, kam damals aber wenige Stunden zu spät. Erster Trainer Müllers bei den Bayern war Tschik Cajkovski, der den mit 1,76 Meter relativ kleinen und untersetzten Stürmer zunächst gar nicht aufstellen wollte. "Was soll ich mit einem Gewichtheber?", soll er damals scherzhaft gefragt haben. Ihm hat Müller auch einen weiteren Spitznamen zu verdanken: "Kleines dickes Müller."

Mit den Bayern schaffte Müller sofort den Aufstieg in die Bundesliga, wurde dreimal Europapokalsieger der Landesmeister, einmal Europacupsieger der Pokalsieger und je viermal Deutscher Meister und Pokalsieger. 365 Bundesligatore in 427 Spielen gingen auf das Konto Gerd Müllers, der wiederholt nicht nur national, sondern auch europaweit Torschützenkönig und Fußballer des Jahres wurde.

Sieg über den Alkohol

Ex-Fussballprofi Gerd Müller zeigt den Goldenen Fußballschuh, mit dem er als bester Spieler in der 40-jährigen Geschichte der Fußball-Bundesliga geehrt wurde (Foto: AP)

Gerd Müller wurde zum besten Spieler der ersten 40 Bundesliga-Jahre gewählt

In der Saison 1971/72 sicherte sich Gerd Müller mit 40 Toren den bis heute noch gültigen Bundesligarekord. Damals schossen die Bayern in den 34 Ligaspielen insgesamt 101 Tore und wurden Meister. Zum Vergleich: Letzte Saison reichten ihnen 72 Treffer zum Meistertitel. Seinen Torrekord in der Nationalelf hätte Müller noch ausbauen können, doch mit 28 Jahren trat er zurück – aus Protest darüber, dass die Spielerfrauen nach dem siegreichen WM-Finale 1974 vom Bankett ausgeschlossen wurden. Es folgten Jahre der nicht nur sportlichen Niederlagen: Ein Ausflug in die US-amerikanische Profiliga, schließlich der Rücktritt vom Fußball.

Müller, der im Gegensatz zu seinen damaligen Nationalmannschaftskollegen nicht die Öffentlichkeit suchte und ohne den Fußball nichts so recht mit sich anfangen konnte, hatte schließlich massive Alkoholprobleme. Franz Beckenbauer und Uli Hoeneß holten ihn zurück zum FC Bayern. "Ich habe gelitten, sehr gelitten. Und ohne die Hilfe meiner Freunde hätte ich es wohl nicht geschafft", gesteht er später nach einer erfolgreichen Entziehungskur. "Mein größter Triumph war der Sieg über den Alkohol."

Es "müllert" wieder beim FC Bayern

Thomas Müller und Gerd Müller posieren mit einem Fußball (Foto: AP)

Stürmer beim FC Bayern und der Nationalmannschaft... links: Thomas, rechts: Gerd. Alles Müller? Ja!

Heute ist Gerd Müller Co-Trainer der zweiten Mannschaft des FC Bayern, sein Vertrag läuft noch bis 2012. Mit großem Wohlwollen schaut er seit Jahren auf den Nachwuchs und vor allem auf einen: Jungstürmer Thomas Müller, der es von der zweiten in die erste Mannschaft geschafft hat und nicht nur als Torschützenkönig der Fußball-WM in Südafrika an die Tore des "alten" Gerd Müller erinnert. "Den extremen Torriecher, den der Bomber gehabt hat, kann man nicht haben. Dieses Näschen ist einmalig", wehrt Thomas die Vergleiche ab. Dennoch trägt der "kleine" Müller in der Nationalelf stolz die Rückennummer 13. Die hatte Gerd auch – beim WM-Titelgewinn 1974. "Vielleicht schnappt er mir sogar meinen Torrekord weg", schmunzelt Gerd Müller in einem Interview. "Keiner würde sich mehr darüber freuen als ich."

Autorin: Olivia Fritz
Redaktion: Stefan Nestler

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