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Kultur

"Kleine Zeitbomben" entschärft?

Der Einsatz von Kindersoldaten muss verhindert werden - darin waren sich bei einer Pariser UNICEF-Konferenz alle einig. Doch was nutzt eine Konvention, wenn die USA und Großbritannien Minderjährige in den Krieg schicken?

Kindersoldat aus Sierra Leone, Foto: AP

Einer von etwa 250.000 Kindersoldaten, die weltweit eingesetzt werden

"Ich habe Menschen mit abgeschnittenen Händen gesehen, eine Zehnjährige, die vergewaltigt wurde und daran starb, und so viele Männer und Frauen, die bei lebendigem Leib verbrannt wurden", erzählt Sarah aus Sierra Leone, die zu der Pariser Konferenz zum Schutz von Kindern in Kriegen eingeladen war – ebenso wie Ishmael Beah: "Ein Gewehr zu nehmen und jemanden zu erschießen, war so einfach wie ein Glas Wasser zu trinken", erinnert sich der heute 26-Jährige. Mit 13 Jahren wurde er von einer Miliz in Sierra Leone zwangsrekrutiert, nachdem bereits seine Mutter, sein Vater und seine beiden Brüder getötet worden waren. Er selbst musste zwei Jahre lang töten, bevor er in ein Hilfsprogramm aufgenommen wurde.

UNICEF-Direktorin Ann Veneman, Foto: AP

UNICEF-Direktorin Ann Veneman

So einen Missbrauch von Minderjährigen sollen künftig die "Pariser Prinzipien" unterbinden: Sie wurden am Dienstag (6.2.) auf der Konferenz des UN-Kinderhilfswerks UNICEF in Paris von insgesamt 58 Staaten unterschrieben und verbieten den Staaten, Kindern das Tragen von Waffen zu erlauben. Auch für den Kriegsfall verpflichteten sich die Regierungen, nach Kindersoldaten zu suchen, diese zu entwaffnen und die für ihre Rekrutierung Verantwortlichen zu bestrafen.

Weltweit 250.000 Kindersoldaten

Immer noch werden laut UNICEF weltweit rund 250.000 Minderjährige in bewaffneten Konflikten eingesetzt, als Soldaten, Spione, Träger, Köche oder Sexsklaven. Von "kleinen Zeitbomben" sprach der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy, der die zweitägige Konferenz mit organisiert hatte.

Kongolesische Kindersoldaten, Foto: AP

'Kleine Zeitbomben'? - Kongolesische Kindersoldaten

Zu den Unterzeichnern gehören neben den 27 EU-Mitgliedern zahlreiche Länder in Asien, Lateinamerika und Afrika, darunter Sierra Leone, Liberia und Kongo, in denen tausende Kinder für Kriege missbraucht wurden. Daher war der Präsident von UNICEF-Frankreich, Jacques Hintzy, auch "sehr zufrieden", dass das Problem der Kindersoldaten nicht mehr allein auf Ebene von NGOs, sondern von Staaten angegangen werde.

Keine rechtliche Bindung

Besonderes Augenmerk wurde in Paris auf Hilfen für Mädchen gerichtet, die in einigen bewaffneten Gruppierungen 40 Prozent der Rekruten ausmachen und die hinsichtlich sexueller Misshandlung besonders gefährdet sind. Knapp 100.000 frühere Kindersoldaten haben bereits an Wiedereingliederungsprogrammen teilgenommen. Doch die Programme sind oft zu kurz oder die Hilfestellung kommt zu spät, wie Konferenzteilnehmer berichteten.

Ob die Pariser Konferenz allerdings spürbare Auswirkungen auf den Einsatz von Kindersoldaten haben wird, bleibt offen, denn das Dokument ist juristisch nicht bindend. Bereits 1989 wurde eine Konvention über Kinderrechte verabschiedet, die die Rekrutierung von unter 15-Jährigen in bewaffneten Konflikten verbietet. In den "Prinzipien von Kapstadt" einigte man sich 1997 auf Entwaffnung und Wiedereingliederung von Kindersoldaten, und 2002 schließlich setzte ein Zusatzprotokoll, das bisher von 110 Staaten ratifiziert wurde, das Alter auf 18 Jahre herauf.

Vor der eigenen Haustüre kehren?

Nach einem Anschlag im Irak, Foto: AP

Auch die USA und Großbritannien schickten Minderjährigen in den Irak

Doch nicht einmal die westlichen Demokratien halten sich an diese Übereinkommen: Die britische Regierung hatte erst am Wochenende eingeräumt, dass sie seit 2003 auch 15 Minderjährige zum Einsatz in den Irak geschickt habe, ebenso wie die USA. Und in Deutschland können Minderjährige auf eigenen Antrag mit 17 Jahren zur Bundeswehr; Kampfeinsätze sind ihnen allerdings verboten. Und ausgerechnet Staaten wie Birma, die zu den am stärksten betroffenen Ländern gehören, blieben der Konferenz fern.

Auch bei den Konferenzteilnehmern selbst herrschte Zweifel an der Durchsetzungsfähigkeit der Konventionen: "Ich werde in sechs Monaten oder einem Jahr nicht an einer neuen Konferenz zu dem Thema teilnehmen", kündigte Ishmael Beah aus Sierra Leone an und forderte: "Ich will, dass etwas passiert." (ina)

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