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Fußball

Kleine Künstler und große Überraschungen

Spannend war es, das Fußballjahr 2011: In der Bundesliga setzte sich der BVB durch und holte den Titel ins Revier. Die Bayern brillierten in der aktuellen Saison und international ist Barcelona das Maß der Dinge.

Lionel Messi jubelt. (Foto: dpa)

Superstar Lionel Messi

Ein sonniger Nachmittag Ende April, es ist der 32. Bundesliga-Spieltag. Im wie immer ausverkauften Dortmunder Stadion liegen sich die Anhänger des BVB bereits längst in den Armen, als Schiedsrichter Markus Schmidt die Partie Dortmund gegen Nürnberg abpfeift und die Arena so in ein Tollhaus verwandelt. Auf den Rängen brechen bald alle Dämme, der Meisterrasen wird als Souvenir gleich meterweise mitgenommen und im Mittelkreis tanzen die Borussiaspieler um ihren Trainer Jürgen Klopp, der später etwas heiser in die Reportermikrofone sprechen wird: "Ich bin einfach nur stolz auf die Mannschaft, was sie in dieser Saison abgerissen hat. Es ist Wahnsinn!"

Dortmunds Trainer Jürgen Klopp (M) feiert den Sieg und die Deutsche Fußball-Meisterschaft mit der Mannschaft.

Der Vater des Erfolges: Trainer Jürgen Klopp wird von seinem jungen Team gefeiert.

Wahnsinnig wirkte bisweilen der Aufwand, den der frisch gekürte Deutsche Meister in der Saison 2010/2011 auf dem Platz betrieben hatte. Das BVB-Team rannte und stürmte mit Vehemenz auf das gegnerische Tor zu und die Konkurrenz staunte nicht schlecht über die Kilometer, die Dortmunds Spieler während eines Spiels zurücklegten. Deshalb lobte Jürgen Klopp, dem viele Beobachter als Motivator und Vaterfigur einen Großteil dieses überraschenden Triumphes zuschrieben, seine Spieler auch für ihre große Einsatzbereitschaft: "Man stelle sich vor, sie wären dafür nicht maximal belohnt worden. Das hätte doch alle Gesetzmäßigkeiten des Sports konterkariert."

Bayern München - Hochmut kam vor dem Fall

Aber Moment! Eine Gesetzmäßigkeit des Fußballs lautete doch bislang hierzulande: Gewinnen werden am Ende die Bayern. Jedenfalls schien dies für die Verantwortlichen in München längst zu einer Gewissheit geworden zu sein nach dem Double im Jahr 2010. So brüllte der damalige Trainer Louis van Gaal auf der Meisterfeier noch freudestrunken über den Marienplatz: "Wir sind die besten von Deutschland! Und vielleicht Europas!" Und Bayern-Präsident Uli Hoeneß ergänzte: "Wir sind halt die beste deutsche Mannschaft und immer dann, wenn es darauf ankommt, sind wir besser als die anderen."

Uli Hoeneß und Louis van Gaal (DW-Fotomontage)

Erst Freunde, dann Gegner: Uli Hoeneß und Louis van Gaal

Das schien 2011 zunächst nicht mehr zu gelten. Hoeneß beklagte sich im Frühjahr, dass der Spaß in München seit langem fehle. Was war passiert? Die erfolgsverwöhnten Bayern enttäuschten: Am Ende der Saison 2010/2011 stand nur Platz drei in der Liga, das frühe Aus in der Champions League und das Scheitern im DFB-Pokal. Hoeneß rechnete ab mit van Gaal, der gehen musste und ein typischer Bayern-Reflex trat zum Vorschein: Wenn Qualität im Kader fehlt, wird sie eben zugekauft. Für 25 Millionen Euro holten sie Nationalkeeper Manuel Neuer aus Schalke, wo er sich kurz zuvor noch mit dem Sieg im DFB-Pokal (5:0 gegen Duisburg) verabschiedet hatte.

Kein leichtes Jahr für Neuer

Es war ein in der Rückrunde seltener Moment der ungebremsten Freude für Manuel Neuer: "Ich habe es einfach nur genossen zu wissen, dass wir den Titel haben. Damit ist für mich persönlich ein Traum in Erfüllung gegangen." Denn sein Wechsel hatte zuvor sowohl auf Schalke als auch in München für Unmut bei einigen Fans gesorgt. Vielleicht musste sich der gestandene Keeper auch deshalb beim Abschied von seinem Heimatverein die eine oder andere Träne verdrücken.

Lionel Messi (unten) feiert mit Teamkollegen ein Tor gegen Real Madrid. (Foto: AP)

Lionel Messi und Barcelona dominieren den Klubfußball

Ein sportliches Abschiedsgeschenk hinterließ Neuer auch mit seinen Glanzleistungen in der Champions League. Er führte seine Schalker überraschend bis ins Halbfinale, in dem die Königsblauen dann von Manchester United regelrecht demontiert wurden (0:2 und 1:4). Doch auch Manchester fand im Finale seinen Meister und zwar in der derzeit weltbesten Klubmannschaft FC Barcelona (3:1 für Barcelona). Das in Teilen bereits seit der Jugend eingespielte Team um den argentinischen Superstar Lionel Messi gewann 2011 außer dem spanischen Pokal jeden Wettbewerb, an dem es teilnahm. Messis Marktwert schoss auf einen astronomischen Marktwert von 100 Millionen Euro.

Götze und Reus auf dem Weg zur Weltklasse?

Noch hat Deutschland keinen Spieler seiner Klasse – noch. Denn neben etablierten Stars wie Mesut Özil oder Bastian Schweinsteiger klopften 2011 auch zwei junge Talente an die Tür zur Weltklasse: Dortmunds Mario Götze und Mönchengladbachs Marco Reus. Letzterer verhalf der Borussia vom Niederrhein zu einer märchenhaften Auferstehung: Vom Beinaheabsteiger im Sommer zur Spitzenmannschaft in der aktuellen Saison 2011/2012. Vor allem dank Trainer Lucien Favre, der seinem Team taktische Disziplin und seine ganz eigene Philosophie einimpfte.

Ein Fan wird in Frankfurt von Polizisten abgeführt. (Foto: AP)

Ausschreitungen prägten das Fußballjahr in Deutschland

Doch nicht immer waren es so positive Emotionen, die der Fußball 2011 weckte. Nicht nur der subjektive Eindruck, auch die Zahlen belegten: Es gibt mehr Gewalt in deutschen Fußballstadien. Unrühmlicher Höhepunkt waren die Krawalle von Dresdener, Rostocker und Frankfurter Fans. Bei vielen Beteiligten herrschte angesichts des Vandalismus und der rohen Gewalt einiger Hooligans Ratlosigkeit, so auch bei Eintracht Frankfurts Vorstandsvorsitzendem Heribert Bruchhagen: "Wenn Menschen einfach die Gewalt suchen, dann scheinen sie sie auch zu finden". Bruchhagen forderte, gewaltbereite Fans aus dem deutschen Fußball auszugrenzen.

Versöhnlicher Abschluss für Bayern München

Zum Abschluss des Fußballjahres 2011 zeigte der deutsche Fußball dann doch wieder etwas mehr Berechenbarkeit: Herbstmeister ist – wer sonst? – der FC Bayern München und ein Bayern-Fan zeichnete nach dem letzten Saisonspiel schon mal den weiteren Saisonverlauf vor: Die Bayern holen die "Deutsche Meisterschaft, den DFB-Pokal- und werden Champions League-Sieger. Aber mit solchen Aussagen lagen ja schon ganz andere daneben…

Autor: Joscha Weber

Redaktion: Stefan Nestler

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