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Europa

Kleinarbeit der MH17-Ermittler geht weiter

Fast vier Monate nach dem Absturz der Malaysian-Airways-Maschine über der Ukraine wird immer noch nach den Ursachen geforscht. Kitty Logan hat die Ermittler begleitet.

Die niederländische Bergungsmannschaft hat eine ebenso grauenvolle wie akribische Aufgabe: Sie muss sich ganz langsam durch die verkohlten Wrackteile des abgestürzten Flugzeugs arbeiten und versuchen, Überreste von Leichen oder persönliche Gegenstände zu finden. In einer Reihe durchkämmen die Bergungsleute das Absturzgebiet, bis einer von ihnen die Hand hebt, um zu zeigen, dass er möglicherweise etwas Wichtiges gefunden hat. Dann beginnt eine sorgfältige Untersuchung mit den Fingerspitzen.

In den vergangenen Tagen wurden fünf Leichen gefunden, knapp vier Monate nach dem

Absturz der Maschine am 17. Juli

. Es werde schwierig werden, die noch neun vermissten Personen zu finden, so die niederländische Regierung. Dennoch geht die Suche weiter. Die meisten der 298 Passagiere und Besatzungsmitglieder von MH17 waren Niederländer.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in der Ukraine hilft den niederländischen Bergungsleuten, Zugang zu der Absturzstelle zu bekommen. "Natürlich besteht immer noch Hoffnung, dass die sterblichen Überreste weiterer Menschen gefunden werden, so dass noch mehr Menschen identifiziert und ihre Leichen den Angehörigen übergeben werden können", so Alexander Hug, der stellvertretende Leiter der OSZE-Beobachtungsmission in der Ukraine gegenüber der Deutschen Welle. "Danach müssen nur noch die Wrackteile entfernt werden."

Trümmer liegen immer noch dort, wohin sie hingefallen sind

Flugzeugtrümmerteil am Straßenrand Foto: DW/K. Logan

Teile liegen über mehrere Quadratkilometer verstreut

Diese Arbeit dürfte in den kommenden Tagen und Wochen beginnen. Die meisten Wrackteile liegen über mehrere Quadratkilometer verteilt auf den Feldern, noch genau dort, wohin sie aufgeschlagen sind: Sitze, Sauerstoffmasken, Triebwerks- und Fahrwerksteile, sogar das Seitenruder.

Die Stelle, wo der Hauptteil des Flugzeugs aufgeschlagen ist, riecht immer noch nach verbranntem Kerosin. Der Ort ist verlassen, windgepeitscht und kalt. Anwohner haben Teddybären an Wrackteilen abgelegt, als Zeichen der Trauer um die toten Kinder. Am Straßenrand liegt ein Kranz.

Ziemlich spät haben die Ermittler Schilder aufgestellt, um die Absturzstelle zu schützen. Auf Zetteln, die sie an nahegelegene Telegrafenmasten geheftet haben, bitten sie die Anwohner um mögliche Informationen. Doch die meisten Menschen hier sind diesen internationalen Zwischenfall leid, der ihr Leben und ihr Dorf so sehr verändert hat.

Die endgültige Aufklärung könnte ein Jahr dauern

Die

Angehörigen der Opfer

suchen weiter verzweifelt nach Antworten. Ein vorläufiger Bericht der niederländischen Flugsicherungsbehörde deutete an, dass die Maschine von Bruchteilen getroffen wurde und dadurch auseinanderbrach. Fachleute glauben, diese Teile könnten von einer Boden-Luft-Rakete stammen.

Denkmal mit Kranz Foto: DW/K. Logan

Gedenkstein für die Getöteten

Die Untersuchung könnte noch ein ganzes Jahr dauern. Doch bereits jetzt hat die private Ermittlungsfirma Bellingcat ihren eigenen Untersuchungsbericht vorgelegt, der sich auf Fotos und Videos in den sozialen Medien stützt. In diesem Bericht heißt es, es gebe Indizien, dass sich zum Zeitpunkt des Absturzes ein russischer Raketenwerfer in dem Gebiet befunden habe.

"Es ist klar, dass die Russen den Separatisten ein Flugabwehrraketensystem vom Typ Buk geliefert haben, das am 17. Juli in einem Gebiet nahe der Absturzstelle gefilmt wurde", sagt Eliot Higgings von Bellingcat der Deutschen Welle. "Doch letztlich ist es Sache der offiziellen Ermittler herauszufinden, von wo die Rakete abgefeuert wurde", so Higgings. "Hoffentlich werden sie das mithilfe von Informationen tun können, die in der Öffentlichkeit nicht bekannt sind."

Einige dieser Informationen sind Radarbilder vom Tag des Absturzes; sie könnten dabei helfen, herauszufinden, was wann und von wo abgefeuert wurde. Hinweise vom Absturzort sind ebenfalls wichtig, doch die Ermittler haben immer noch Schwierigkeiten, an alle Stellen heranzukommen. Artilleriefeuer von beiden Seiten hallt aus nur kurzer Entfernung über das Gelände. Die Bergungsmission könnte noch eine ganze Weile dauern.

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