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Kultur

Klein, aber offenbar fein

Der Zeitungsmarkt in Europa setzt auf klein und handlich, so genannte Tabloids. Großbritanniens Boulevardpresse ist das Vorbild für Experimente der seriösen Presse im Kleinformat. In Deutschland ist "Die Welt" mit dabei.

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Einfacher zu handhaben:
"Die Welt" im Kleinformat


"Die Welt" macht Deutschlands Zeitungsmachern vor, wie es auch gehen kann: Statt ausschließlich großformatiger Ausgaben ist jetzt auch "Welt kompakt" im Umlauf. Testmarkt ist Berlin. Die Kleinformate sind durchaus attraktiv, vor allem bei Leuten, die die Zeitung nicht am Frühstückstisch, sondern in überfüllten Straßenbahnen, Bussen oder U-Bahnen lesen. "Die Welt" ist die erste deutsche Tageszeitung von Rang und Namen, die eine Ausgabe in Quasi-A3-Format herausbringt und die damit über eine psychologische Hemmschwelle springt.

Das Wort "Tabloid" (englisch für "kleinformatige Zeitung") hat im allgemeinen ein negatives Image. Denn traditionell erschienen immer nur die Boulevardzeitungen - also der Inbegriff für Sensationsmeldungen, Paparazzifotos und fette Überschriften - im Kleinformat. Seriöse Zeitungen sind dagegen von ganz anderem Kaliber: größer, mit mehr Platz für Hintergrundberichte, Analysen und Kommentare. Aber das sind offenbar alles Argumente von gestern. Der Erfolg der kleinen Qualitätsausgaben im Ausland macht auch Deutschlands Verlegern Mut.

Kleinformate in Europa

Der in London erscheinende "Independent" hat seit sieben Monaten eine Kompaktversion im Angebot. Inzwischen läuft die Kleinausgabe derart erfolgreich, dass das Verlagshaus entschieden hat, in Zukunft ganz auf das Großformat zu verzichten. "The Times" und "Daily Telegraph" sind ebenfalls dabei, ihre Kleinausgabe den Lesern schmackhaft zu machen. Spanien hat sich bereits 2003 von seinen letzten großformatigen Zeitungen verabschiedet. In Skandinavien ist mehr als die Hälfte aller Zeitungen nur kleinformatig zu erhalten. Österreich, die Schweiz, Belgien und die Niederlande finden ebenfalls die Kleinformate zunehmend attraktiv.

"Die Welt" experimentiert

Die Herausgeber der "Welt Kompakt" sind felsenfest davon überzeugt, dass ihr Blatt lediglich von der Größe her ein "Kleinformat" sei. Die Zeitung, die nur 60 Cent kostet ("Die Welt" dagegen 1,30 Euro), ist nicht ein kleinformatiger Abklatsch der großen Mutter, sondern bietet eigenständige Geschichten an. "Es ist eine unabhängige Zeitung mit eigenständigen Inhalten", sagt Jan Eric Peters, Chefredakteur von "Welt Kompakt". "Während 'Die Welt' ihre Stärken in der Analyse und Hintergrundinformation hat, setzt 'Welt Kompakt' auf einen kompetenten Rundumschlag tagesaktueller Nachrichten." Deshalb arbeiten die Autoren und Reporter von "Welt Kompakt" auch bis kurz vor Mitternacht, um aktueller zu sein als die Konkurrenz.

Außerdem hat die Zeitung mehr Fotos und insgesamt mehr Farbe als das Mutterblatt. So sollen Leser angelockt werden, die keine klassischen Zeitungsleser sind. Vorerst gibt es "Welt Kompakt" allerdings nur an den Zeitungskiosken in Berlin. Der Axel-Springer-Verlag wollte das Format ursprünglich in Düsseldorf testen, hat sich dann aber doch dafür entschieden, den heiß umkämpften Zeitungsmarkt von Deutschlands Hauptstadt herauszufordern. "Berlin ist der Markt mit den meisten etablierten Zeitungen und einer großen Anzahl von Nicht-Lesern", so der Chefredakteur. "Hier zeigt sich am besten, ob und wie die Zeitung ankommt."

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