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Bildung

Klein, aber mein - Wie Studenten wohnen

Wohnheimzimmer, Hotel Mama oder die erste eigene Wohnung mit der großen Liebe? Rund 2,2 Millionen Studierende gibt es in Deutschland. Und die wollen nicht nur studieren, sondern auch wohnen. Bezahlbar und campusnah.

Ein Paar sitzt mit Umzugskartons über dem Kopf auf dem Boden einer Wohnung (Foto: fotolia/Ilike)

Ein Waschbecken, ein Schrank, ein schmales Bett und ein großer Arbeitstisch. Mehr Mobiliar passt nicht in den kleinen Raum. Die Serbin Tijana Milunovic wohnt auf bescheidenen elf Quadratmetern. Vermittelt wurde ihr das Wohnheimzimmer vom Kölner Studentenwerk. "Als ich zum ersten Mal hier reinkam, war ich total schockiert", erinnert sich die 25-Jährige. "Die Möbel sind uralt, und alles war sehr schmutzig." Doch die patente junge Frau ließ sich nicht entmutigen. Sie kaufte Putzmittel und brachte ihr neues Zuhause auf Vordermann.

Kasernenstil war gestern

Die Serbin Tijana Milunovic liest auf dem Bett in ihrem Kölner Wohnheimzimmer (Foto: DW / Suzanne Cords)

Tijana Milunovic in ihrem kleinen Wohnheimzimmer

Die junge Serbin hatte Pech. Sie ist in einem der selten gewordenen alten Wohnheime im Kasernenstil gelandet. Ein langer Flur, links und rechts gehen die kleinen Zimmer ab, das Gemeinschaftsbad befindet sich auf dem Flur. Heute werden Studentenwohnheime anders konzipiert. Die Studenten wohnen in der Regel wesentlich komfortabler, meist in kleinen Wohngemeinschaften mit drei oder vier Mitbewohnern.

Einzelzimmer sind in Wohnheimen eher selten geworden, bestätigt die Pressesprecherin des Kölner Studentenwerks Cornelia Gerecke: "Bei uns gibt es komplett eingerichtete Küchen, Bäder und Balkone fast für alle." Neugebaute Zimmer müssten mindestens 17 Quadratmeter groß sein. "Das gibt das Bundesland Nordrhein-Westfalen so vor", sagt Gerecke. Wegen der hohen Fluktuation werden die Wohnheime regelmäßig saniert. Die Durchschnittswarmmiete beträgt um die 230 Euro. So billig findet man auf dem freien Wohnungsmarkt keine Bleibe.

Am liebsten campus- und kneipennah

Das Wohnheim Otto-Fischer-Straße in Köln (Foto: DW / Suzanne Cords)

Campusnah: das Wohnheim Otto-Fischer-Straße in Köln

86 Wohnheime gibt es in Köln, recht wenig für eine Stadt mit 64.000 Studierenden. Nur 7,2 Prozent der Studierenden in der Domstadt kommen dort unter. Im bundesweiten Vergleich ist Köln damit Schlusslicht. "Auch wir hätten natürlich ganz gerne noch mehr Wohnheime", betont Cornelia Gerecke, "aber leider Gottes fehlt es uns an Grund und Boden in der Innenstadt, und ohne Grund und Boden können wir keine neuen Wohnheime bauen." Ein Standort ein paar Kilometer außerhalb, so ihre Erfahrung, ist nicht allzu attraktiv. Die Studierenden möchten am liebsten campus- und kneipennah untergebracht sein. Wer also einen der begehrten Wohnheimplätze ergattern will, sollte sich möglich früh online bewerben, ist der Rat der Expertin.

Eine akute Wohnungsnot wie Ende der 1980er, Anfang der 90er Jahre, als Studenten notgedrungen sogar in Wohncontainern Unterschlupf suchen mussten, gibt es zwar heute nicht mehr. Von einer entspannten Wohnsituation kann aber vor allem in beliebten Universitätsstädten wie München, Hamburg oder Köln keine Rede sein. Denn der Studentenberg wächst. Ab dem Wintersemester drängen besonders viele Neue an die Hochschulen, weil in Niedersachsen und Bayern wegen der verkürzten Gymnasialzeit gleich zwei Jahrgänge auf einmal Abitur machen und der Wehrdienst in Deutschland seit diesem Sommer wegfällt. Das bekommt auch das Studentenwerk in Köln zu spüren.

Andrang am Infopoint

Die Pressesprecherin des Kölner Studentenwerks Cornelia Gerecke (Foto: DW / Suzanne Cords)

Cornelia Gerecke versucht, für jeden das Passende zu finden

Zugeteilt werden die Plätze am Infopoint des Kölner Studentenwerks. Kurz vor Semesterbeginn herrscht hier immer lebhafter Andrang. "In eine WG zu ziehen, sei es privat oder im Wohnheim, ist auf jeden Fall das Beste, was man als Student machen kann", meint der iranische Student der Ingenieurswissenschaften, Assad, der in der Menge wartet. "Das ist deutlich billiger." Der 23-Jährige hat Glück, er kann nächste Woche in eine Wohngemeinschaft im Wohnheim Otto-Fischer-Straße einziehen. Auch Johannes sucht ab Oktober eine Bleibe. Frustriert verlässt er das Beratungsbüro des Studentenwerks. "Das klappt nicht mit einem Wohnheimzimmer", sagt er. "Man muss wohl erst mal auf eine längere Warteliste."

Für Neuankömmlinge aus dem Ausland gibt es bei den Studentenwerken einen speziellen Service. Spezielle Ansprechpartner in der Wohnheimabteilung kümmern sich um ihre Sorgen und Nöte. Außerdem gibt es spezielle Programme, um die Integration zu erleichtern, zum Beispiel die Betreuung durch Wohnheimtutoren. "37 Prozent unserer Wohnheimbewohner sind ausländische Studierende", sagt Pressesprecherin Cornelia Gerecke. "Aber wir versuchen auf jeden Fall, in einem Wohnheim auch immer eine gute Mischung zu haben."

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