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Amerika

Kleidung für alle Kaliber

Seine Kunden sind Prinzen, Präsidenten, Prominenz. Beim Kolumbianer Miguel Caballero kommen Sicherheitsbewusste ganz auf ihre Kosten – er stellt kugelsichere Mode her: Für jeden Kunden, für jeden Wunsch.

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Seine Kollektion geht vom T-Shirt bis zum Trenchcoat, von Business- über Outdoor- bis hin zu Abendmode. Seine Schneider haben schon einen kugelsicheren Kimono aus Seide, eine schussfeste Soutane, kugelsichere Rucksäcke, Krawatten und kugelsichere Unterwäsche gezaubert.


Diskretion und Understatement Teil des Geschäfts


Im Geschäftsviertel im Norden von Kolumbiens Hauptstadt Bogotá: Hinter dem mit Hochsicherheitsstahltüren und Stacheldrahtverhau gesicherten grauen Eckhaus würde man alles, am wenigsten aber eine Kleiderfabrik vermuten. Eher schon eine Detektei oder eine Wach- und Schließgesellschaft Wenn nicht das große Schild der schwungvolle Schriftzug zieren würde: "Miguel Caballero". Kolumbiens Mann für große Kaliber verwahrt hier seine Schätze hinter Schloss und Riegel. Denn die Geschäftsidee brachte dem 40jährigen Unternehmer, Textildesigner und Betriebswirt in den vergangenen Jahren zweistellige Zuwachsraten, 2008 einen Dollarmillionenbetrag Umsatz und einen erlesenen Kundenkreis rund um die Welt ein. Vor dreizehn Jahren soll Caballero – spanisch: "Kavalier" – mit einem Startkapital von zehn Dollar seine Modefirma aufgebaut haben. Heute gehört er zu einem weltweit kleinen Kreis von Couturiers, die schusssichere Mode herstellen. Nichts von der Stange, dafür aber exklusive gepanzerte Mode, nach Maß.


Kugelsichere Mode aus Kolumbien

Er steckt hinter der Geschäftsidee: Firmenchef Miguel Caballero

Farben und Stoffe ganz nach der Wahl des Kunden


Die Kreationen des Kolumbianers sind auf den ersten Blick von gewöhnlicher Straßenkleidung nicht zu unterscheiden. Nur, dass Einlagen aus Werkstoffen wie Nylon, Aramid oder Polyethylen es den 300 bis 3.000 Dollar teuren Einzelstücken erlauben, die Energie eines Projektils aus einer Schusswaffe aus nur wenigen Metern Entfernung vollkommen zu absorbieren. "Bei uns können die Kunden aus verschiedenen Materialien wie Stoff, Leder oder auch Wildleder wählen und in ihren Lieblingsfarben", erklärt die rechte Hand des Gebieters über heute 130 Beschäftigte, die Verwaltungsmanagerin Jacqueline Jaimes. Klärt aber gleich auf: "Was wir nicht machen ist, dass ein Kunde ein Kleidungsstück zu uns bringen und sagen kann: ‚Können Sie es bitte panzern?' Nicht hier. Wir fertigen nur nach Maß."


Nach 2001: Wachstumsbranche schusssichere Mode


"Seit den Anschlägen vom 11.9.2001 wächst die Nachfrage nach solcher Kleidung gewaltig", verrät der Firmengründer selber. Oberstes Gebot, so der CEO, sei, dass man es der Kleidung nicht ansehe. In Caballeros Reich hat man deshalb alle Hände voll zu tun. Auf zwei Etagen entwerfen Designer an Computermonitoren. An den surrenden Nähmaschinen sitzen meist Frauen. In der Kundenkartei des kolumbianischen Modemannes finden sich Staatspräsidenten wie die Staatschefs Kolumbiens, Venezuelas oder Brasiliens. Oder Thronfolger. Unter Caballeros Kunden sind Spaniens Prinzenpaar Leticia Ortiz und Ehegatte Felipe von Asturien – aber auch Manager, Minister, Millionäre und selbst Hollywood-Stars wie US-Action Schauspieler Steven Segal kaufen bei ihm ein. Rund 20.000 Maßanfertigungen produzierte "Miguel Caballero High Security Fashion" – zu deutsch: "Miguel Caballero Hochsicherheitskleidung" – im vergangenen Jahr. Acht von zehn Stücken werden exportiert. Die größten Märkte sind Russland, Mexiko, Brasilien, die USA. In Westeuropa liegt Spanien an der Spitze.

Firmengebäude Caballeros für kugelsichere Mode aus Kolumbien

Schon auf dem Firmengelände spielt Sicherheit eine große Rolle

Ziele für die Zukunft

Autorisierte Händler vertreten die Marke auf allen fünf Kontinenten. Anfang 2007 eröffnete die Firma - die erste Boutique für Hochsicherheitskleidung: In Mexiko-Stadt. Weitere – auch in Europa – sollen folgen. Für die Qualität von Caballeros Kreationen mit den lebensrettenden Einlagen bürgen verbindliche, strenge US- und europäische Herstellungsnormen. Doch vor Auslieferung der Kleidungsstücke überzeugt man sich in der Fabrik, gleich einem Ritual, am besten selber, dass die Entwürfe halten, was der Hersteller verspricht. Auf ein Duplikat der handgearbeiteten Haute Couture wird aus kürzester Entfernung gefeuert – nicht selten greift der Chef selbst zur Waffe. Verwaltungschefin Jaimes erklärt ihren Erfolg so: "Wir möchten, dass unsere Kleidung verhindert, dass Menschen sterben. Doch unsere Kunden sollen sich darin doppelt wohl fühlen. Sie sollen die Sicherheit haben: Damit kann mir nichts passieren. Und sie sollen die Mode gerne tragen, weil
sie zu der anderen Kleidung passt, die die Kunden sonst tragen." Caballeros Vision ist es, demnächst eine Boutique in Paris zu eröffnen. Nach seiner von Erfolg gekrönten Unternehmerkarriere dürfte das: Alles andere als ein Problem sein.

Autor: Patricio Luna

Redaktion: Daniel Scheschkewitz