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Gastkommentar zur Weltklimakonferenz

Klaus Töpfer: Hört auf die Hilfeschreie aus Fidschi!

Inselstaaten aller Welt, vereinigt Euch! Die Klima-Konferenz in Bonn symbolisiert die Zusammenarbeit zwischen Verursachern und Opfern des Klimawandels, meint der ehemaliger Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms.

Die Hilfeschreie der kleinen Inselstaaten waren es, die vor zwei Jahren bei der Klimakonferenz in Paris zu einem Durchbruch bei den Verhandlungen geführt haben. Nun richtet einer dieser Inselstaaten, die Fidschi-Inseln, die UN-Klimakonferenz 2017, die 23. Conference of the Parties, kurz: COP23 aus - in der UN-Stadt Bonn.

Diese Zusammenarbeit zwischen den Fidschi-Inseln und der Bundesrepublik Deutschland hat einen hohen Symbolwert, denn sie steht für die Zusammenarbeit zwischen Verursachern und Hauptbetroffenen des Klimawandels. Ein weiteres Zeichen dafür: Der im August verstorbene ehemalige Außenminister der Marschall-Inseln, Tony de Brum, wurde mit dem Ehrenpreis des Deutschen Umweltpreises ausgezeichnet. Mit bewegenden Worten hat seine Tochter diese Auszeichnung entgegengenommen. Mit den Worten ihres verstorbenen Vaters beschwor sie jeden Einzelnen so zu handeln, dass die Ozeane erhalten bleiben und der Klimawandel auf einen Temperaturanstieg von 1,5 Grad begrenzt wird.

Die Ziele von Paris auch realisieren

Genau darum geht es bei COP23 in Bonn: Nach der Einigung auf die Ziele gilt es nun, einen solidarischen Kraftakt zur Realisierung der global akzeptierten Klimastrategie zu unternehmen. Nämlich alle Bemühungen darauf zu konzentrieren, den prognostizierten Temperaturanstieg von zwei Grad möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Manche mögen angesichts der aktuellen Umbrüche in der Weltpolitik, vor dem Hintergrund zunehmender ideologischer Aggressivität und rücksichtsloser militärischer Gewalt die Hoffnung auf diese globale Zusammenarbeit aufgegeben haben. Aber: Resignation und Pessimismus haben noch nie ein Problem bewältigt, sondern es stets verschärft.

Viele Gründe sprechen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit in der Klimafrage: An erster Stelle stehen die technologischen Möglichkeiten, Energie wettbewerbsfähig mit erneuerbaren Energien zu erzeugen. Aber auch massive Steigerungen der Energieeffizienz und der Ausbau der wissenschaftlichen, finanziellen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit sind Anreize.

Hinzu kommt das wachsende Bewusstsein, dass ein Misserfolg massive negative Folgen für alle haben wird. Die Notwendigkeit, durch gesellschaftliche Stabilität und wirtschaftliche Perspektiven Fluchtursachen wirksam zu mindern, zeigt zugleich, dass es nicht Träumer sind, die einen "Lawinen-Effekt" gegen den Klimawandel konkret erwarten: einen sich ständig selbst verstärkenden Investitionsschub in eine CO2-ärmere, wo immer möglich CO2-freie wirtschaftliche Zukunft - kurz: in die Realisierung einer nachhaltigen Welt.

Friedliche Entwicklung nur mit Schutz der Umwelt

Die 17 Nachhaltigkeitsziele, die sogenannten "Sustainable Development Goals", und das Pariser Abkommen von 2015, das von allen Nationen in der Vollversammlung der UN angenommen wurde, benötigen zu ihrer Realisierung einen erfolgreichen Kampf gegen den Klimawandel. Umwelt und Entwicklung wurden bereits bei der Rio-Konferenz 1992 als globale Herausforderung erkannt. Eine erfolgreiche Verbindung zwischen Umwelt und Entwicklung ist die Grundlage für eine friedliche Welt mit neun Milliarden Menschen - die Welt unserer Kinder und Enkel.

Die rund 900.000 Einwohner der Fidschi-Inseln und die vielen Tausenden, ja Millionen Menschen auf den kleinen Inseln einerseits und an den Küsten der Weltmeere andererseits, die Menschen in den von Wüstenbildung bedrohten Regionen - sie alle werden diese Konferenz der Fidschi-Inseln in Bonn mit viel Hoffnung verfolgen. Die Verhandelnden und Handelnden sollten sie nicht enttäuschen.

 

Klaus Töpfer, 79, ist einer der bekanntesten deutschen Umwelt- und Klimaschutzexperten. Beim Umweltgipfel in Rio de Janeiro 1992 trug er als Bundesumweltminister entscheidend zur Entstehung der UN-Klimakonvention bei. Von 1998 bis 2005 war er Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms in Nairobi. 2009 gründete er das Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam. Heute arbeitet er für den Think Tank TMG in Berlin.

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