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Kultur

Klaus Staeck: Kunst ist immer Risiko

Der Spagat zwischen Kunst und Politik ist riskant, Klaus Staeck hat ihn gewagt. Kaum ein weiterer hat so viel Energie auf den Versuch verwendet, Kunst und Politik miteinander zu verbinden.

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Bissig: "Visit America" (2001)

Neben Joseph Beuys ist der 1938 geborene Staeck der politischste Künstler der deutschen Nachkriegszeit. Beuys war der Schamane der Aktionskunst, Staeck ist sein bodenständiges Doppel. 1968 hatten sich die beiden kennengelernt, als Beuys in Staecks Edition eine Postkarte herausgab. 18 Jahre dauerte ihre Freundschaft an, die auch immer wieder Zusammenarbeit bedeutete. Gemeinsam hatten Beuys und Staeck im Jahre 1973 die "Freie Hochschule für Kreativität und interdisziplinäre Forschung" gegründet. "Jeder Mensch ist ein Künstler" war die Botschaft, die hinter dieser Unternehmung stand, und für Staeck noch viel mehr als für Beuys die Möglichkeit bedeutete, die Politik in die Kunst hineinzutragen.

"Der klassische Einmischer"

Seinen Standpunkt innerhalb der deutschen Kunst-Szene verortet er mit den Worten: "Der klassische Einmischer, das ist meine Professionalität." Staecks Karriere als Plakatmacher begann in den 60er Jahren - inspiriert von den Fotomontagen John Heartfields - mit einem Blatt gegen die NPD. Es zeigt ein Fallbeil, an einem Strick aufgehängt. Seine berühmteste Fotomontage ist jedoch das Plakat

Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen

"Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen" (1972)

"Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen", eine Einmischung im Wahlkampf 1972. In einer Auflage von 70.000 Exemplaren wurde das Plakat verbreitet. Zu dieser Zeit wurde er auch von seinem Hauptfeind, den Christdemokraten, in die ersten Prozesse verwickelt.

Mitunter verdankt der ehemalige Rechtsanwalt seine Bekanntheit in starkem Maße seinen politischen Gegnern. 41 Mal wurde bislang vergeblich versucht, seine Arbeiten zu verbieten. Ein 42. Strafanzeige wurde erst vor kurzem erstattet. Während die Premiere von Rolf Hochhuths Bühnenstück "Der Stellvertreter" am Berliner Ensemble im September für wenig Furore sorgte, erregte das Theaterplakat umso mehr Aufsehen. Es zeigt Papst Pius XII., auf einem

Klaus Staeck, Der Stellvertreter, Erscheinungsdatum: 2001

"Der Stellvertreter" (2001)

Garderobentischchen thronend, darunter ein runder Teppich mit Hakenkreuz. Ein entrüsteter Bürger ließ seinem Unmut Luft und erwirkte beim Landeskriminalamt Berlin Strafanzeige. Staeck kommentiert solche zusätzliche Publicity trocken: "Die Prozesse haben immerhin wesentlich zur Verbreitung meiner Ideen beigetragen."

Nach den Anschlägen am 11. September überlegte Staeck im "Spiegel" laut, ob er sein Bush-Plakat "Visit America - Home of the Climate Killers" vorerst zurückziehen sollte. Greenpeace hatte die Fotomontage mit dem Konterfei des amerikanischen Präsidenten während der letzten Weltklimakonferenz in Bonn angeschlagen. Die Entscheidung gegen einen Rückzieher begründet er mit der Feststellung, dass die Aussage seines Plakats nach dem Bombenterror nicht verfälscht sei. Eine Entscheidung, die Mut erfordert in Zeiten, in denen jegliche Kritik an den USA als "Antiamerikanismus" angeprangert wird.

Sand im Getriebe der Bundesrepublik

Staecks jüngste Tat war keine künstlerische, sehr wohl aber eine politische. Gemeinsam mit dem Publizisten Johanno Strasser initiierte er in der von ihnen begründeten "Aktion für mehr Demokratie" einen Aufruf an die rot-grüne Bundesregierung, unterzeichnet von prominenten Künstlern und Gewerkschaftern. Es sei notwendig, heißt es darin,

Klaus Staeck, Nord-Süd-Konferenz, Erscheinungsdatum: 1979

"Nord-Süd-Konferenz" (1979)

"dem dominanten Neoliberalismus und der schleichenden Militarisierung in Theorie und Praxis" entgegenzutreten. Einmal mehr tritt der unbequeme Grafiker damit für die Verteidigung sozialstaatlicher Traditionen ein, ein Thema, das in seiner Arbeit immer zentral war.(cg)

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