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Deutschland

Klassikkonzerte für Schwangere ganz entspannt

Live-Musik von Bach, eine Tasse Wellnesstee und Yoga - das alles darf man auf einer Matte in der Tonhalle Düsseldorf genießen. Die Voraussetzung für den Einlass - man sollte zu zweit kommen mit einem Baby im Bauch.

Bequem und entspannt - beim Schwangeren-Konzert in der Düsseldorfer Tonhalle (Foto: Susanne Diesner)

Bequem und entspannt - beim Schwangeren-Konzert

Seit über einem Vierteljahrhundert versammeln sich Musikfreunde in der Düsseldorfer Tonhalle, die für ihre hervorragende Akustik und raffinierte Innenbeleuchtung bekannt ist. Violine und Harfe fallen auf der Bühne des kleineren Konzertsaals im Foyer des ehemaligen Planetariums kaum auf. Das erste, was den Blick des Besuchers diesmal auf sich zieht, sind viele bunte Matten und Kissen auf der Bühne und in den ersten Reihen. So sieht es hier vor einem so genannten Ultraschall-Konzert aus. Was sich dahinter verbirgt, versteht man spätestens beim Eintreffen der ersten Besucherinnen. Denn alle 25 Frauen sind werdende Mütter und kommen mit einem noch ungeborenen Publikum in die Tonhalle.

Bequemer Genuss

Klassik einmal anders im Foyer des ehemaligen Planetariums (Foto: Susanne Diesner)

Klassik einmal anders im Foyer des ehemaligen Planetariums

Konzertpädagogin Ariane Stern und ihre Kollegen von der Tonhalle Düsseldorf versuchen die optimalen Bedingungen für den Musikgenuss zu schaffen. Vielen Frauen fallen im Verlauf der Schwangerschaft manche Dinge schwerer. Auch das lange Sitzen auf einem normalen Stuhl ist nicht mehr besonders angenehm, erklärt Stern: "Wir haben gesagt, wenn wir Konzerte für Schwangere machen, dann müssen die sich auf jeden Fall dabei wohl fühlen." Unter der grünen Kuppel der Tonhalle können sie sich darum hinsetzen oder -legen, in eines der großen Kissen kuscheln und die Position einnehmen, in der sie und ihr Baby das Konzert am besten genießen können, so Stern.

Für Entspannung sollen auch der Wellnesstee im Eingangsbereich und die Yoga-Übungen vor dem Konzert sorgen. Sogar die wenigen werdenden Väter machen etwas unsicher, aber gehorsam, mit. Eigentlich sei Yoga nicht ganz seine Welt, gibt Torsten Wagener zu, der seine Ehefrau Simone zum Konzert begleitet. Für seine Geduld wird er aber im Anschluss mit der Musik von Bach, Tournier, Spohr, Saint-Saens, Tedeschi und Dvorak belohnt. Das Ganze wird vom Instrumenten-Duo Harfe und Violine präsentiert.

Ein bisschen Yoga vor dem Klassik-Konzert (Foto: Susanne Diesner)

Ein bisschen Yoga vor dem Klassik-Konzert

Intimität auf dem Programm

Die Soloharfenistin der Düsseldorfer Symphoniker Sophie Schwödiauer hat zu den Ultraschall-Konzerten ein besonderes Verhältnis. Immerhin ist sie noch vor einem Jahr als Schwangere aufgetreten und hat später als Zuhörerin mit ihrem Baby im Bauch das Konzert auf der Matte erlebt.

"Es ist ganz besonders, eine andere Atmosphäre, sehr ruhig, es herrscht nicht diese Spannung, wie sonst im Konzertsaal", sagt die Musikerin. "Die Entspannung der Schwangeren steckt ein bisschen an. Es herrscht teilweise eine ganz enge Stille, es ist alles viel intimer", sagt Sophie Schwödiauer.

Erstes Familienkonzert noch vor der Geburt

Ob die Musik eine fördernde Wirkung auf die Ungeborenen hat, ist unter Wissenschaftlern umstritten. Sicher ist aber, dass ein Fötus schon im vierten Schwangerschaftsmonat ganz gut hören kann. Dabei reagieren Babys im Bauch mitunter deutlich auf die Geräusche und Klänge der Außenwelt. Spezielle Musik für Schwangere findet man mittlerweile in fast jedem Musikladen. Live-Angebote sind bisher eher selten.

Simone Wagener fand den Effekt des Konzerts auf ihre Tochter, die im April zur Welt kommt, buchstäblich spürbar: "Sie hat am Anfang geschlafen, ist später dann doch wach geworden und war recht munter. Zum Schluss, als die Musik kräftiger wurde, wurde mein Baby auch aktiver. Das war ganz schön."

Auch die 31-jährige Ramona Beckmann deutet die Reaktionen ihres Babys im Bauch als durchaus positiv: "In den Pausen hat es getreten, nach dem Motto 'noch mehr!', würde ich denken." Die werdende Mutter bedauert, dass sie sonst so selten zu Klassik-Konzerten geht. Dafür konnte ihr Baby nun schon im Bauch sein erstes Mal erleben. Das ist zwar keine Garantie für ein zukünftige Musikgenie, ist aber für das Baby trotzdem ein kleiner Segen, weil Mama entspannt und zufrieden ist.

Autorin: Tetyana Bondarenko

Redaktion: Klaudia Prevezanos