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Reise

Klassik-Festivals in Deutschland

Im Sommer werden Schlösser, Parks und Plätze zu Freilichtbühnen für renommierte Solisten und Orchester. Wir haben ein paar Tipps, welche Veranstaltungen sich in diesem Jahr besonders lohnen.

Motiv Gut Altenhof, abends

Klassik-Festivals in Deutschland Gut Altenhof

Die klassische Musik ist wesentlich von deutschen Komponisten geprägt worden. Johann Sebastian Bachs "Wohltemperiertes Klavier" etwa gilt als Meisterwerk des Kontrapunkts, Ludwig van Beethoven ist der meistverkaufte Klassikkünstler und nirgends auf der Welt gibt es so viele Orchester, Chöre und Opernhäuser wie in Deutschland.

Es überrascht daher kaum, dass auch die Liste der Klassik-Festivals hierzulande unüberschaubar lang ist. Wo finden Deutschlandbesucher musikalische Großereignisse? Wo gibt's intime Konzerte vor traumhafter Kulisse?

Vom Konzertsaal bis zum Kuhstall

Der Kuhstall in Pronstorf (innen)

Der Kuhstall in Pronstorf

Nicht wegzudenken aus der Klassik-Festivallandschaft ist das Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF), das in diesem Jahr schon zum 28. Mal stattfindet. Im Juli und August werden 118 Konzerte an 66 Spielstätten präsentiert. "Bewegend baltisch" lautet diesmal das Motto und widmet sich Musikern und Komponisten aus Estland, Lettland und Litauen.

"Beim SHMF werden dieses Jahr sicherlich Namen wie Fazil Say, Martin Grubinger, Till Brönner mit Sergei Nakariakov sowie Gidon Kremer für Furore sorgen", sagt Andrej Bielow, Violinist und selber ein gefragter Festivalgast. "Unter den Orchesterkonzerten sind die mit Christoph Eschenbach und Valery Gergiev absolute Highlights." Neben etablierten Bühnen werden auch ungewöhnliche Orte bespielt, etwa der Kuhstall in Pronstorf. Das 1845 erbaute Gebäude diente bis vor wenigen Jahren tatsächlich noch der Landwirtschaft, beim SHMF kann man hier unter anderem die Bratscherin Tabea Zimmermann erleben.

Virtuosen im Ruhrgebiet

Zu Gast beim Klavier-Festival: Martha Argerich (Portrait)

Zu Gast beim Klavier-Festival: Martha Argerich

Ein musikalisches Highlight ist auch das Klavier-Festival Ruhr in Nordrhein-Westfalen. Zwischen Anfang Mai und Ende Juli treten in diesem Jahr Stars wie Alfred Brendel, Martha Argerich oder Hélène Grimaud auf. Ein besonderer Schwerpunkt: Transkriptionen und Paraphrasen von Werken Giuseppe Verdis und Richard Wagners, deren jeweils 200. Geburtstag so gefeiert wird. "Für Klavierfreunde gibt es weltweit nirgends so ein geballtes Angebot wie bei diesem Festival", sagt Björn Woll, Chefredakteur der Musikzeitschrift Fono Forum. "Für die Region ist das eine gezielte Aufwertung." Auch in den alten Zechen, Kokereien und Maschinenhallen des einstigen Steinkohle-Abbaugebiets veranstaltet das Klavier-Festival Ruhr Konzerte, etwa am 6. Juli zur Nacht der Industriekultur.

Sehen, Hören und Schmecken

Konzert in der Basilika von Kloster Eberbach

Kloster Eberbach

Anders als das Klavier-Festival Ruhr muss das Rheingau Musik Festival seine Landschaft nicht extra aufwerten. Die Region zwischen Frankfurt, Wiesbaden und Lorch ist ein bekanntes Weinanbaugebiet und lebt sozusagen vom Genuss. Ein Konzert auf einem Weingut wird hier schon mal mit einer Verkostung verbunden. Am Konzept werde dennoch ständig gefeilt, so Timo Buckow von der Programmplanung: "Anders als Konzerthäuser, die immer den gleichen Raum bespielen, haben wir die Möglichkeit, durch den Wechsel der Spielstätten das Miteinander von Wein, Architektur und Musik aufeinander abzustimmen und immer wieder anders zu kombinieren." Beim Eröffnungskonzert am 29. Juni in der Basilika des Klosters Eberbach etwa interpretiert die schwedische Sängerin Anne Sofie von Otter Richard Wagners "Wesendonck-Lieder". Neben ausländischen Stars gestalten namhafte Künstlern aus der Region das Programm. So führt der Countertenor Andreas Scholl auf seiner "Rheingautour" mit kleinen Konzerten an ausgesuchte Orte seiner Heimat.

Über den Wolken

Konzert mit Aussicht vom Nebelhorn

Nebelhorn: Konzert mit Aussicht

Allein der Kulisse wegen empfehlenswert ist der Oberstdorfer Musiksommer. Denn die Alpenlandschaft des Allgäu schafft einen malerischen Rahmen für klassische Musikveranstaltungen. "Auch wenn dieses Festival eher klein ist, haben die Konzerte in den Bergkapellen und Klosterkirchen ihren ganz eigenen Charme", sagt Fono Forum Chefredakteur Björn Woll. Besonders beliebt beim Publikum ist das Konzert auf dem Nebelhorn in 2000 Metern Höhe. In diesem Jahr spielt das "Jourist Quartett" Tangovariationen in der Tradition Astor Piazzollas. Dazu werden Gedichte aus Russland und Südamerika vorgetragen, während die Sonne im leuchtenden Abendrot hinter dem Bergpanorama versinkt.

Von Picknickern und Kopfnickern

Zu einer Art Volksfest für klassische Musik hat sich das Klassik Open Air in Nürnberg entwickelt. An zwei Konzerttagen im Juli und August spielen die Staatsphilharmonie Nürnberg und die Nürnberger Symphoniker. Vor ihnen, auf der großen Wiese im Luitpoldhain, eine bunte Mischung aus Picknick- und Musikfreunden, vom Klassikliebhaber bis zum Heavy-Metal-Fan. "Es geht um die Stimmung. Da ist es eigentlich egal, was man sonst für Musik hört", sagt Karen Roberts aus der Nähe von Nürnberg, die schon oft dabei war. "Ich denke, die ungezwungene Atmosphäre und der freie Eintritt sind der wesentliche Erfolgsgrund des Festivals", sagt Projektleiter Thomas Wehr. Auch dieses Jahr rechnet er wieder mit mehr als 100.000 Besuchern.

Keine Zukunft ohne Nachwuchs

Klassik Open Air in Nürnberg (Blick von der Bühne)

Klassik Open Air in Nürnberg

Egal ob hochklassige Musikveranstaltung oder entspannte Picknickatmosphäre - die Klassik-Festivals in Deutschland locken ein breites Publikum, das meist mit einer neugierigen Erwartungshaltung zu den Konzerten kommt. Den Musikern erlaubt das, zu experimentieren, auch mit Tango, Pop und Jazz, um so die Klassik aus ihrer verstaubten Ecke herauszuholen. Vielleicht geht damit sogar die Rechnung der Veranstalter auf, das jüngere Publikum an die klassische Musik heranzuführen. Denn nur so können Klassik-Festivals in Deutschland auch in Zukunft bestehen.

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