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Kultur

Klassentreffen der Musikbranche beim Echo

Zum 20. Mal wurde in diesem Jahr der Echo verliehen, der wichtigste deutsche Musikpreis. Der Echo ist allerdings kein Kritiker-Preis, sondern ein Statistik-Preis. Er orientiert sich an der Zahl der verkauften Platten.

Sängerin Lena Meyer-Landrut mit dem Echo-Preis in der Hand (Foto: dapd)

Ein bisschen peinlich ist es Michi Beck von den "Fantastischen Vier" schon. Fünf Echos hat er in den vergangenen Jahren mit seiner HipHop-Combo bereits gewonnen, vier davon stehen auf den Boxen seiner Musikanlage im Wohnzimmer, einen hat er aber "irgendwie verloren". Anfangs ein wenig belächelnd habe er rückblickend eine "gewisse Romantik" für seine Echos gewonnen, schließlich ist es ja der wichtigste deutsche Musikpreis.

Auch in diesem Jahr waren die "Fantastischen Vier", die 2010 ein neues Album herausgebracht haben, in der Kategorie beste nationale Band nominiert. In diesem gingen sie aber leer aus, der Preis ging an das Musikprojekt "Ich und Ich". Sicherlich ein verdienter Preis, der auch im Jubiläumsjahr nicht darüber hinweg täuscht, dass sich der Echo vor allem an der Zahl der verkauften Platten orientiert. Da gehen manche gewagten und wegweisenden Musiker unter, andere bekommen jedes Jahr einen Preis. Rekordhalter sind übrigens die "Kastelruther Spatzen". In der Kategorie volkstümliche Musik haben sie in der 20-jährigen Echogeschichte 13 Mal gewonnen.

"Viel heiße Luft"

Neu im Geschäft ist Lena Meyer-Landrut. Deswegen ist für sie die Echoverleihung "vor allem sehr aufregend". Lena hat 2010 den Eurovision Song Contest für Deutschland gewonnen, nachdem deutsche Kandidaten das fast 30 Jahre lang nicht mehr geschafft hatten. Die 19-Jährige war für fünf Echos nominiert, zwei hat sie bekommen, darunter als beste Newcomerin und als beste nationale Künstlerin. "Man wird verrückt, völlig verrückt. Ich kann gar nicht aufhören, mich umzugucken, überall Prominente."

Sängerin Lena Meyer-Landrut tritt mit Tänzern im Hintergrund während der Verleihung des Musikpreises Echo auf (Foto: dapd)

Lena freut sich während der Präsentation ihres aktuellen Songs "Taken by a Stranger"

Auch wenn viele Echo-Preise oft sehr vorhersehbar sind, so ist der Abend vor allem eines: ein riesiges alljährliches Klassentreffen der Musikbranche. Die anschließende Party ist für viele wichtiger als die Preisverleihung selbst. "Es geht eher darum, dass man sich hier trifft und dass auch neue, junge Bands kommen, die dann das Gefühl bekommen, dazu zu gehören", sagt beispielsweise Altmeister Herbert Grönemeyer, der während der Verleihung seinen neusten Song zum Besten gab. "Es ist halt Pop und es ist auch Rock n Roll und auch ein bisschen viel heiße Luft, aber das gehört auch dazu und es macht auch trotzdem Spaß."

Nominiert für den Echo sind jedes Jahr nicht nur deutsche Künstler, sondern auch internationale Stars. Einige Plätze bleiben da allerdings leer. Der US-Rapper Eminem beispielsweise ließ sich nicht blicken, um den Preis für den besten HipHop-Künstler in Empfang zu nehmen.

PR-Veranstaltung

Manchen internationalen Musikern ist der Preis aber wirklich wichtig, wie der schottischen Sängerin Amy Macdonald. Sie erhielt 2009 den Echo für die beste internationale Newcomerin und bekam in diesem Jahr den Echo für die beste internationale Künstlerin. "Das bedeutet mir wirklich viel", sagte sie. "In keinem anderen Land hatte ich so einen Erfolg wie in Deutschland und der Echo ist immer ein ziemliches Ereignis."

Die Mitglieder der Musikgruppe Take That um Mark Owen (l.), Howard Donald (2.v.l.), Robbie Williams und Gary Barlow verlassen auf der Verleihung des Musikpreises Echo mit ihrem Preis in der Kategorie Gruppe Rock/Alternative national die Bühne (Foto: dapd)

"Take That" sind zurück und holen sich einen Preis dafür

So erklärt sich auch, weshalb die italienische Rockröhre Gianna Nannini oder Morton Harket von der norwegischen Band "Aha" nach Berlin gereist sind. Denn trotz stetig fallender Plattenverkäufe ist und bleibt Deutschland ein großer und ziemlich wichtiger Musikmarkt für internationale Künstler.

Kein Wunder daher, dass sich auch die britische Ex-Boyband "Take That" blicken ließ. Und ebenfalls auch kein Wunder, dass sie den Preis für die beste internationale Popband erhielt. Der Moderator kündigte die Jungs - pardon Männer - als erfolgreichste Wiedervereinigung seit dem Fall der Mauer an und Robbie Williams bedankte sich dafür, dass Deutschland so gut zu ihnen sei. Dabei versäumte er es natürlich nicht, die Zuschauer zu den kommenden Konzerten von "Take That" einzuladen. Denn auch das ist der Echo: eine große PR-Veranstaltung, übertragen im deutschen Fernsehen zur besten Sendezeit.

Autorin: Nadine Wojcik

Redaktion: Matthias Klaus/Marlis Schaum

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