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Filme

Klassenkeile und Glamour

"And the winner is …" heißt es nicht nur auf der Berlinale. Beim 13. Berliner Jugendmedienfestival trafen sich Filmemacher im Alter von sechs bis 25. Sie kamen aus Norwegen, Korea - und aus Berlin-Hellersdorf.

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Wann läuft denn unser Film?

Die Hellersdorfer Filmemacher sind Frühaufsteher. Der Festivalleiter Jürgen Macpolowski reibt sich noch den Schlaf aus den Augen, da stürmt die Film-Crew aus der Berliner Vorstadt schon das Foyer des Kulturzentrums "Die Weiße Rose". Es gibt zwar keinen roten Teppich für die Macher des Kurzfilms "Klassenkeile" - trotzdem herrscht Hochstimmung bei den Achtklässlern. "Die sind schon ganz heiß auf ihre Teilnehmerkärtchen!" ruft die Lehrerin. Macpolowski verteilt die begehrten Plaketten für die "VIPs".

In Sachen Glamour will man "den Großen" nicht nachstehen: Die Moderatoren der Festival-Eröffnung schäkern oskar-reif mit dem Publikum, es gibt Blumen, Grußworte und exotische Speisen aus Korea. Die "Mini-Berlinale" in Schöneberg ist eine der raren Chancen für junge Filmemacher, ihre Werke wie unter Profi-Bedingungen zu präsentieren. "Wir wollen, dass die Jugendlichen sagen: das hier ist unser eigenes Festival", betont Festivalleiter Jürgen Macpolowski. Außer dem Wettbewerbsprogramm gibt es auch Mitmach-Angebote und ein Festival TV. Rund 40 Prozent des Etats müssen die drei Veranstalter, das Jugenzentrum Clip, die Medieninitiative PUMA e.V. und das Landesinstitut für Schule und Medien, mittlerweile bei Sponsoren auftreiben. Trotzdem wächst das Filmfest: 146 Wettbewerbsfilme an vier Tagen, das ist Rekord.

Dreikäsehoch am Mikro

Jugendmedienfestival Berlin

Mitmachen beim Malfilm: Mit Filzschreibern zeichnen die Kids Bildchen auf die Zelluloid-Bahnen.

Macpolowski ist stolz auf den Mix aus Ländern, Film-Genres und Altersgruppen. Es gibt Beiträge wie "Der rote Hahn", wo 11-Jährige mit der Kamera den Zeichen-Wettbewerb für das neue Logo ihrer Schule begleitet haben. Die Dreikäsehochs machen freche Interviews mit Lehrern und fragen die Mitschüler nach ihrem Favoriten. Aber es laufen auch ausgetüftelte Animationsfilme wie "Looking for the Newest". Das Figurenspiel des Koreaners Choi Shung-a erzählt von einem Mann, der Versandhauspakete bestellt, bis er durch einen Zauber selbst als Puppe im Spielwarenregal landet. Nach Korea haben die Berliner gute Kontakte. Dort findet alljährlich das "Seoul international Youth Film Festival" statt. Eine koreanische Videokünstlerin ist gekommen, die koreanische Botschaft entrichtet Grüße.

Mittlerweile sitzt die Hellersdorfer Film-Crew wieder im Foyer. Gerade lief ihr Beitrag "Klassenkeile". Eine Geschichte über zwei verfeindete Schüler-Fraktionen, die sich zum Box-Kampf verabreden. Mit ihrem Werk sind sie selbstkritisch: "Keine Chance auf einen Preis". Aber hier und da könne man schon mithalten, meint der 14jährige Daniel: "Wir haben immerhin einen richtigen Wagen für Kamerafahrten gebaut." An der Jules-Verne-Schule belegt die Gruppe Medienkunde als Wahlpflichtfach. Für den Medienpädagogen Macpolowski gehen Medienkompetenz und Film-Begeisterung Hand in Hand: "Wenn die Jugendlichen sehen, dass sie ihre Sichtweise darstellen können, sind sie einen Riesenschritt weiter. Dann lecken sie Blut."

Casting und Catering

Längst Blut geleckt hat André Jagusch. Der 25jährige reichte jahrelang seine Beiträge ein, er ist mit dem Festival groß geworden. Dieses Jahr tritt er zum letzen Mal an. Bei "Jetzt erst recht" - einer Kinderdetektiv-Story mit amourösen Verwicklungen - zeigt schon der minutenlange Abspann, wo es lang geht: vom Tonassistenten bis zur Postproduktion ist alles vertreten. Die Jüngsten filmen mit dem Lehrer, die Ältesten mit Casting und Catering.

"Die Jüngeren möchten sie sich natürlich mit den angehenden Profis messen", sagt Macpolowski. In der vierköpfigen Jury sitzen echte Filmemacherinnen und Kameraleute. Die Siegerfilme wie "Augen in der Großstadt" (bis 14 Jahre), "A Hidden Threat" aus Norwegen (bis 20 Jahre) oder "Romeo vs. Love" (bis 25 Jahre) sieht man vielleicht bald wieder - auf den befreundeten Festivals in Seoul, im polnischen Poznan oder in Hongkong. Ob die Hellersdorfer am Ball bleiben? "Ich möchte ja eigentlich Automechaniker werden", sagt Kameramann Daniel. Aber das nächste Projekt läuft schon: Ein Video-Mail-Aktion im Internet, bei der sieben Jugendgruppen gemeinsam eine Fortsetzungsgeschichte filmen.

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