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Politik

Klagen über Ausrüstungsmängel in Afghanistan

Gegen das Verteidigungsministerium werden nach dem tödlichen Angriff auf Bundeswehr-Soldaten schwere Vorwürfe erhoben: Die Soldaten würden mit mangelhafter Ausrüstung in den Kampf geschickt, sagt der Wehrbeauftragte.

Soldaten bei einer Übung in der Kaserne in Seedorf, Niedersachsen (Archivfoto: ap)

Soldaten bei einer Übung in der Kaserne in Seedorf, Niedersachsen

Drei Bundeswehr-Soldaten starben am Karfreitag in einem Hinterhalt der Taliban in Afghanistan. Nun rücken Militärexperten die ihrer Ansicht nach mangelhafte Ausbildung und Ausrüstung der Bundeswehr ins Zentrum der Kritik - und stellen damit indirekt die Frage, ob die Soldaten noch leben könnten, wenn sie besser ausgerüstet gewesen wären.

Der scheidende Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe, SPD, sagte am Dienstag (06.04.2010) dem Westdeutschen Rundfunk: "Es fehlt insbesondere an Transportflugzeugen, an Hubschraubern." Diese Kritik unterstützte der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold. Er sagte dem Norddeutschen Rundfunk, das Fehlen von Kampfhubschraubern in Afghanistan sei ein "markantes Defizit". Kampfhubschrauber könnten in kritischen Situationen sehr schnell am Einsatzort sein, um den Soldaten am Boden beizustehen.

Technische Mängel

Ein Kampfhubschrauber Tiger bei einem Demonstrationsflug in der Piloten-Schule für Tiger-Hubschrauber im südfranzösischen Le Luc en Provence (Archivfoto: dpa)

Ein Kampfhubschrauber "Tiger" bei einem Demonstrationsflug in der Piloten-Schule für "Tiger"-Hubschrauber im südfranzösischen Le Luc en Provence

Deutschland hat gemeinsam mit Frankreich den Kampfhubschrauber vom Typ "Tiger" entwickelt. Er ist jedoch wegen technischer Probleme nicht einsatzbereit. Bei den Gefechten am Freitag musste daher zur Bergung der Toten und Verletzten US-Hubschrauber vom Typ "Black Hawk" angefordert werden, die von den Taliban massiv beschossen wurden.

Robbe wies darauf hin, dass der Einsatz gefährlicher sei, als ursprünglich gedacht: "Heute stellen wir fest, dass wesentlich mehr an Material notwendig ist, dass auch mehr an Personal notwendig ist." Robbe hatte die Seedorfer Fallschirmjäger, die am Freitag von den Taliban angegriffen worden waren, bei ihrer Verabschiedung in den Afghanistan-Einsatz besucht. Die Soldaten hätten ihn bei seinem Besuch darauf hingewiesen, dass es Defizite bei der Ausbildung gebe. Demnach hätten die Soldaten nicht genügend Fahrzeuge der Typen "Dingo" und "Fennek" zu Trainingszwecken gehabt. "Die Soldaten müssen eigentlich mit ihren Fahrzeugen drillmäßig das Verhalten im Gefecht üben, insbesondere das Auf- und Absitzen", erklärte Robbe. Bei dem schweren Gefecht in Afghanistan kam es demnach genau zu einer solchen Situation, in der Bundeswehr-Soldaten unter Beschuss ihre Fahrzeuge vom Typ "Dingo" verlassen mussten.

Königshaus will "Leopard" in Afghanistan

Der künftige Wehrbeauftragte, Hellmut Königshaus, forderte den Einsatz von schweren Kampfpanzern und Mörsergranaten in Afghanistan. Die Bundeswehr solle Leopard-2-Kampfpanzer nach Kundus schaffen, verlangt der FDP-Politiker im "Tagesspiegel" (Mittwochausgabe). Der Leopard 2 sei besser gegen Minen geschützt als leichtere Panzer wie der "Marder" oder Patrouillenfahrzeuge wie der "Dingo". Königshaus meinte zudem, der Leopard-Panzer habe eine abschreckende Wirkung gegen Taliban-Angriffe: "Wer in das Kanonenrohr eines Leopard 2 schaut, überlegt sich zwei Mal, ob er eine deutsche Patrouille angreift." Königshaus tritt sein neues Amt als Robbes Nachfolger am 1. Mai an.

Ein Kampfpanzer des Typs Leopard 2 (Archivfoto: dpa)

Der künftige Wehrbeauftragte Königshaus, FDP, fordert Kampfpanzer des Typs Leopard 2 für die Bundeswehr in Afghanistan

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, CSU, äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen und Forderungen. Am Sonntag hatte der Minister allerdings gesagt, die Bundesregierung halte an ihrer Afghanistan-Strategie fest. Erstmals sagte Guttenberg, dass man umgangssprachlich davon spreche könne, die Bundeswehr befinde sich in Afghanistan im Krieg. Zuvor lautete die politische Sprachregelung: "kriegsähnliche Zustände".

Trauerfeier

Am Karfreitag war eine Bundeswehr-Patrouille im Unruhedistrikt Char Darah nahe Kundus in einen Hinterhalt der Taliban geraten. Die Bundeswehr-Soldaten lieferten sich stundenlange Gefechte mit den Angreifern. Dabei wurden drei Soldaten aus Seedorf in Niedersachsen getötet und acht weitere verletzt.

Für die getöteten Soldaten plant die Bundeswehr an diesem Freitag eine Trauerfeier. Sie ist nach Medienberichten in der evangelischen St.-Lamberti-Kirche Selsingen unweit von Seedorf vorgesehen. Dazu wird auch zu Guttenberg erwartet.

Der Zustand der vier schwer verwundeten Soldaten ist nach Auskunft der Bundeswehr stabil. Sie hätten eine ruhige Nacht verbracht, sagte der Sprecher des Sanitätsführungskommandos, Oberstleutnant Ralph Adametz. Zwei von ihnen würden nach wie vor auf der Intensivstation des Bundeswehrzentralkrankenhauses in Koblenz behandelt. Die beiden anderen lägen inzwischen auf einer normalen Station. Wie schwer die Soldaten verletzt sind und wie lange sie noch behandelt werden, sagte Adametz nicht. Dafür sei es noch zu früh. Die Soldaten waren durch Kugeln und Splitter verletzt worden.

Autor: Martin Schrader (apn, dpa, epd)

Redaktion: Michael Wehling

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