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Musik

Klage vom Tisch: Wacken rockt auch 2013

Das größte Heavy Metal Festival der Welt stand auf der Kippe, weil zwei Anwohner gegen den Lärm bei dem Musikspektakel klagten. Jetzt wurde ein außergerichtlicher Vergleich geschlossen: 2013 darf weiter gerockt werden.

Zwei Festivalbesucher feiern am Donnerstag (02.08.2012) auf dem Wacken Open Air Festival (Kreis Steinburg). Vom 02.- 04.08.2012 findet das größte Heavy-Metal-Festival der Welt in Wacken statt. Foto: Daniel Reinhardt dpa/lno +++(c) dpa - Bildfunk+++

Festival Wacken Heavy Metal August 2012

Die Nachricht schlug bei Heavy Metal-Fans ein wie eine Bombe: Zwei Einwohner des 1800 Seelen-Dorfs Wacken in Schleswig-Holstein hatten im Januar beim Verwaltungsgericht Schleswig eine Klage eingereicht und gefordert, die Lautstärke beim Festival zu drosseln. Das dreitägige Spektakel stand in den vergangenen Jahren unter dem Motto "Louder Than Hell" ("Lauter als die Hölle"). 75.000 Fans aus aller Welt hatten sich schon vor Monaten Karten für das längst ausverkaufte Festival gesichert und mussten nun bangen, ob Wacken Open Air 2013 überhaupt stattfindet.

Wacken light?

Ende Januar wurde laut, dass Anwohner und Promoter sich noch vor der auf den 19. Februar festgesetzten Verhandlung auf einen außergerichtlichen Vergleich geeinigt haben. Das Festival darf weiter gehen – allerdings mit einigen Abstrichen: "Wenn der Geräuschpegel von 70 Dezibel im Mittel überschritten wird, zahlt der Veranstalter künftig 1000 Euro an die Gemeinde", sagte Rechtsanwalt Jens-Ulrich Kannieß, der die Kläger vertritt.

Wackener Feuerwehr beim Wacken Festival 2012 Foto: picture alliance/Jazzarchiv

Selbst die Wackener Feuerwehr ist beim Festival dabei

Diese Geldbußen sollen in soziale Einrichtungen der Gemeinde fließen. Die Einhaltung der neuen Lärmbestimmung wird ein offiziell ernannter Gutachter überprüfen; Festivalveranstalter Holger Hübner hat allerdings immer bestritten, dass je ein Wert von 90 Dezibel erreicht wurde.

70 Dezibel seinen zu leise für so ein legendäres Festival, monierten hingegen Wacken-Anhänger. Das entspräche etwa der Lautstärke eines laufenden Rasenmähers. Seit 1990 ist Wacken Open Air zu einer festen Größe im europäischen Festivalkalender angewachsen. Für ihre nicht gerade leisen Töne bekannte Bands wie Alice Cooper, Slayer, Thin Lizzy, Motörhead und Subway to Sally rockten hier schon vor einem begeisterten Publikum ab.

Viel heiße Luft

Schlagzeuger Marc Reign ist skeptisch, was die die neuen Lärmrichtlinien angeht. Er stand mit seiner früheren Band "Destruction" schon mehrmals in Wacken auf der Bühne. Der erlaubte Lärmpegel sei doch etwas niedrig angesetzt, findet er – und die angedrohte Geldstrafe nicht gerade abschreckend: "1000 Euro zu bezahlen ist mit Sicherheit besser als das Festival abzublasen", kommentierte er gegenüber der DW. "Ich war neunmal in Wacken, und nie gab es Klagen. Das ganze Dorf profitiert doch von dem Festival, und jeder hat seinen Spaß."

Ein Fan mit nackten Operkörper sitzt auf den Schultern eines anderen und feiert Foto PATRICK LUX/AFP/GettyImages

Mit rund 75.000 Besuchern ist Wacken eines der größen Festivals Deutschlands

Festival-Mitbegründer Thomas Jensen versicherte den Fans nach dem Kompromiss eilig, dass sich in Wacken nichts Wesentliches ändern werde. "Wenn das Festival dadurch verfälscht würde, hätten wir uns nicht auf den Vergleich eingelassen", betonte er.

Musikalischer Patriotismus

Marc Euler, Pressersprecher des Tourismusagentur Schleswig-Holstein TASH, zeigte sich ebenfalls erleichtert über den Vergleich, der den Fortbestand des Festivals garantiert. "Wacken Open Air steht bei vielen Schleswig-Holsteinern und auch vielen Gästen aus ganz Deutschland ganz oben auf der Eventliste. Das Festival ist ein Beweis dafür, wie vielfältig die Kulturlandschaft Schleswig-Holsteins ist. Neben Veranstaltungen wie dem Schleswig-Holstein Musikfestival ist Wacken einer unserer Publikumsmagnete."

Wacken Open Air wurde 1990 gegründet und ist seit spätestens 1998 eine feste Größe im Kalender von Heavy Metal Fans. 2012 kamen 75.000 Besucher in das kleine Dorf im Nirgendwo, um mehr als 130 Bands auf vier Bühnen anzufeuern. Es ist nicht ganz nachvollziehbar, warum eine Klage gegen Lärmbelästigung erst jetzt kam – über 20 Jahre nach dem ersten Wacken-Event. Die Theorien gehen auseinander: Manche glauben, dass neu zugezogene Anwohner mit den Gepflogenheiten des Festivals nicht vertraut waren; andere vermuten, dass jemand mit einer Klage Geld herausschlagen wollte.

Eine Frage der Toleranz

Festivalbesucher posieren an einer Fotowand mit der Aufschrift Wacken. Foto: Daniel Reinhardt dpa/lno (c) dpa - Bildfunk

Jeder echte Heavy Metal Fan hat Wacken ins Navi einprogrammiert

Musikproduzent und Promoter Mark Reeder hält den Kompromiss für vernünftig. "Dieses Vorgehen gegen Wacken Open Air liegt nicht im Trend", meinte er. Aber die Frage nach dem Lärmpegel sei eine Problematik, der sich Clubs und Festivalveranstalter regelmäßig stellen müssten.

"Hier gab es immer Auseinandersetzungen. Es ist alles eine Frage der Toleranz", ergänzte er. Allerdings seien mit den Open Air Festivals auch die Lautsprecheranlagen kompakter und leistungsfähiger geworden. "Man kann viel schlechter kontrollieren, in welche Richtung der Sound sich ausbreitet, und das kann für ein Festival zum Riesenproblem werden. Kläger realisieren nicht, dass die Existenz anderer Leute auf dem Spiel steht, wenn so ein Event gekippt wird. So war das immer schon seit Woodstock, und ich bezweifle, dass sich daran etwas ändern wird."

Um einen Eindruck zu bekommen, was bei Wacken Open Air aus den Lautsprechern bläst, können Sie sich hier die offizielle Wacken-Hymne "We are the Metalheads" anhören.