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Kultur

Kizelkaya: "Ansehen der Muslime beschädigt!"

Der Vorsitzende des Koordinationsrates der Muslime, Ali Kizilkaya, ärgert sich über die "Scharia-Polizei", die in der vergangenen Woche durch Wuppertal gezogen ist.

Deutschland Ali Kizilkaya Islamrat. Foto: dpa

Deutsche Welle: Wie bewerten Sie die Vorgänge von Wuppertal?

Ali Kizilkaya: Es sieht eher nach einem PR-Gag aus. Sich Polizeiarbeit anzumaßen, das ist nicht hinnehmbar, das ist verrrückt.

Was glauben Sie, wie das in der deutschen Öffentlichkeit wirkt?

Das beschädigt das Ansehen der Muslime. Obwohl die allermeisten Muslime sich nicht damit identifizieren.

Ärgert Sie das?

Die Muslime haben das nicht nötig. In dieser Gesellschaft kann man seine Religion ausleben - ohne diese Leute. Wir sind irritiert und verwundert.

Konterkariert das nicht auch Ihre jahrelangen Bemühungen um Anerkennung und Integration von Muslimen in dieser Gesellschaft?

Das kann man schon sagen. Aber man muss auch anmerken, dass dieser kleinen Gruppe mehr Aufmerksamkeit zuteil wird, als sie verdient. Und dann geht ihre Strategie auf.

Wie kann eine so kleine Gruppe so viel Aufmerksamkeit erlangen? Sogar Minister haben sich zu Wort gemeldet.

Das fing ja schon mit der Koran-Verteilaktion an, die zu einem bundesweiten Thema wurde. Ich glaube, die Gesellschaft ist sehr offen für Islamthemen, besonders für irritierendes Verhalten von Randgruppen. Da muss sich die Gesellschaft fragen, ob das sein muss.

Ist da Angst im Spiel - vor religiösem Fanatismus?

Angst und Verunsicherung, die nicht berechtigt ist.

Wie sollte man konkret mir diesen Extremisten umgehen?

Wichtig ist, dass man die Religionsgemeinschaften anerkennt, um so zu unterstreichen, dass der Islam zu Deutschland gehört. Das ist eine Realität. Die Muslime identifizieren sich mit Deutschland, sind Teil dieser Gesellschaft. Das gehört zur Vielfalt, das muss man vorleben, in der Politik wie in der Gesellschaft. Unser Zusammenhalt in der Gesellschaft gräbt den extremen Gruppen das Wasser ab.

Sind Sie genervt, dass man Sie immer wieder fragt, ob Sie sich von fanatischen Muslimen distanzieren?

Natürlich kann ich nichts dafür, was dort geschieht und es ist auch nicht in meinem Sinne - ebenso wenig im Sinne meiner Gemeinde oder der allermeisten Muslime. Aber ich merke immer wieder, dass man die Muslime nicht gut genug kennt, auch wenn sie lange Jahre in Deutschland leben. Ich glaube, wir müssen uns mehr füreinander interessieren, Empathie und Verständnis aufbringen. Man darf sich das Bild vom Islam auch nicht über die internationalen Konflikte machen, die einen scheinbaren religiösen Touch haben, aber nicht religiös begründet sind. Da helfen Möglichkeiten der Begegnung - zum Beispiel der Tag der Offenen Moschee am 3. Oktober. Das wäre eine Möglichkeit, sich kennenzulernen und besser zu verstehen.

Ali Kizilkaya ist Vorsitzender des Koordinationsrates der Muslime. Darin sind der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD), die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB), der Islamrat und der Verband Islamischer Kulturzentren (VIKZ) vertreten.