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Deutschlehrer-Info

Kiron University: eine Uni für Flüchtlinge

Zwei junge Deutsche ermöglichen Flüchtlingen ganz unbürokratisch den Zugang zur Hochschulbildung - zuerst online und dann an einer echten Universität. Derzeit sind 1250 Studenten an der Kiron University eingeschrieben.

Zwei Flüchtlinge sitzen im Cafe und tippen auf ihren Smartphones

Zum Lernen ins Café

Kashif Kazmi kommt aus Pakistan und ist erst seit sechs Monaten in Deutschland. Noch wartet er auf seine Anerkennung als Flüchtling, doch bereits jetzt studiert er Ingenieurswissenschaften. Mit seinem Smartphone besucht er die Seminare wie „Aerodynamics“ und „Thermodynamics“. Kashif ist einer der ersten Studenten der Online-Universität Kiron. Die Kurse gibt es auf Englisch, Deutsch und Arabisch.

Ein Studium ohne bürokratische Hürden

Die Idee zu der Online-Uni hatten die Mitzwanziger Markus Kreßler und Vincent Zimmer. Es ist ein Experiment, in das die jungen Gründer bereits viel Geld und noch mehr Arbeit gesteckt haben. „Überall auf der Welt wird es Flüchtlingen maximal schwer gemacht, an einer Universität zu studieren. Das wollen wir ändern“, sagt Kreßler.

Das Versprechen der Universität Kiron an die Flüchtlinge: ein Studium ganz ohne bürokratische Hürden - und kostenlos ist es außerdem. Das ist nur möglich, weil staatliche Universitäten kooperieren. „Wir haben eine Plattform gebaut, die den Einstieg in das Studium sofort ermöglicht - unabhängig vom Standort, unabhängig vom Status“, erklärt Vincent Zimmer das Konzept. Die Online-Kurse stammen von Unis wie Harvard oder Yale und sind kostenlos. „Die Geflüchteten beginnen bei uns dann zunächst mit diesen digitalen Bildungselementen zu studieren und werden erst nach zwei Jahren an eine Partneruniversität überführt, wo sie ihren Abschluss erhalten.“

So haben die Geflüchteten genug Zeit, ihre Papiere zusammenzubekommen, denn die brauchen sie erst beim Wechsel an die Partner-Unis. Noch sind die meisten Zusagen für Studienplätze in Deutschland, aber auch ausländische Unis, darunter die renommierte Oxford Universität in England, haben schon tudienplätze zugesichert.

Zukunftsperspektiven für Flüchtlinge

Homepage der Kiron University auf einem Laptop Copyright: kiron.ngo

So sieht die Homepage der Kiron-University aus

Für Kashif Kazmi war die Immatrikulation an der Kiron University ein Geschenk des Himmels, sagt er. „Als ich hierher kam, fühlte ich mich verloren. Was sollte ich tun, wie kann ich mich integrieren, was wird passieren? Vor Kiron wusste ich nicht, was aus meiner Zukunft werden soll. Jetzt studiere ich. Heute lerne ich noch, aber bald werde ich jemand sein, der gut ausgebildet ist. Ich möchte einfach nur mit Ingenieuren und großartigen Wissenschaftlern arbeiten, um etwas zu tun und teilzunehmen an der Gemeinschaft und um unseren Planeten zu retten.“

Für die Uni-Gründer Vincent Zimmer und Markus Kreßler ist so eine Aussage immer wieder Ansporn, sich weiter für das Projekt zu engagieren. Kiron gibt es seit einem Jahr, und bereits jetzt arbeiten 20 Angestellte und 300 ehrenamtliche für die Uni. Finanziert wird sie aus Crowdfunding-Mitteln. Derzeit gibt es 1250 Studenten, die aus fünf Fächern wählen können. Dazu gehören Informatik, Wirtschaft Ingenieurswissenschaften und Interkulturelle Studien. Am beliebtesten ist allerdings das Fach Architektur, so Zimmer: „Wenn man darüber nachdenkt, na klar die Leute, vor allem aus Syrien wollen ihre Heimat wieder aufbauen.“

Familienanschluss gesucht

Längst haben die Kiron-Gründer auch erkannt, dass es nicht reicht, den Flüchtlingen einfach nur den Zugang zum Studium zu geben. „Wir haben festgestellt, sie brauchen Internet und Hardware auch“, erläutert Vincent Zimmer. „Das haben wir besorgt. Und dann haben wir das Feedback bekommen: ‚Jetzt habe ich einen Computer, jetzt habe ich Internet, aber ich sitze mit acht Leuten im Flüchtlingsheim und kann mich nicht konzentrieren‘."

Also wurden in der ganzen Republik Räumlichkeiten gesucht, wo sich Studierende zum gemeinsamen Lernen treffen können. In Berlin-Kreuzberg findet sich auch Kashif Kazmi regelmäßig in einem Schulungsraum ein. In diesem Viertel wurde die Idee zur Kiron-University geboren, und hier hat Kashif auch schon die Macher kennengelernt. „Als ich Vincent und die anderen vom Team traf, fühlte ich mich endlich angekommen“, sagt er. „Sie sind wie eine Familie für mich.“

Das Ziel von Kiron ist es, 2016 vielen weiteren Flüchtlingen einen Studienplatz zu ermöglichen und ihnen so die Chance zu geben, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

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