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Kirgisistan: „Ich bin momentan optimistisch“ - so Bektour Iskender über die Pressefreiheit in seinem Land.

Der Chefredakteur des kirgisischen Nachrichten- und Blogportals und DW-AKADEMIE-Partners Kloop.kg hofft auf mehr Pressefreiheit in seinem Land.

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Nach dem gewaltsamen Umsturz der Regierung Anfang April hofft Bektour Iskender, Chefredakteur des kirgisischen Nachrichten- und Blogportals und DW-AKADEMIE-Partners Kloop.kg, auf mehr Pressefreiheit in seinem Land.

DW-AKADEMIE: Herr Iskender, wie würden Sie die Ereignisse der letzten Woche bezeichnen?

Bektour Iskender: Ich habe Angst, es eine Revolution zu nennen, weil wir das schon beim letzten Mal vor fünf Jahren gemacht haben und sich nichts verändert hat. Rein technisch war es wohl ein Putsch, aber andererseits haben die Polizisten zuerst auf die Demonstranten geschossen. Ich war dabei. Ich habe es gesehen. Einerseits ist es zwar schwierig, eine gesetzliche Rechtfertigung für die Übergangsregierung zu finden, aber andererseits ist es verständlich, dass die Leute das gemacht haben. Rein rechtlich ist die neue Regierung illegal, aber de facto musste das passieren. Wir wissen selbst nicht, wie wir Bakijew jetzt in unserer Berichterstattung nennen sollen. Wir nennen ihn einfach Kurmanbek Bakijew.

Wie sind die momentanen Arbeitsbedingungen für Journalisten in Kirgisistan?

Die Übergangsregierung ist sehr offen und sehr höflich zu uns Journalisten. Es ist einfach, Leute zu erreichen und Antworten zu erhalten, was vorher nicht der Fall war. Ich habe die Handy-Nummern aller neuen Minister, inklusive der von (Übergangs-Premierministerin) Rosa Otunbajewa – die übrigens auch regelmäßig twittert.

Das hört sich nach einer Veränderung zum Positiven an.

Ich bin momentan optimistisch. Während der letzten fünf Tage hat der KGB keinen Druck auf uns ausgeübt. Wir können jetzt offen sagen, dass wir unter Bakijew vom KGB bedroht wurden, und darüber bin ich froh. Ich habe das Gefühl, dass wir gerade die Ereignisse wirklich beeinflussen können. Wir haben die Macht, der neuen Regierung keine Chance zu geben, die Medien zu unterdrücken.

Bakijew scheint jetzt zum Aufstand gegen die Übergangsregierung zu rüsten. Befürchten Sie, dass dies zum Bürgerkrieg führen könnte?

Das ist eine meiner zwei großen Sorgen. Die andere ist, dass die neue Regierung die Zensur der alten Regierung wieder einführt.

Das Interview führte Mathis Winkler.

Die DW-AKADEMIE in Kirgisistan

Die DW-AKADEMIE pflegt enge Beziehungen zu Medien in dem zentralasiatischen Land, deren Freiheiten in letzter Zeit immer mehr beschnitten wurden. So blockierte das Bakijew-Regime im März einige Webseiten, die kritisch über den Präsidentensohn Maxim Bakijew berichtet hatten.

Zu den Medienpartnern der DW-AKADEMIE zählen neben Kloop.kg auch das Bürgerradio Radiomost in Talas – dem Ort, an dem die Proteste gegen das Bakijew-Regime Anfang April begannen. „Das Wichtigste ist jetzt, dass die kirgisische Regierung an die Menschen denkt,“ sagt Radiomost-Redakteurin Rita Klyut, die über die Proteste in Talas berichtete. „Eine dritte Revolution wird Kirgisistan nicht überleben“. Der von Klyut betreute und in Zusammenarbeit mit der DW-AKADMIE entstandene Blog Talasmost.kg ist für den diesjährigen Prix Ars Electronica nominiert, der im September in Linz verliehen wird.

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