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Kultur

Kirchenreaktionen auf Papst-Rücktritt

Mit Bedauern und Verständnis haben Kirchenvertreter aus aller Welt auf die überraschende Rücktritts-Ankündigung von Papst Benedikt XVI. reagiert. In manche Reaktion mischte sich Kritik an Benedikts Amtsführung.

Katholische Kirche, Symbolbild. Copyright: DW/TV-Studio Brüssel

Weltweit reagierten Kirchenvertreter auf den angekündigten Rücktritt des Papstes

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, nannte den Rücktritt des Papstes eine "große menschliche und religiöse Geste". Benedikt sei ein „großer Lehrer unserer Kirche" gewesen.

ARCHIV - Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, spricht am 24.02.2010 in Freiburg bei einer Pressekonferenz im Rahmen der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz. Die katholische Kirche in Deutschland will ihre Mitglieder zu einem stärkeren Verkünden ihres Glaubens ermutigen. Katholiken sollen ihre religiösen Überzeugungen und Werte offensiv und einladend nach außen tragen, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Robert Zollitsch in Freiburg in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Foto: Rolf Haid dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ pixel

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, würdigte den Papst als "großen Lehrer".

Die katholische Laienbewegung „Wir sind Kirche“ zollte Papst Benedikt XVI. Respekt für seinen Rücktritt. Der Sprecher der Organisation, Christian Weisner, übte aber auch Kritik: „Benedikt XVI. müsse sich fragen lassen, ob er wirklich genügend gegen die Polarisierung in der katholischen Kirche getan habe. Papst Benedikt habe die Kirche auf einen „eher restaurativen Kurs geführt.“ Das habe viele Menschen enttäuscht. Sie seien der Kirche verloren gegangen.

Die ultrakonservativen Piusbrüder dankten dem Papst für seinen Mut im Umgang mit der Bruderschaft. Der Papst habe trotz aller Differenzen in der Lehrmeinung stets auf das Verbindende zwischen Rom und der Bruderschaft hingewiesen, teilten die Piusbrüder in Stuttgart mit. Die 1970 gegründete Bruderschaft Pius X. wendet sich gegen eine Modernisierung der katholischen Kirche.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, äußert sich am Dienstag (18.10.2011) auf einer Pressekonferenz im Landtag in Düsseldorf. Themenschwerpunkt der Pressekonferenz ist das Verhältnis zwischen Kirche und Staat in Deutschland. Foto: Victoria Bonn-Meuser dpa/lnw +++(c) dpa - Bildfunk+++ pixel

Mit "großem Respekt" reagierte der Ratsvorsitzende der EKD, Präses Nikolaus Schneider auf Benedikts Rücktrittsabsicht.

Repräsentanten der evangelischen Kirchen reagierten höflich, aber distanziert auf die Ankündigung des Papstes. Nikolaus Schneider, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), nahm die Ankündigung Benedikts mit "großem Respekt" zur Kenntnis. Dass Ämter nur auf Zeit wahrgenommen werden, gehöre zum Maß des Menschlichen.

In Deutschland würdigte die Ditib - als größter islamischer Dachverband - Papst Benedikt XVI. als „Förderer des Dialogs unter den Religionen“.

Der Zentralrat der Juden dankte Benedikt XVI. für seine Verdienste um die Versöhnung mit dem Judentum. Der Papst habe dem jüdisch-christlichen Verhältnis "neue Impulse verliehen und es mit Herzlichkeit erfüllt", sagte der Präsident des Zentralrats, Dieter Graumann.

Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder, sagte, Papst Benedikt habe die Beziehungen zwischen Katholiken und Juden „auf ein beispielloses Niveau“ gehoben. In Israel sagte Oberrabbiner Jona Metzger, die Beziehungen zwischen Israel und dem Vatikan seien "so gut wie nie zuvor".

Auch in Lateinamerika sorgte die Nachricht vom Amtsverzicht Benedikts XVI. für Überraschung: Alle wichtigen TV-Sender unterbrachen ihr Programm. Mehrere nationale Bischofskonferenzen äußerten großes Verständnis für Benedikts Entscheidung. Kritisch meldete sich der suspendierte nicaraguanische Priester Ernesto Cardenal zu Wort, einer der profiliertesten Vertreter der Befreiungstheologie in Lateinamerika: „Ich weiß nicht, warum er zurücktritt. Aber ich bin sehr froh darüber, dass er das Papat niederlegt,“ sagte der 88-jährige Priester und Poet.

Der Weltkirchenrat (ÖRK) würdigte Benedikt XVI. für dessen "Hingabe für die Kirche und die ökumenische Bewegung". Justin Welby, Erzbischof von Canterbury und Oberhaupt der anglikanischen Kirche mit etwa 80 Millionen Gläubigen, sagte, Benedikt XVI. habe sein Amt "mit großer Würde, Einsicht und Mut ausgefüllt". Der Krakauer Kardinal und langjährige Sekretär des Papstes Johannes Paul II., Stanislaw Dziwisz, sagte, Benedikt XVI. habe die Kirche "mit großer Umsicht und Weisheit" geleitet.