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Aktuell Europa

Kirchen und Fabriken nach Erdbeben in Trümmern

Der Staatspräsident spricht von unzureichenden Schutzmaßnahmen und die Region bietet ein Bild der Zerstörung. Nach dem jüngsten Erdbeben im Norden Italiens ist die Zahl der Toten auf 17 Menschen gestiegen.

Die Behörden in der norditalienischen Region Emilia Romagna kündigten Konsequenzen an. So nahm die Staatsanwaltschaft von Modena Ermittlungen auf, warum bei den Beben am Dienstag und am 20. Mai so viele Werkshallen einstürzten. Am Mittwoch wurde der letzte vermisste Arbeiter tot geborgen, die Zahl der Opfer des jüngsten Bebens stieg somit auf 17 Tote und 350 Verletzte.

Unter dem Küchentisch Schutz gesucht

Neben zahlreichen Kirchen und anderen historischen Bauten in der Region trafen die beiden Beben vor allem Fabrikgebäude: Allein in Medolla starben vier Arbeiter in den Trümmern einer Fabrik eines Medizingeräteherstellers. Feuerwehrleute bargen am Mittwoch den letzten von ihnen.

Zerstörungen in Cavezzo. Foto: AP/dapd

Viele Häuser, Fabrikgebäude und auch Kirchen sind eingestürzt

In Cavezzo konnte noch am Dienstagabend eine Frau lebend aus den Trümmern ihres Wohnhauses gerettet werden. Die 65-Jährige war nach dem ersten Beben vor zehn Tagen evakuiert worden und nur kurz in ihre Wohnung zurückgekehrt, um saubere Kleidung zu holen. Dann wurde sie von dem neuen Beben der Stärke 5,8 überrascht - und harrte zwölf Stunden unter ihrem Küchentisch aus.

Video ansehen 01:45

Italien: Nach dem Beben stehen die Menschen unter Schock

Bei den Bewohnern der Region liegen inzwischen die Nerven blank. Etwa 14.000 Menschen leben inzwischen bei Freunden oder in Notunterkünften, weil ihre Häuser zerstört wurden. Sie berichten Korrespondenten von ihrer Angst vor neuen Beben und davor, dass die Zeit ohne eigene Bleibe längern dauern könnte. Auch in Autos, Campingwagen, in Schlafwagen der Bahn, in Zeltstädten oder in Sporthallen harren Anwohner aus.

Notunterkunft in einer Turnhalle in Crevalcore bei Modena. Foto: REUTERS

Viele Anwohner sind nach den Erdstößen ohne Bleibe

Staatspräsident Giorgio Napoletano übte unterdessen heftige Kritik an den Behörden und den verantwortlichen Politikern. Die Vorbeugung vor Erdbeben sei in hohem Maße unzureichend gewesen, erklärte der Staatschef. Vor allem Italiens Wirtschaft wurde getroffen: Allein die Schäden der Agrarindustrie belaufen sich nach Angaben ihres Interessenverbands auf eine halbe Milliarde Euro.

Besonders ergriffen sind die Italiener vom Schicksal des Pfarrers der kleinen Ortschaft Rovereto sulla Secchia nördlich von Modena. Nach Zeitungsberichten wurde der 65-jährige Geistliche von den Trümmern der beschädigten Kirche erschlagen, als er gerade die Madonnenfigur retten wollte.

ml/sc (afp, dapd, dpa)

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