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Globale Zusammenarbeit

Kirche lässt Homosexuelle im Stich

In vielen afrikanischen Ländern steht Homosexualität unter Strafe. Die Kirchen unterstützen die Politik eher im Kampf gegen Schwule und Lesben, als den Ausgegrenzten zu helfen. Das Gros der Bevölkerung findet das gut.

"Wir haben Proteste gegen die Rechte von Homosexuellen veranstaltet", sagt Pfarrer Raphael Adebayo von der katholischen Kirche Sankt Agnes in Lagos. Zusammen mit anderen christlichen Konfessionen hat die katholische Gemeinschaft in Nigeria gegen Homosexualität demonstriert.

Ob die christlichen Konfessionen über die Proteste hinaus versuchen, Druck auf die Gesetzgeber auszuüben, damit diese die Gesetze gegen Homosexuelle verschärfen, darauf will Pfarrer Adebayo nicht eingehen. Doch seine Haltung ist klar: "Es ist unmöglich, dass die Kirche etwas unterstützt, was Gott nicht gefällt. Es ist klar, dass Homosexualität eine Abscheulichkeit ist."

"Landesbräuche schützen" in Nigeria

Flyer von Kampagnen für die Rechte der Homosexuellen in Uganda (Foto: EPA/DAI)

Kampagne für die Rechte der Homosexuellen in Uganda

Alle in Nigeria praktizierten Religionen - vom Christentum über den Islam bis hin zu traditionellen afrikanischen Religionen - lehnten gleichgeschlechtliche Beziehungen ab, sagt der nigerianische Parlamentsabgeordnete Jagaba Adams Jagaba. Wegen dieses Tabus habe das nigerianische Parlament ein Gesetz verabschiedet, um "die Landesbräuche zu schützen": Menschen, die in homosexuellen Beziehungen leben oder sich für die Rechte von Schwulen und Lesben einsetzen, können mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden. Dieses diskriminierende Gesetz liegt Präsident Goodluck Jonathan noch zur Entscheidung vor.

Die ablehnende Haltung vieler kirchlicher Organisationen zur Homosexualität überrascht Markus Gutfleisch nicht. Er ist Leiter der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) in Recklinghausen. "Die katholische Kirche hat sich beispielsweise in Europa und in Nordamerika immer eingemischt, wenn die Regierungen eine Gesetzesvorlage eingebracht haben, die Homosexuellen Rechte einräumt", so Markus Gutfleisch. Seine Arbeitsgruppe finde es grundsätzlich in Ordnung, dass sich die Kirche zu gesellschaftlichen Themen äußert - doch durch ihre konservativen Ansichten sollten keine Menschenrechte verletzt werden.

Widerstand des Kirchenrates in Malawi

Vor diesem Dilemma steht die malawische Regierung. Im Dezember 2011 beauftragte der inzwischen verstorbene malawische Präsident Bingu Wa Mutharika die Gesetzeskommission des Landes, diverse repressive Gesetze zu überdenken. Dazu gehören auch solche, die gegen Homosexualität gerichtet sind. Dabei stieß die Regierung aber auf den Widerstand des Kirchenrates in Malawi, einer Gruppierung unterschiedlicher Kirchen. "Er vertritt die Meinung, dass Homosexuelle keine Menschen mehr sind und dass es ihnen nicht erlaubt werden sollte, frei zu sein", kritisiert Ian, ein Homosexueller aus der malawischen Stadt Blanka.

Tatsächlich hat man seit der Ankündigung der Regierung nichts mehr von einer Überarbeitung der repressiven Gesetze gehört. Dass dies nun am Druck der Kirche liegt, kann Ian nur vermuten: "Wir wissen nicht, ob das noch auf der Tagesordnung ist. Also warten wir ab."

Verfolgung in Kamerun

Laut Amnesty International ist Südafrika bisher das einzige afrikanische Land, in dem die Rechte von Homosexuellen in der Verfassung verankert und gleichgeschlechtliche Ehen erlaubt sind. In fast allen anderen afrikanischen Ländern riskieren Homosexuelle sogar eine Haftstrafe. Viele Länder - wie Kenia, Tansania und Liberia - setzen diese Gesetze aber in der Praxis häufig nicht um.

Burkina Faso, die Elfenbeinküste und Mali gehören zu den wenigen afrikanischen Ländern, in denen es keine Gesetze gegen Homosexualität gibt. Schwul- oder Lesbischsein ist aber gesellschaftlich verpönt und Homosexuelle leiden unter Ausgrenzung und Übergriffen.

In Kamerun werden Homosexuelle dagegen strafrechtlich verfolgt. Sexuelle Handlungen mit einer gleichgeschlechtlichen Person werden dort mit einer Gefängnisstrafe zwischen sechs Monaten und fünf Jahren bestraft. Hinzu kommt eine Geldstrafe von bis zu 305 Euro. 16 Menschen sind dort nach Angaben von Human Rights Watch allein im Jahr 2011 wegen des Verdachts der Homosexualität verhaftet worden.

Genau wie Nigeria will das ostafrikanische Land Uganda ein Gesetz gegen homosexuelle Handlungen einführen. Für "erzwungene Homosexualität" ist die Todesstrafe vorgesehen. Offen gelebte Homosexualität jeder Art, wie Beziehungen zwischen Homosexuellen oder jede Form von gleichgeschlechtlichem Sex, soll mit lebenslanger Haft bestraft werden.

Uganda: Mehrheit hält Homosexualität für verwerflich

Zwei Lesben in Uganda, die seit 2003 für die Rechte von Homosexuellen kämpfen (Foto: EPA/DAI)

Das lesbische Paar aus Uganda kämpft seit 2003 für die Rechte der Homosexuellen

Das Gesetz entspricht einer Vorlage des Abgeordneten David Bahati aus dem Jahr 2009. Bahati ist Mitglied der Regierungspartei NRM (Nationale Widerstandspartei) und pflegt gute Beziehungen zu einflussreichen kirchlichen Gemeinden in Uganda und den USA. Die ablehnende Haltung der Religion gegenüber Homosexuellen spiegelt sich auch in der Bevölkerung wider: Laut Umfragen halten mehr als 90 Prozent der ugandischen Bürger Homosexualität für moralisch verwerflich.

Die Lage der Homosexuellen in Afrika wird sich unter diesen Umständen wohl kaum in absehbarer Zeit verbessern. Man könne zwar über Menschenrechte reden, "aber wenn fast die ganze Gesellschaft nicht mit einem Recht einverstanden ist, soll dieses aufhören zu existieren": Das ist die Antwort des nigerianischen Parlamentariers Jagaba Adams Jagaba auf die Frage nach der Freiheit der Homosexuellen.

Auch Pfarrer Raphael Adebayo aus Nigeria kennt bei diesem Thema kaum Zweifel: "Die Kirche kann die Menschenrechte respektieren. Aber wenn die Menschenrechte gegen Gottes Gebote verstoßen, wird ein Richter dies niemals unterstützen."