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Filme

Kino zum Lesen: Neue Filmbücher

Zwischen Aufbruch und Zukunft - neue Bücher über das Kino blicken hinter die Kulissen. Sie erzählen von hoffnungsvollen Debütanten, besessenen Regisseuren und von der Zukunft des Mediums.

Aller Anfang ist schwer. Besonders im Kino. Heute kann man es sich kaum noch vorstellen, wie das damals war, Ende der 1960er Jahre, als in München und Berlin die ersten Filmhochschulen in Deutschland jungen Studentinnen und Studenten anboten, "Filme machen" zu lernen. Inzwischen gibt es ein ganzes Dutzend dieser Hochschulen und Akademien, die Jahr für Jahr hoffnungsfrohe Filmstudenten ausspucken. Im vorliegenden Band "Bilder wilder Jahre - Die Filme der HFF München" wird zum ersten Mal aufgearbeitet, wie das in München war, als die HFF (Hochschule für Film und Fernsehen) ihre Arbeit aufnahm. München stand schon früh - im Gegensatz zu der ein Jahr zuvor gegründeten Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin - für Genrekino und Experiment, für Unterhaltung und Publikumsorientierung.

Szene aus dem Abschlussfilm von Bernd Eichinger Weihnachtsmärchen (Foto: Nino Weindl aus dem besprochnenen Buch, Verlag text + kritik)

Flucht und Aufbruch - "Weihnachtsmärchen" war Bernd Eichingers Abschlussfilm im Jahre 1974

Der Band stellt die Filme der Jahrgänge '67 bis '79 vor, in Text und Bild, gerahmt werden die einzelnen Übungsstreifen und Debüts von Interviews, Rückblicken und Kommentaren von heute. Es waren die wilden Jahre, die die Debütanten damals auf Zelluloid bannten, das Jahr '68 und die bewegte Hippiezeit bildeten die Fixpunkte, spiegeln sich in den vielen Kurz- und mittellangen Filmen wider. Bekannte Namen waren in den ersten Jahren dabei, Wim Wenders und Bernd Eichinger, Uli Edel und Doris Dörrie. Manche haben den Sprung nach Hollywood geschafft, einige gehören seit Jahren zum festen Interieur des deutschen Kinos. Ein paar haben ihre Heimat beim Fernsehen gefunden, andere haben sich in den Randbereichen des Kinos wiedergefunden. Von vielen hat man später nie mehr etwas gehört. Der Band ist eine wahre Fundgrube für all diejenigen, die wissen wollen, wie der Neue Deutsche Filme damals aus der Taufe gehoben wurde - abseits des Zentrums Berlin - und abseits auch des berühmten "Oberhausener Manifests".

"Lektionen in Herzog" von Chris Wahl

Einer, der nie eine Filmhochschule besucht hat, ein Autodidakt reinsten Wassers, ist Werner Herzog. Auch er begann in der 1960er Jahren, und auch Herzog hatte seine Wurzeln in München, wo er 1942 geboren wurde. Und doch dürfte Werner Herzog heute - neben Wim Wenders und Volker Schlöndorff - der bekannteste noch lebende Regisseur des Neuen Deutschen Films sein. Dass auch für Herzog, zumindest in den letzten Jahren, das Diktum gilt - in der Heimat wenig beachtet, im Ausland hoch anerkannt -, darauf weist Herausgeber Chris Wahl im Eingangskapitel seiner Monografie hin.

Zahllos sind die Vorwürfe, die man dem Regisseur zu Beginn seiner Karriere machte: Seine Filme seien faschistoid und monumental, sie beuteten ihre Darsteller aus und manipulierten ihr Publikum. Herzog war immer ein Außenseiter im deutschen Kino und es gehört heute wohl zu den überraschendsten Wendungen in der Geschichte des Nachkriegsfilms, dass ausgerechnet der Urbayer Herzog in Hollywood dauerhaft Fuß fassen sollte.

In den letzten Jahren hat Herzog mit Superstars des US-Kinos gedreht, mit Christian Bale oder Nicholas Cage, das ist in seiner Heimat Deutschland tatsächlich etwas untergegangen. Und so ist seinem 2009 entstandenen Film "The Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans" auch ein ganzes Kapitel gewidmet. Cage, der hier einen Kriminalbeamten in New Orleans spielt, wird dabei als Nachfolger des legendären Herzog-Mimen Klaus Kinski gedeutet. An den Stil, den der Regisseur mit Kinski am Set pflegte, hat er offensichtlich mit Cage angeknüpft: Herzog habe den Hollywood-Star am Set mit dem Schlachtruf, er solle "die Sau raus lassen", zu Höchstleistungen animiert, heißt es im Kapitel über "Bad Lieutenant".

Szene aus The Bad Lieutenant - Port Of Call: New Orleans von Werner Herzog (Foto: Verleih)

Ein völlig durchgeknallter Cop: "The Bad Lieutenant" - Nicholas Cage und Eva Mendes

Das Buch glänzt mit solchen Anekdoten ebenso wie mit tiefschürfenden Analysen bestimmter Werkaspekte. "Seit den 1970er Jahren ist im deutschsprachigen Raum so gut wie überhaupt nichts Substanzielles mehr über Herzog veröffentlicht worden", beklagt Chris Wahl im Vorwort. Mit "Lektionen in Herzog" ist dem Abhilfe geschaffen worden.

"Das flexible Kino" von Jan Distelmeyer

Filme wie Herzogs "Bad Lieutenant" oder auch "My Son, My Son, what have ye done" aus dem Jahre 2009 (u.a. mit Willem Dafoe) kann man sich heute bequem im Internet auf DVD oder Blu-ray bestellen. In Zeiten klammer öffentlicher Kassen - und damit einhergehenden nicht gerade üppig ausgestatteten kommunalen Kinos - sind die kleinen Silberscheiben so wertvoll wie nie zuvor, für den Filmfan, der Klassiker, aber auch viele neue Filme, die man nur noch auf DVD sehen kann, aber erst recht für die Filmindustrie. Auch auf diesen bemerkenswerten Wandel bei den weltweiten Kinoeinnahmen macht Jan Distelmeyer in seiner Medien-Geschichte der DVD aufmerksam.

Schon seit einem Jahrzehnt erzielen die großen Hollywood-Studios mehr Geld mit dem Verkauf von Speichermedien wie DVD und Blu-ray als mit dem Kasseneinspiel der Kinos. Und auch wenn diese Einnahmen in den letzten Jahren rückläufig sind, hängen die Studios inzwischen am Tropf dieser Gelder aus dem Home Entertainment Markt.

Über die noch relativ junge Geschichte der DVD kann man sich in dem detailreichen Band "Das flexible Kino - Ästhetik und Dispositiv der DVD & Blu-ray" von Distelmeyer informieren. Das ist durchaus spannend nachzulesen, ein Stück moderne Technikgeschichte.

Videothek in Köln mit DVD-Filmen in einem Regal (Foto: dpa)

Angebot für zu Hause: Umsatzbringer DVD

Mitte der 1990er Jahre wurde von den großen amerikanischen und japanischen Unterhaltungskonzernen ein regelrechter Krieg um das beste System ausgetragen. Die Videobänder verschwanden vom Markt, wurden zunächst von der DVD und dann von der noch mehr Speicherkapazität bietenden Blu-rays (zum Teil) abgelöst. Skeptiker, die meinen, auch diese Trägermeiden seien schon im Niedergang begriffen und würden in Kürze von Video-on-Demand und Online-Bibliotheken ersetzt, begegnet Distelmeyer mit einigen klugen Argumenten und der Statistik. Und dass die DVD vielmehr ist als nur ein Speichermedium für Spielfilme, auch davon handelt das Buch: So wird die Wechselbeziehung zwischen Film und DVD beschrieben, was auch ästhetische Folgen hat. Wenn Sie darüber hinaus wissen wollen, wofür das Kürzel DVD eigentlich steht, dann wird auch diese Frage im Buch beantwortet.

Die Bücher über die Münchner Filmhochschule ("Bilder wilder Jahre", ISBN 978 3 86916 066 5) und Werner Herzog ("Lektionen in Herzog", ISBN 978 3 86916 118 1) sind beim Verlag "edition text+kritik" erschienen, Jan Distelmeyers Band: "Das flexible Kino - Ästhetik und Dispositiv der DVD & Blu-ray" ist bei Bertz+Fischer erschienen, ISBN 978 3 86505 217 9.

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