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Kultur

Kino zum Lesen: Die Erfindung von Hollywood

Strahlkraft der Sonne: Wie ein kleines Kaff zum Zentrum des Films wurde und dabei den großen Konkurrenten Chicago ausstach.

"Eines Tages werden wir alle nach Kalifornien ziehen, es gibt Magnolien und Palmen und den Pazifik, und es regnet nie, und man kann dauernd drehen." Die US-amerikanische Filmmetropole, wie wir sie heute kennen und die wie keine andere Unterhaltungsindustrie auf der Welt die Menschen mit Filmkonsum versorgt, hat ihren Standpunkt ausschließlich dem guten Wetter zu verdanken. Zwar werkelte man auch in Chicago und in New York an den Urformen des Kinos, doch die siebente Kunst sollte erst im Westen Nordamerikas ihren endgültigen Durchbruch feiern. Diese Geschichte ist verbürgt und ist nachzulesen in vielen Sachbüchern über das frühe Kino.

Die deutsche Schriftstellerin Christine Wunnicke hat um die Erfindung Hollywoods eine kleine Erzählung gesponnen, die zwei reale Pioniere des US-Films in den Mittelpunkt stellt: Den Bühnenschauspieler und Stummfilmregisseur Francis Boggs und den Produzenten William Nicholas Selig. 1907 war Chicago eine Zweimillionenstadt und hatte 116 Lichtspielhäuser. In Hollywood lebten damals 800 Menschen. Ein Kino gab es in dem Kaff natürlich nicht. Und doch machte Hollywood das Rennen. Wie es dazu kam, das erzählt Wunnicke berührend und mit viel Humor. "Erleben Sie Hollywood, den Brautstrauß von Kalifornien", heißt es an einer Stelle im Buch, "ein Entwicklungsgebiet" mit nichts anderem als Schildern von Immobilienmaklern. Man hatte Platz, gutes Wetter, und keiner machte einem Vorschriften. Die ideale Spielwiese also für erfindungsreiche Filmpioniere. Dass das Hollywood-Kino in nur wenigen Jahrzehnten zur größten und mächtigsten Unterhaltungsmaschinerie der Welt werden würde, das ahnten auch Boggs und Selig damals nicht.

Christine Wunnicke: Selig & Boggs - Die Erfindung von Hollywood, Berenberg Verlag 2013, 112 Seiten, ISBN 978 3 937834 59 7.