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Kino zum Lesen: Alain Resnais & Bertrand Tavernier

Das französische Kino ist reich an großen Filmemachern. Über zwei bedeutende Regisseure der älteren Generation liegen jetzt Monografien in deutscher Sprache vor: Alain Resnais und Bertrand Tavernier.

Der eine wird von manchen noch zur Gruppe der Nouvelle Vague gezählt. Der andere stammt aus einer jüngeren Generation, die das Erbe der Kinorevolutionäre um Truffaut und Godard antraten. Alain Resnais ist mittlerweile stolze 90 Jahre alt. Doch mit ungebrochener Schaffenskraft ausgestattet, stellte er noch im Mai in Cannes (unser Foto) seinen neuesten Film "Vous n’avez encore rien vu" vor. Bertrand Tavernier, zwanzig Jahre jünger, begann seine Laufbahn als Regisseur Ende der 1960er Jahre und hat mit seinem letzten Opus "Die Prinzessin von Montpensier" vor zwei Jahren noch einmal ein Meisterwerk abgeliefert. Beide stehen für die Kraft und Vielfalt des französischen Kinos - wenn auch aus ganz unterschiedlichen Gründen. Darüber berichten zwei neue Bücher.

Berühmt mit Bildern aus den befreiten Konzentrationslagern

Resnais wurde 1955 schlagartig berühmt, als er in seiner mittellangen Dokumentation "Nacht und Nebel" Filmaufnahmen von der Befreiung der Konzentrationslager einsetzte. Im Anschluss folgten dann seine inzwischen legendären Filme "Hiroshima, mon amour" und "Letztes Jahr in Marienbad". Auch darum geht es in Sophie Rudolphs Monografie "Die Filme von Alain Resnais - Reflexionen auf das Kino als unreine Kunst", das auf eine Promotion zurückgeht. Rudolph verweist zunächst auf die Tatsache, dass sich der Regisseur stets jeder Kategorisierung entzog - auch in seiner Heimat: "Symptomatisch für die Schwierigkeit, Alain Resnais einzuordnen, erscheint (...) die Ratlosigkeit, mit der die französische Filmindustrie seinen Spielfilmen zunächst gegenüberstand."

Szene aus Vous n’avez encore rien vu mit Lambert Wilson (Foto: Verleih)

Lambert Wilson in "Vous n’avez encore rien vu"

Anders als Truffaut und Chabrol, die alle jünger waren, aber ungefähr zu gleichen Zeit berühmt wurden, stand Resnais nicht unbedingt für ein modernes Kino des Aufbruchs. Resnais rannte nicht gegen die alten Zöpfe des französischen "Kinos des Qualität" an, er entwickelte seine ganz eigene Filmästhetik. Der gebürtige Bretone war immer ein kühler Stilist, der sich am Nouveau Roman ebenso orientierte wie am Theater, musikalischen Inszenierungen und populären Formen der Unterhaltung wie dem Comic. Ausgehend vom großen französischen Kritiker André Bazin und seiner Theorie des Kinos als "unreine Kunst", die sich zur Literatur und Theater bekannte und diese als Ergänzung zur filmischen Form positiv deutete, beschreibt die Autorin die einzelnen Abschnitte im Werk des Alain Resnais. Herausgekommen ist eine sehr genaue, detailreiche Monografie über einen nach wie vor vitalen Künstler.

Vielfalt der Themen

Auf ein ganz anderes Konzept setzt die bewährte Reihe "Film-Konzepte". Die widmet sich in einem ihrer neueren Bände Resnais' Landsmann Bertrand Tavernier. Hier sind es jeweils mehrere Autoren, die sich einem einzelnen Film oder einem wichtigen Thema im Werk des vorgestellten Regisseurs widmen. Bei Tavernier, der einige der schönsten französischen Filme der 80er und 90er Jahre gedreht hat ("Ein Sonntag auf dem Lande", "Um Mitternacht") sind dies beispielsweise die immer wieder auftauchenden Generationenkonflikte, historische Stoffe oder die Beschäftigung mit jüngerer französischer Geschichte und deren Aufarbeitung in der Gesellschaft.

Szene aus Die Prinzessin von Montpensier von Betrand Tavernier (Foto: Studiocanal/Arthaus)

Mélanie Thierry ist "Die Prinzessin von Montpensier"

Dass auch Tavernier noch in hohem Alter nichts von seiner künstlerischen Kraft verloren hat, bewies er mit seinem jüngsten Werk "Die Prinzessin von Montpensier", einem Film, der - wie Gerhard Midding in seinem Essay schreibt - , in seiner Vielstimmigkeit stellvertretend für das Oeuvre dieses Regisseurs steht: "Die stilistische Offenheit entspricht Taverniers Wunsch, sich beharrlich Rechenschaft abzulegen über das Ethos des Erzählens und die eigenen Wurzeln im Kino."

Sophie Rudolph: Die Filme von Alain Resnais, Reflexionen auf das Kino als unreine Kunst, und Film Konzepte 25: Bertrand Tavernier, hrsg. von Thomas Koebner und Fabienne Liptay. Beide Bücher sind im Verlag "edition text + kritik" erschienen. "Die Prinzessin von Montpensier" liegt seit kurzem auf DVD beim Anbieter Studiocanal vor.

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