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Kultur

Kino verbindet

Kino kann aktuelle globale Probleme aufgreifen, Gemeinschaft stiften und Visionen entwickeln. Im besten Fall ist das preiswürdig.

David Kato war ein überaus sympathischer Mann. Und mutig war er auch. Denn er hat keinen Hehl daraus gemacht, dass er schwul ist. Er hat sich nicht versteckt und für die Anerkennung sexueller Minderheiten in Afrika gekämpft. Obwohl ihm blanker Hass entgegenschlug. In Uganda, Katos Heimatland, wird Homosexualität geächtet. So, wie in 36 anderen Ländern Afrikas auch.

Evangelikalische Gruppierungen und selbsternannte Verteidiger angeblich afrikanischer Werte machen massiv Stimmung gegen Homosexuelle, eine Zeitung namens Rolling Stone (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Musikmagazin!) titelte im Oktober 2010 "Hängt sie" und veröffentlichte Bilder und Adressen von 100 "Top-Homos" in Uganda. Das Foto von David Kato zierte die Seite eins. Ein Gesetz, das die Todesstrafe für Homosexuelle ermöglicht hätte, wurde nur infolge massiven Drucks aus dem Ausland nicht verabschiedet. David Kato wurde Ende Januar 2011 tot in seinem Bett aufgefunden, erschlagen von einem Hammer.   

Extreme Homophobie

David Kato (Foto: berlinale)

David Kato

Die amerikanischen Filmemacherinnen Malika Zouhali-Worrall und Katherine Fairfax Wright haben den Aktivisten in seinem letzten Lebensjahr mit der Kamera begleitet. In ihrem Dokumentarfilm "Call me Kuchu" erzählen sie von ihm und dem Leben seiner Mitstreiter, von Demütigungen, der ständigen Angst vor Angriffen, aber auch von seltenen Glücksmomenten und gemeinsamen Festen.

Sie lassen christliche Fanatiker zu Wort kommen und Bischof Christopher Senyonjo, der sich als einziger Vertreter seines Glaubens demonstrativ hinter die Verfolgten stellt. Er ist es denn auch, der eingreift, als ein anglikanischer Priester während der Trauerfeier für David Kato gegen die Homosexuellen wettert und dem Ermordeten prophezeit, er werde in der Hölle enden.

Genau hinsehen

Am Sonntag, dem letzten Tag der Berlinale, ist "Call me Kuchu" nun mit dem Filmpreis "Cinema Fairbindet" des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ausgezeichnet worden. Diese Auszeichnung ist mit 5000 Euro dotiert und wurde im letzten Jahr erstmals vergeben. Gestiftet hat das BMZ den Preis, weil es Zugang zu mehr Bürgern sucht, die sich in der Entwicklungskooperation engagieren könnten.

Über das Medium Film könne man sie wesentlich leichter erreichen und für die entsprechenden Themen interessieren als mit trockenen politischen Reden, ist Entwicklungsminister Dirk Niebel überzeugt. Denn Filme besäßen die ästhetische, narrative und emotionale Kraft, dem Publikum zu zeigen, wie Menschen in den Partnerländern der internationalen Zusammenarbeit leben und worauf sie hoffen.

Zeitung mit Schmähtitel (Foto: Berlinale)

Aufruf zum Hass gegen Homosexuelle

Insgesamt neun Filme, in denen Aspekte der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit verhandelt werden, hatten die Leiter der verschiedenen Berlinale-Sektionen einer unabhängigen Jury zur Sichtung empfohlen. Es sei erstaunlich gewesen, sagt Dorothee Wenner, zuständig für das Programm des "Forum des jungen Films" und Delegierte der Berlinale für Afrika/Subsahara und Indien, wie viele der Berlinale-Beiträge Aspekte der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit berühren – also beispielsweise die Auswirkungen der Globalisierung, Menschenrechtsverletzungen, Klimawandel, Migration und Armut.

Für den Preis "Cinema verbindet" wurden dann Produktionen nominiert, die noch keinen Verleih haben, sich aber besonders dafür eignen, von einem großen Publikum in Deutschland diskutiert zu werden. Denn der Preisträger "Call me Kuchu" wird auf einer sogenannten Roadshow durch Deutschland reisen. Vorgesehen sind 25 Stationen. Bei der Abschlussveranstaltung des letztjährigen Gewinners war Entwicklungsminister Dirk Niebel dabei. Der Zuspruch sei riesig gewesen, freut er sich. 

Autorin: Silke Bartlick
Redaktion: Sabine Faber

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