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Alltagsdeutsch – Podcast

Kindersprachspiele

Das digitale Zeitalter hat unverkennbar Spuren hinterlassen auf dem Spielzeugmarkt – und auch bei vielen Kindern, die nun immer größere Schwierigkeiten haben, die Sprache zu erlernen. Sprachspiele können helfen.

Ute Kannengießer:

"Der Spielzeugmarkt boomt. Es kommen immer neue Spiele auf den Markt. Manche Sachen sind wirklich, sind Eintagsfliegen. Man vergisst das dann auch sofort wieder."

Sprecherin:

Ute Kannengießer, Erzieherin in der Kindertagesstätte Rolandstraße e.V. in Köln, sagte, dass der Spielzeugmarkt boomt.

Sprecher:

Das Wort Boom kommt aus dem Englischen und bedeutet "Aufschwung", das heißt in unserem Fall, dass in den Geschäften sehr viele Spielsachen angeboten werden und die Leute immer mehr davon kaufen. Unter den Spielsachen gibt es aber auch die so genannten Eintagsfliegen. Die Eintagsfliege ist eigentlich ein Insekt, das, sobald es aus der Larve geschlüpft ist, schon nach wenigen Stunden wieder tot ist. Ein so kurzes Leben können auch Spielsachen haben, wenn sie keiner kaufen will. Sie verschwinden dann sofort wieder aus den Geschäften, so, als ob sie niemals da gewesen wären.

Sprecherin:

Es gibt aber auch Spiele, die es schon seit langer Zeit gibt und die die neuen Spiele überleben werden. Das sind vor allem solche, die sehr einfach zu spielen sind. Dazu gehören Wortspiele und speziell Kinderwortspiele.

Ute Kannengießer:

"Diese althergebrachten Spiele müssen sich das Feld jetzt teilen. Es wäre schade, wenn sie in Vergessenheit geraten, aber, na ja, wir werden sehen."

Sprecher:

Im Gegensatz zu den althergebrachten Spielen gibt es auch neue und moderne. Alte und neue Spiele existieren zu gleichen Teilen nebeneinander. Sie teilen sich also das Feld oder eben auch das Regal im Geschäft. Die althergebrachten Spiele haben eine lange Tradition und wurden schon von unseren Eltern und Großeltern gespielt. Wenn diese Spiele immer wieder gespielt werden, geraten sie nicht in Vergessenheit. Das heißt, wir erinnern uns an sie. Wie beim Erlernen einer neuen Sprache, wenn die Vokabeln immer wieder wiederholt werden müssen, um sie nicht zu vergessen.

Sprecherin:

Ute Kannengießer hat als Kind auch solche Wortspiele gespielt. Als Erzieherin und somit Profi in Sachen Spiele kennt sie die Vorteile von Wortspielen.

Ute Kannengießer:

"Wir haben das früher viel gemacht. Vor allen Dingen, weil die auch so unkompliziert sind. Man kann die so aus dem Stegreif spielen und man braucht keine aufwändigen Mittel."

Sprecher:

Ursprünglich bedeutet Stegreif "Steigbügel". Der Steigbügel ist der Teil eines Sattels, in den man seinen Fuß stellen muss, um zum Beispiel auf den Rücken eines Pferdes zu kommen. Hier hat Stegreif die Bedeutung, dass etwas ganz einfach, also ohne aufwändige Mittel und ohne Vorbereitung gemacht werden kann.

Sprecherin:

Wenn Erwachsene gefragt werden, ob sie Kinderwortspiele kennen, dann wird das sofort bejaht und heftig mit dem Kopf genickt. Wenn sie dann aber gefragt werden, welche es denn gibt, kommen die Antworten nur ganz zögernd. Nach ein paar Hilfestellungen und Überlegungspausen fällt den meisten aber doch eines ein.

O-Ton:

"Stille Post geht, da sitzt man im Kreis mit vielen Leuten. Und der eine erzählt dem nächsten 'ne Geschichte, und der sagt sie dem nächsten – aber immer ins Ohr, ganz still und leise. Und am Ende kommt dann meistens ganz 'ne andere Geschichte dabei raus. Im Grunde lernt man bei Stille Post, wie entstehen Gerüchte."

Sprecher:

Gerücht bedeutet Gerede. Es wird über jemanden geredet. Und das, was geredet wird, ist meistens nicht wahr. Oft werden Geschichten erfunden, um einem Menschen damit zu schaden. Manchmal entstehen Gerüchte aber auch dann, wenn etwas nicht richtig verstanden wurde und falsch weitererzählt wird, so wie das bei dem Spiel Stille Post geschieht.

Sprecherin:

In einem Kölner Buchladen, der den Namen "Wortspiel" trägt, gibt es jede Menge Bücher und auch Spiele für Groß und Klein zu kaufen. Der Inhaber erinnert sich an seine Kindheit.

O-Ton:

"In Kinderzeiten immer. Wir haben also... wir brauchten kein Spielmaterial. Wir haben also abends im Bett gelegen. Ich bin mit mehreren Geschwistern aufgewachsen, und wir haben im Bett gelegen und haben uns Teekesselchen erzählt. Oder Ich sehe was, was du nicht siehst. Das ist wirklich Spiel mit dem Wort und Spiel mit der Sprache."

Sprecherin:

Das Spiel Teekesselchen ist bei Kindern ein sehr beliebtes Wortspiel. Ein Grund dafür ist, dass es sehr einfach zu spielen ist.

O-Ton:

"Da braucht man keine Anleitung, da braucht man nichts für. Die werden von Generation zu Generation weitergegeben. Ich wüsste jetzt nicht, dass man, dass es eine Anleitung gibt, die Teekesselchen zum Beispiel hat als Spielanleitung. Andererseits gibt es natürlich Spielekarteien. Da gibt's dann schon für den Pädagogen zum Beispiel so Hilfen, was es alles noch gibt und so. Sammlungen von solchen Spielen."

Sprecher:

Heutzutage gibt es für fast alle Spiele eine Spieleanleitung. Meistens sind das kleine Hefte, in denen die Spielregeln aufgeschrieben sind. Früher gab es diese Hefte nicht. Deshalb wurden die Spiele und deren Regeln mündlich weitergegeben. Die Eltern erzählten sie ihren Kindern und die Kinder wiederum ihren Kindern, den Nachkommen. So werden Spiele oder auch Geschichten von Generation zu Generation weitergegeben und vererbt. In den Spielekarteien, die der Buch- und Spielehändler erwähnt hat, sind Spiele und deren Regeln gesammelt. Diese Karteien gibt es entweder zu kaufen, oder sie stehen in Bibliotheken, so dass jeder darin nachschauen kann. Besonders gerne schauen Pädagogen, also Lehrer oder Erzieher, in solchen Karteien nach, wenn sie Ideen für den Schulunterricht brauchen. Pädagoge kommt aus dem Griechischen. Der Pädagoge war ursprünglich ein Sklave, der die Kinder führte und begleitete. Daraus hat sich dann die Bedeutung "Lehrer" und "Betreuer" entwickelt.

Sprecherin:

Was für ein Spiel ist denn nun besagtes Teekesselchen? Jelena aus der Kindertagesstätte Rolandstraße kann es erklären.

Jelena:

"Also, zwei tun sich zusammen, und dann tun die sich so 'n Wort ausdenken, was nicht das gleiche ist, aber so den gleichen Namen hat. So wie die Computer-Maus und die Maus. Und dann müssen die anderen das erraten."

Sprecherin:

Hier ein Beispiel eines Teekesselchens:

Sarah und Jelena:

"Mein Teekesselchen ist ganz, ganz weit weg." / "Mein Teekesselchen ist ein Gebäude." / "Mein Teekesselchen, da kann man hinfliegen." / "Mein Teekesselchen, da kann man einkaufen." / "Mein Teekesselchen, das ist rund und hat so einen Kreis." / "Ah, ein Planet dann. Planet, ja. Pluto?" / "In meinem Teekesselchen ist viel Betrieb." / "Die Flora weiß es, glaub' ich." / "Saturn." / "Genau." / "Was? Was?" / "Saturn."

Sprecher:

Der eine Teil des Teekesselchens, den Sarah und Jelena erklärt haben, ist sehr speziell für Deutschland. "Saturn" ist der Name für ein Geschäft, in dem man CDs, Musikkassetten, Computer und vieles mehr kaufen kann. Diese Geschäfte namens "Saturn" gibt es in allen Großstädten Deutschlands. Und mit dem anderen Teil des Teekesselchens ist der Planet Saturn gemeint.

Sprecherin:

Wortspiele sind auch deshalb so beliebt, weil sie immer und überall gespielt werden können – sogar beim Autofahren.

O-Ton:

"Ich spiele mit meinen Kindern genauso: Ich sehe was, was du nicht siehst. Und wenn wir im Auto unterwegs sind, packen wir auch den Koffer mit diversen Sachen: mit alten Socken, dem Hund und was einem einfällt, was möglich und unmöglich ist."

Sprecher:

Wenn hier der Koffer mit diversen Sachen gepackt wird, dann bedeutet das, dass viele verschiedene und unterschiedliche Sachen hineinkommen. Und weil das Ganze nur ein Spiel ist, ist es auch möglich, Sachen einzupacken, die normalerweise nicht in einen Koffer gehören: Hunde sollten zum Beispiel lieber nicht in einen Koffer gepackt werden. Aber hier sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt, so dass wirklich alles mitgenommen werden kann.

Reporterin:

Bei dem Spiel Ich packe meinen Koffer packen die Kinder Dinge ein, die sie für wichtig halten. Bei jeder Runde kommt ein weiterer Begriff dazu. Dabei wird auch die Konzentration geschult. Aber natürlich darf von den Mitspielern geholfen werden.

O-Ton:

"Ich packe meinen Koffer, und ich tue Anziehsachen rein. Und ich packe meinen Koffer und tue noch Schläppchen rein. Ich packe meinen Koffer und tue noch Schuhe rein."

Sprecherin:

Und diese Dinge sind im Koffer, wenn schon einige Runden gespielt wurden. Jenny packt für uns zusammen:

Jenny:

"Ich packe meinen Koffer und nehme Anziehsachen, Schläppchen, Schuhe, Badeanzug, Ball, Buch, Bild, Fernglas, Sandspielsachen, Sonnenbrille, Regenschirm, Bürste, Rucksack und Käppi, eine Zahnbürste."

Sprecher:

In dem Koffer, den die Kinder zusammengestellt haben, sind viele nützliche Sachen, zum Beispiel Anziehsachen. Das ist ein Sammelbegriff für verschiedene Kleidungsstücke, wie eine Hose, ein Kleid oder ein Pullover. Mit Schläppchen sind bequeme Hausschuhe gemeint. Und ein Käppi ist eine Kappe oder Mütze. Hier ist aber speziell eine Baseball-Kappe gemeint.

Sprecherin:

Von den Regeln her sind die Spiele sehr einfach, aber nicht für alle sind sie auch einfach zu spielen. Kinder, die sich schlecht konzentrieren können oder deren Wortschatz noch nicht so groß ist, können Probleme haben. Besonders schwierig ist es für ausländische Kinder, die die neue Sprache noch nicht gut sprechen. Das kann auch zu Unlust führen, weiß die Erzieherin Ute Kannengießer.

Ute Kannengießer:

"Der eine merkt, ich kann das noch gar nicht, und für den anderen ist es langweilig, weil, da kommt kein Spielfluss in Gang. Das ist natürlich schade. Denn gerade durch solche Spiele besteht ja die Möglichkeit, den Wortschatz zu erweitern. Aber wenn der Spaß auf der Strecke bleibt, dann ist es schon frustrierend."

Sprecher:

Spielen kann manchmal auch frustrierend sein. Dann sind die Spieler enttäuscht und haben keine Lust mehr weiterzuspielen. Ein Grund für diesen Frust kann sein, dass kein Spielfluss in Gang kommt. Das passiert, wenn eine Situation oder eine Person störend ist. Wir kennen das gut vom Autofahren: Auf der Autobahn ist ein Unfall. Daraufhin bildet sich ein Stau, der verhindert, dass der Verkehr weiterfließen kann. Viele Leute werden dann nervös oder fangen an zu fluchen, weil das Autofahren so keinen Spaß mehr macht. Der Spaß bleibt dann auf der Strecke, das heißt, er ist verloren gegangen.

Sprecherin:

Wortspiele sind sehr geeignet, um zum Beispiel eine Sprache besser zu lernen. Aber im Zeitalter der Computer hat sich auch in diesem Bereich sehr viel getan. In der Kindertagesstätte Rolandstraße ist man auf dem neuesten Stand. Dort stehen den Kindern zwei Computer zum Arbeiten und Spielen zur Verfügung. Natürlich wird sorgfältig ausgewählt, welche Programme für die Kinder geeignet sind.

Ute Kannegießer:

"Aber das Spielverhalten der Kinder hat sich in den letzten Jahren wirklich extrem verändert. Und das, was die Kinder früher durch diese Wortspiele gelernt haben, das lernen die Kinder heute durch die Lernprogramme."

Sprecher:

Lernprogramme sind Computerprogramme, die Kindern bei Problemen in der Schule helfen sollen. In solchen Programmen wird Schritt für Schritt erklärt, wie zum Beispiel ein Rasenmäher funktioniert.

Reporterin:

In der Buchhandlung "Wortspiel" geht man auch mit der Zeit und hat das Sortiment erweitert. Die Reaktion der Kinder ist allerdings nicht immer positiv.

O-Ton:

"Programme für Grundschüler, ja, das gibt's auch. Hab' ich auch im Programm. Wobei natürlich – sobald "Lernen" dahinter steht, die Kinder schon gleich die Ohren wegklappen und sagen: Uh, uh, nicht mit mir!"

Sprecher:

Im Programm haben bedeutet, dass man etwas im Angebot hat, das gekauft werden kann. Natürlich können Kinder ihre Ohren nicht wirklich wegklappen, wie man zum Beispiel ein Fenster weg- oder zuklappen kann. Es bedeutet, dass Kinder oft keine Lust und kein Interesse haben, sobald sie etwas lernen müssen. Sie tun dann so, als hätten sie nichts gehört und gehen lieber spielen.

Sprecherin:

Zum Schluss noch eine besondere Form von Wortspiel. Das ist der Reim oder Auszählreim. Der eignet sich besonders gut, wenn zum Beispiel Mannschaften oder Teams gewählt werden sollen und sich niemand entscheiden kann, wer mit wem zusammen spielen soll. Hier zwei Beispiele:

O-Töne:

"So Zip-Zap." / "Eins, zwei, drei und du schiebst ab. Lang schiebst du noch lange nicht, sag' mir erst, wie alt du bist." / "Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, eine alte Frau kocht Rüben. Eine alte Frau kocht Speck, und du bist weg."

Sprecher:

So, jetzt sind auch wir weg. Hoffentlich sind Ihnen beim Zuhören die Ohren nicht weggeklappt, sondern haben Sie im Gegenteil Ihre Ohren weit aufgesperrt. Und vielleicht haben Sie einige Anregungen zum Spielen bekommen.

Fragen zum Text:

Etwas, das verloren gegangen ist, ist …

1. weggeklappt.

2. auf der Strecke geblieben.

3. von Generation zu Generation weitergegeben worden.

Eine Eintagsfliege

1. ist sehr schnell.

2. lebt sehr kurz.

3. ist nachtaktiv.

Zu Anziehsachen gehören keine …

1. Hosen.

2. Pullover.

3. Schuhe.

Arbeitsauftrag:

Probieren Sie die Sprachspiele aus: Spielen Sie "Teekesselchen", "Ich packe meinen Koffer", "Stille Post" oder "Ich sehe was, was du nicht siehst" – auf Deutsch natürlich.

Autorin: Cornelia Stenull

Redaktion: Ingo Pickel

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