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Politik

Kindersoldaten im Kongo: Wer flieht, lebt gefährlich

Ganz gleich, wer im Kongo die Wahl gewinnt - er wird mit den Hypotheken des Krieges fertig werden müssen. Zu den Problemen zählen hunderttausende Flüchtlingen, die Soldaten der Rebellenarmeen - und die Kindersoldaten.

Kindersoldat der Rebellenbewegung Union Kongolesischer Patrioten

Kindersoldat der Rebellenbewegung "Union Kongolesischer Patrioten" (Archivbild)

Ein Jahr ist es her, dass der 15-jährige Pascal Dézonga aus dem Dorf Katoto im Osten des Kongo sich einer bewaffneten Gruppe anschloss. "Hier tobte ein Krieg und um meine Leute zu verteidigen, bin ich zur Armee gegangen, dort habe ich eine militärische Ausbildung und eine Waffe bekommen", erzählt er. "Aber als ich gesehen habe, wie die Militärs leben, habe ich es vorgezogen, nach Hause, zu meinen Eltern, zurückzukehren."

Er hatte Glück, dass sich die Lage in seiner Heimatregion Ituri kurz nach seiner Flucht von der Rebellengruppe etwas beruhigte. Trotzdem ist seine Zukunft ungewiss. Denn - und das unterstreicht ein Bericht von Amnesty International - es sind gerade die 30.000 ehemaligen Kindersoldaten, die am wenigsten unterstützt werden.

Unbeachtetes Problem

Drei bewaffnete Kindersoldaten

Kindersoldaten einer von Uganda unterstützten Gruppe

Während die Regierung versucht, die erwachsenen Rebellen in die reguläre Armee einzugliedern und dafür auch finanzielle Anreize bietet, bleibt das Problem der Kindersoldaten und ihrer Wiedereingliederung in Familie und Schule weitgehend unbeachtet. Cécile Marchand, die in der ostkongolesischen Stadt Goma die Kinderhilfsorganisation “Save the Children” leitet, versucht diesen Kindern eine neue Perspektive zu geben. Doch das ist schwierig, weil das Anwerben von Kindersoldaten nicht konsequent geahndet wird und die verbliebenen Rebellen immer wieder versuchen, diese Kinder in ihre Fänge zu bekommen.

"Es gibt Berichte über Entführungen und Rekrutierungen von Kindern, vor allem in dieser Region", sagt sie. "Manche Rebellenführer haben uns vorgeworfen, dass wir die Reintegration nicht genügend unterstützen würden. Deswegen kommen sie zu uns zurück. ,Wir sind ihre Familie', behaupteten sie." Doch auch Kinder, die zur Schule gehen, einen Beruf lernen oder ein kleines Geschäft betreiben, würden wieder angeworben.

In den Armeen der Rebellen wurden und werden diese Kinder als Soldaten, Träger, Diener oder Sexualobjekte ausgebeutet. Nach wie vor gehören Amnesty International zufolge mindestens 11.000 Kindersoldaten den bewaffneten Gruppen im Kongo an. Viele von ihnen sind Mädchen, die von Soldaten vergewaltigt wurden und anschließend als Sex-Sklavinnen gehalten werden.

Spione im Lager

Nur unter Todesgefahr ist es möglich, diesen bewaffneten Gruppen zu entkommen. Und selbst dann sind die Kinder immer noch nicht sicher, erklärt Marchand. So habe der 13-jährige Rafiki nach seiner Flucht aus einer Rebellengruppe um Asyl in einem Übergangslager für Kinder gebeten. "Aber er fand heraus, dass seine ehemaligen Mitkämpfer dort Spione hatten." In seinem Heimatort sei die Rebellengruppe, die ihm ihren Namen eintätowiert hatte, noch aktiv gewesen, so dass er auch nicht zu seiner Familie zurückkehren könnte - denn entflohene Kindersoldaten würden von den Rebellen als Verräter geköpft. "Er ist dann per Flugzeug an einen sehr weit entfernten Ort geflogen, übergangsweise in eine Gastfamilie gekommen, hat mit anderen Kindern aus dem Dorf eine Mechanikerlehre gemacht und sich drei Operationen unterzogen, um das Tattoo zu entfernen." Seit drei Monaten könne er nun wieder bei seiner Familie leben.

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