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Musik

Kinderoper Brundibár in Israel

Sie wurde im KZ komponiert und aufgeführt. Nur wenige Darsteller überlebten. Vor fünf Jahren führte der Leipziger Gewandhaus-Kinderchor die besondere Oper wieder auf. Jetzt ist er damit zum Gastspiel in Israel.

Szene aus der Kinderoper Brundibár (Foto: Gerth Mothes/ Leipziger Gewandhaus)

"Wir sind gut im Hotel Galil gelandet!", schreibt Maria Hoffmann am Dienstag Abend in knappen Zeilen ins Reisetagebuch des Leipziger Gewandhaus-Kinderchors. Mit den Hotelzimmern seien alle sehr zufrieden, "das Abendbrot war ausgezeichnet und das Wiedersehen mit den Kindern vom Moran Choir sehr bewegend." Eine schöne Idee, dieses Online-Tagebuch im Internet, das vor allem für die Eltern der Chorkinder gedacht ist. Die können auf der Seite die Reise ihrer Söhne und Töchter mitverfolgen, ihnen Grüße schicken, Fotos anschauen oder auch Fragen ans Team loswerden, falls sie sich zu Hause einmal Sorgen machen sollten. Seit dem 19. Januar, dem Anreisetag, sind täglich ein paar Nachrichten hinzugekommen, etwa dass die Proben mit dem israelischen Moran Choir gut liefen und sie dabei ordentlich geschwitzt hätten, Tel Aviv leider ziemlich verregnet sei und sie gemeinsam und erfolgreich Tims 13. Geburtstag gefeiert hätten. Der Leipziger Gewandhaus-Kinderchor scheint sich wohl zu fühlen bei seiner Reise durch die Konzertsäle Israels.

Letzte Proben in Leipzig

Regisseur Philipp Neumann gibt bei der Probe letzte Anweisungen (Foto: Gerth Mothes/ Leipziger Gewandhaus)

Der Regisseur in seinem Element

Nur wenige Tage zuvor probte der Kinderchor ein letztes Mal vor der Abreise im großen Mendelsohn-Saal des Leipziger Gewandhauses. Mit Engelsgeduld und klaren Anweisungen versuchten Regisseur Philipp Neumann und Chorleiter Frank-Steffen Elster Ordnung in den bunten, ziemlich aufgeregten Haufen der 45 mitwirkenden Kinder und Jugendlichen zu bringen. Die Kinderoper "Brundibár" sei eine sehr einfache und schöne Geschichte, "die Kinder gut nachvollziehen können", meint Frank-Steffen Elster. Es gibt zwei Geschwister, Aninka und Pepíček, die für ihre kranke Mutter Milch holen wollen, damit sie wieder gesund wird. Aber sie sind arm und haben kein Geld. "Doch dann kommen sie auf den Markt und da ist dieser Leierkastenmann Brundibár, der macht mit seiner Musik alle glücklich und bekommt dafür Geld." Das wollen die Kinder auch probieren: Sie singen für Geld und vor allem für ihre kranke Mutter.

Leben im Konzentrationslager

Moran Choir gemeinsam mit dem Gewandhaus-Kinderchor(Foto: Gerth Mothes/ Leipziger Gewandhaus)

Gemeinsam Geschichte erlernen

Die 1938 vom Prager Hans Krása komponierte Kinderoper hat eine bewegende Geschichte. "Brundibár" entstand in der Nazi-Zeit, wurde 55 Mal im KZ Theresienstadt aufgeführt, von jüdischen Kindern gespielt, von denen am Ende nur wenige überlebten. Der Komponist selbst war in Theresienstadt interniert, wurde 1944 in Auschwitz ermordet. Die Nazis missbrauchten abgefilmte Ausschnitte des Stückes in ihrem perfiden Propagandastreifen: Der Führer schenkt den Juden eine Stadt, um der deutschen Öffentlichkeit ein normales Leben im KZ vorzugaukeln. Regisseur Philipp Neumann und Chorleiter Frank-Steffen Elster haben diese Hintergründe in ihre Inszenierung eingebaut. Am Ende zeigen sie Originalaufnahmen von einem Schlusschor aus Theresienstadt auf einer Leinwand, die zum riesigen Leichentuch wird. Das ist ergreifend und unendlich bedrückend zugleich.

Zu Gast bei Freunden

Szene aus der Kinderoper Brundibár - der israelische Moran Choir gemeinsam mit dem Leipziger Gewandhaus-Kinderchor (Foto: Gerth Mothes/ Leipziger Gewandhaus)

Gemeinsam Geschichte erleben

Die Mädchen und Jungen des renommierten Leipziger Gewandhaus-Kinderchors sind zwischen 9 und 18 Jahre alt. Das erste Mal haben sie "Brundibár" vor knapp fünf Jahren im eigenen Haus aufgeführt, zuletzt im März vergangenen Jahres. Das war gemeinsam mit dem israelischen Kinderchor "Moran Choir", mit dem sie nun auch in Israel auftreten. Die 40 Israelis wohnten damals bei den Leipzigern zu Hause. "Eine besondere Erfahrung", erinnert sich die 16-jährige Maria. Irgendwann habe sie sich sogar mit ihrem Gast Yftach zusammengesetzt und über die politische Situation in Israel gesprochen. "Das hat mir ein ganz anderes Bild gegeben."

Anstrengend, aber wunderschön

Zehn Monate sind seitdem vergangen, einige Chorkinder haben lose Kontakt gehalten, über Facebook, SMS und Email. Eigentlich sollte die Israel-Reise der Leipziger nur wenige Wochen nach dem Besuch des "Moran Choir" beginnen, doch das scheiterte erst einmal am Geld. Es fehlten Sponsoren. Bis zum Herbst letzten Jahres stand die Reise auf der Kippe. Nun ist es endlich soweit, seit Dienstag weilt der Leipziger Kinderchor endlich zum längst fälligen Gegenbesuch in Israel. "Auf allzu viel Freizeit sollten sich die Chorkinder aber besser gar nicht erst einstellen", meint lächelnd der Chorleiter, das zehntägige Programm habe es nämlich in sich. Und so liest es sich tatsächlich auch: Drei Aufführungen von "Brundibár" in Richon LeZion nahe Tel Aviv sind geplant, dazu mehrere offizielle Empfänge, ein musikalischer Beitrag bei einer Ausstellungseröffnung, Gespräche mit Zeitzeugen und ein Besuch in der Holocaust-Gedenkstätte "Yad Vashem". Ein Blick ins Reisetagebuch verrät allerdings, dass an den ersten Tagen zwar täglich geprobt wurde, aber trotzdem noch Zeit für einen ausgiebigen Besuch auf dem Flohmarkt von Tel Aviv war und der Ausflug nach Caesarea spannend war. Das schreibt Vanessa und grüßt im Namen der Chorkinder alle Eltern und Leipziger. "Nun ist ein langer und anstrengender, aber wunderschöner Tag zu Ende. Wir gehen, nun aufgeregt auf den nächsten Tag, zu Bett."

Autor: Ronny Arnold

Redaktion: Conny Paul