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Kultur

Kinderhandel nimmt zu

Der weltweite Kinderhandel nimmt nach Erkenntnissen des Kinderhilfswerks terre des hommes rapide zu. Mehr als 100.000 Kinder würden pro Monat weltweit verkauft und ausgebeutet, heißt es in einer Studie.

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Weltweit müssen Kinder arbeiten

Die Zahlen, die das Kinderhilfswerk terre des hommes in Sachen Kinderhandel präsentiert, sind alarmierend: Nach Schätzungen werden jährlich rund eine Million Kinder verkauft und versklavt. Damit ist der Handel mit Minderjährigen fast so lukrativ wie der mit Waffen und Drogen. Die verkauften Kinder müssen ihr Dasein in unmenschlichen Verhältnissen fristen - als Arbeitssklaven, Prostituierte oder Hausmädchen. Dabei ist der Kinderhandel längst nicht mehr ein Phänomen, das auf Entwicklungsländer beschränkt sei, so Boris Scharlowski, Koordinator der Kampagne gegen Kinderhandel bei terre des hommes Deutschland.

"Allein aus den Staaten Süd- und Osteuropas gelangen nach Schätzungen der OSZE und des UNHCR pro Jahr 120.000 Frauen und Kinder in die bisherigen Mitgliedsstaaten der EU. Nach Auskunft des Europarates sind alle 45 Mitgliedsstaaten vom Phänomen des Kinderhandels betroffen", so Scharlowski. "Gemäß der OSZE stammen gehandelte Frauen und Kinder in Westeuropa hauptsächlich aus dem Kreise der EU-Beitrittsländer sowie weiteren Ländern Osteuropas wie z.B. der Russischen Föderation, aus Albanien oder aus Rumänien."

Empfänger in Westeuropa

Und die Empfängerländer seien vor allem die Niederlande, Belgien, Deutschland und Frankreich. Denn: die Minderjährigen werden von ärmeren in reichere Staaten gehandelt. Und das Geschäft mit Kindern ist gewinnbringend. So kostet laut Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa OSZE ein auf dem Markt von Timisoara in Rumänien gehandeltes Mädchen zwischen 45 und 175 Euro. Im Empfängerland beträgt der Preis das Zehnfache. Und die Grenzen zwischen Kinderhandel und anderen kriminellen Aktivitäten sind fließend.

"Dabei dient der Verkauf von Kindern häufig als Türöffner für weitere illegale wirtschaftliche Aktivitäten wie Drogenhandel, Prostitution. Das florierende Geschäft mit den Kindern wird auch immer attraktiver für neue Personengruppen", erklärt Scharlowski. "Und wir haben Beispiele aus bestimmten Ländern, wo auch staatliche Bedienstete in größerem Umfang daran teilnehmen."

Sexuelle Ausbeutung

Der Kinderhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung wachse stetig. In Italien sollen bis zu einem Drittel aller ausländischen Prostituierten minderjährig sein. In Spanien und Frankreich müssen Romakinder aus Osteuropa als Bettler arbeiten und in Deutschland werden Minderjährige zum Diebstahl gezwungen. Eines ist allen Kindern gemein: Sie stammen aus zerrütteten Familien, verfügen über wenig Bildung und haben keine beruflichen Perspektiven.

Seit Jahren kämpft das Kinderhilfswerk terre des hommes gegen den internationalen Kinderhandel. Und in Europa versucht das Kinderhilfswerk durch Aufklärung die Gesellschaft für das Problem Kinderhandel zu sensibilisieren, erklärt Scharlowski.

Zur Zeit richten sich die Aktivitäten des Kinderhilfswerkes verstärkt Richtung Brüssel. Im Vorfeld der Europawahlen am 13. Juni appelliert terre des hommes an die europäischen Politiker, den Schutz für gehandelte Kinder zu verbessern. Und noch eine Forderung stellt Boris Scharlowski: Kinderhandel müsse endlich als Verbrechen gegen die Menschlichkeit geahndet werden.

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